«Der Digitaltag soll sich als neuer Feiertag etablieren»

Die künftige Aushängeschilder der Schweiz

CW: Worin sehen Sie solche Aushängeschilder?
Bürer: Die Schweiz ist sehr gut darin, Hard- und Software auf höchstem Niveau zu vereinen. Diesbezüglich sehe ich riesige Chancen. An vielen anderen Standorten kann man zwar günstiger produzieren, erhält aber nicht dieselbe Qualität. Auch das Thema Blockchain müssen wir weiterverfolgen. Die erste Welle war aus technologischer Sicht leider noch ungenügend und schaffte den Durchbruch etwa aufgrund des massiven Energiekonsums, der hohen Kosten oder des tiefen Vertrauens nicht. Die nächste Welle wird aber sicher kommen und deutlich kraftvoller sein. Ausserdem verfügen wir über eine der besten Infrastrukturen weltweit. Deshalb können wir auch bei Themen wie Smart Building oder Smart Mobility führend werden. Obwohl wir hier im Land keinen eigenen Autohersteller haben, könnten wir die ersten sein, die autonomes Fahren einführen.
CW: All das bedingt, dass die Gesellschaft mit an Bord ist. Wie hoch ist die gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien aus Ihrer Sicht?
Bürer: Natürlich gibt es Ängste – vor Datenklau, Verlust der Privatsphäre oder Robotern. Andererseits kommt man heutzutage beispielsweise ohne Smartphone nicht mehr aus. Es ist also eine paradoxe Situation. Grundsätzlich bringen technologische Fortschritte einen Nutzen, ver­ändern aber etwa auch die Arbeitswelt. Das geht Hand in Hand und muss gesellschaftlich akzeptiert werden. Für alle Bürgerinnen und Bürger ist deshalb das lebenslange Lernen zentral. Man muss sich ständig weiterbilden. Wir starteten dazu die Awareness-Kampagne «Lifelong Learning», auch am Digitaltag gehörte diese zu den ganz grossen Themen. Nächstes Jahr wird unsererseits zusätzlich eine Aktivierungskampagne hinzukommen.
Umtriebig: Nicolas Bürer ist nach wie vor Chairman der Umzugsplattform Movu, zudem unterstützt er als Business Angel Schweizer Start-ups
Quelle: Digitalswitzerland
CW: Wo sehen Sie die grössten Risiken im Zusammenhang mit technologischem Fortschritt?
Bürer: Wir müssen zum Beispiel unbedingt besser darauf achten, dass Daten nicht missbraucht werden. Besonders, wenn man sich überlegt, welche digitalen Spuren wir tagtäglich hinterlassen. Leider ist das schon passiert. Eine weitere Herausforderung wird der Umgang mit der zunehmenden Automatisierung sein. Wenn sie tatsächlich viele Jobs wegfressen wird und die Arbeitslosigkeit ansteigen lässt, dann haben wir ein grösseres Problem. Da müssen wir aufpassen, dass die Wirtschaft als Makrosystem gut genug ist, um immer noch genügend Jobs anbieten zu können. Vielleicht braucht man dann doch irgendwann ein Grundeinkommen, wie es Elon Musk vorschlägt. Die positive Theorie ist, dass die Wirtschaft stets genügend neue Jobs schaffen wird – an diese glaube ich persönlich eher.
CW: Der Dialog mit der Bevölkerung steht seit der Lancierung des Digitaltags im Zentrum des Anlasses. Wie hat das in diesem Jahr geklappt?
Bürer: Es ist uns gut gelungen, aber es gibt noch grosses Potenzial. Unser Anspruch ist, künftig in allen Kantonen mit dem Digitaltag präsent zu sein. Denn es gilt, die Bevölkerung lokal abzuholen und mit ihr in den Dialog zu treten. Der Event ist für uns also keine zentralisierte Übung, sondern sollte komplett dezentral aufgebaut sein – im Optimalfall sogar mit mehreren Standorten pro Kanton. Unser Ziel ist es, das bis zum Digitaltag 2021 zu erreichen.
CW: Woran wird eigentlich der Erfolg von Digitalswitzerland gemessen?
Bürer: Einerseits überprüfen wir unsere Projekte anhand von Kennzahlen. Deshalb realisieren wir auch nur konkrete und messbare Projekte. In Bezug auf den Digitaltag lässt sich so etwa sagen, dass wir in diesem Jahr 270'000 Be­sucherinnen und Besucher verzeichneten und rund 2,5 Millionen Menschen davon hörten. Andererseits messen wir unseren Erfolg daran, wer die Bedeutung und Dringlichkeit der Thematik erkannt hat. Auf der Makroebene schauen wir zusätzlich, ob die Schweiz international in den verschiedenen Rankings nach wie vor erfolgreich abschneidet. Für uns als einzelne Entität ist es hierbei aber eher schwierig zu sagen, welchen genauen Beitrag wir dazu leisten.


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