Starke Argumente für den Standort

Schweiz: Starke Argumente für den Standort

Geringe Steuerbelastung eher sekundär

Eines der ersten, wenn nicht das beste Argument für den Standort Schweiz, wird von den IT-Unternehmen in der Computerworld-Umfrage als eher nachrangig betrachtet: die moderate Steuerlast. Nur circa 40 Prozent der befragten IT-Firmen betrachten die vergleichsweise geringen Abgaben als Standortvorteil.
Vom Informationstechnologieausrüster Elcoteq, der seit dem vergangenen Jahr seinen internationalen Firmensitz in Zug hat, war die Übersiedelung in die Schweiz knallhart kalkuliert: Nach dem Standortwechsel führte das Unternehmen ein neues Rechnungsmodell ein, das für die meisten Kunden- und Zuliefererverträge gilt. Der Vertragspartner von Nokia und anderen Handy-Herstellern, für die Elcoteq Mobiltelefone montiert, ist nun die Zuger Dependance, sodass die Steuerlast des Konzerns reduziert werden konnte.
Schweizer Kantone werben um IT-Unternehmen, die auf Standortsuche sind. Mit Neuansiedlungen verbunden sind selbstredend höhere Steuereinnahmen, aber auch ein Imagegewinn: «Die Ansiedlung eines der führenden dot-com-Unternehmen weltweit macht die Dynamik in diesem Kanton deutlich. Die Ansiedlung von eBay fördert das positive Image des Kantons Bern», sagte die damalige Regierungsrätin, Elisabeth Zölch-Balmer, anlässlich der Eröffnung des internationalen Firmenhauptsitzes in der Bundeshauptstadt. Der Kanton habe eBay einige Vorteile, an erster Stelle attraktive steuerliche Rahmenbedingungen, anbieten können, so die Regierungsrätin.
Wie die Kantone wirbt auch die Unternehmensberatung Mergeconsult aus Stansstad im Kanton Nidwalden um Unternehmensansiedlungen in der Schweiz. Neben der geringen Steuerbelastung profitierten Firmen hierzulande auch von deutlich tieferen Gesamtarbeitskosten als in konkurrierenden Wirtschaftsräumen. Trotz des hohen Gehaltsniveaus seien die Lohnnebenkosten niedrig, beschwichtigt Mergeconsult. So finanzierten beispielsweise Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam die Sozialversicherung.

Im Zentrum von Europa

Jedes dritte von Computerworld befragte IT-Unternehmen sieht die geografisch zentrale Lage der Schweiz in Europa und die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur als Vorteil für den Standort an. Mit der Euro-Zone - laut der Investmentbank Goldman Sachs der grösste Wirtschaftsraum der Welt - unterhalten hiesige Firmen rege Geschäftsbeziehungen: Nach Angaben der Unternehmensberatung Mergeconsult ist die Schweizer Volkswirtschaft der drittgrösste Warenlieferant und der zweitgrösste Kunde der Europäischen Union. Zudem flössen rund der Hälfte der schweizerischen Direktinvestitionen in den EU-Raum.
Für einen regen Handel sprechen auch die höheren Transportvolumina im alpenquerenden Güterverkehr durch die Schweiz. Nach Aussage des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK, www.uvek.admin.ch) seien im Vorjahr insgesamt 39,5 Millionen Nettotonnen über die Schweizer Alpen befördert worden - eine Steigerung von 3,5 Prozent. Fast zwei Drittel davon entfielen auf die Schiene, ein europaweit einmalig hoher Anteil, wie das UVEK mitteilte.
Ein vergleichbares Wachstum registrierte das Bundesamt für Strassen (ASTRA, www.astra.admin.ch) beim Verkehr auf den Nationalstrassen. Er sei im letzten Jahr allerdings stärker gewachsen als in den vorangegangenen Jahren: 3,0 Prozent gegenüber dem Zehnjahresmittel von 2,4 Prozent. Die gute Nachricht laut ASTRA: Umgekehrt verlief die Entwicklung bei den Staustunden. Im Vergleich mit dem Jahr 2006 war eine Abnahme um 10,3 Prozent zu verzeichnen. Die 10316 Staustunden im vergangenen Jahr sind der tiefste Wert der letzten sechs Jahre.
Stauschwerpunkt der Schweiz ist der Ballungsraum Zürich. Hier staut sich laut dem Bundesamt an ganzen 281 Tagen im Jahr - also durchschnittlich an jedem Werktag - der Verkehr.



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