«Der Digitaltag soll sich als neuer Feiertag etablieren»

Digitalswitzerland im Umfeld der ICT-Verbände

CW: Verschiedene Verbände und Organisationen setzen sich für  die Interessen der Schweizer ICT-Branche ein. Wie bewegt sich Digitalswitzerland in diesem Umfeld?
Bürer: Der Schlüsselfaktor für die ICT-Hubs der Welt ist der Kampf um die Talente. Jene Hubs, die es schaffen, sie anzuziehen, entscheiden das Rennen für sich. Gerade beim Thema Fachkräftemangel würden wir deshalb in den nächsten Jahren gerne stärker mit ICT-Verbänden zusammenarbeiten. Derzeit führen wir dazu Diskussionen mit verschiedenen Playern. Schliesslich brauchen sämtliche Industriezweige zunehmend mehr  IT- und Digital-Spezialisten. Daher wäre eine verstärkte  Zusammenarbeit wichtig, damit wir in den nächsten Jahren mehr Leute für den ICT-Bereich ausbilden können. Insgesamt müsste die Verbandslandschaft näher zusammenrücken und mehr kooperieren.
CW: Was macht Digitalswitzerland besser als die ICT-Verbände?
Bürer: Unser Anspruch ist es nicht, deren Lücken zu füllen. Allerdings gehört es zu uns, dass wir die Bevölkerung einbeziehen – insbesondere durch den Digitaltag. Wir glauben, dass es dringend notwendig ist, die Leute auf die Reise mitzunehmen. Viele haben Angst vor der Digitalisierung, vor Robotern, die ihnen den Job streitig machen, oder vor der fehlenden Privatsphäre im Netz. Zum Teil ist das wahrscheinlich sogar berechtigt. Gerade mit Daten lassen sich Services anbieten, die heute noch undenkbar sind. Der Nachteil davon ist aber, dass die Privatsphäre darunter leidet. Deshalb ist der Austausch über Technologie in Zusammenhang mit der Gesellschaft für uns enorm wichtig.
CW: Viele Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder auch Stiftungen sind Mitglied bei Digitalswitzerland. Könnte man sie nicht auch als Verband bezeichnen?
Bürer: Nein, das sind wir nicht. Wir sind eine Bewegung und rütteln die Schweiz auf. Das ist für mich Digitalswitzerland. Schliesslich vertreten wir niemanden – ausser die Schweiz.
“Wir müssen uns fragen, wobei die Schweiz in Zukunft eine führende Rolle spielen kann„
Nicolas Bürer
CW: Wie meinen Sie das?
Bürer: Hierzulande motzt man gerne. De facto machen wir aber sehr viel Gutes. Im Global Talent Competitiveness Ranking von Insead und der Adecco-Gruppe belegt die Schweiz beispielsweise seit sechs Jahren den ersten Platz. Auch verfügen wir über hervorragende akademische Einrichtungen und eine geniale Infrastruktur. Die Schweiz muss aber noch lernen, bei Techologie und Innovation international gross zu werden und sich als Ökosystem besser zu vermarkten. Man reduziert uns nach wie vor oft auf Schokolade und Uhren. Geht es aber um Zukunftsthemen, dann denkt man selten an uns. Deshalb müssen wir uns international besser positionieren und dabei wollen wir helfen.
Auch wir als Digitalswitzerland möchten europaweit bekannt werden. Noch wichtiger ist aber, dass der Standort Schweiz in den nächsten Jahren über Aushängeschilder mit internationaler Strahlkraft verfügen wird. Wir suchen daher für die Nation die Themen der Zukunft. Schokolade, Käse, Pharma und Banking – alles gut. Aber wir müssen uns fragen, wobei die Schweiz in Zukunft weltweit eine führende Rolle spielen kann.


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