«Innovation ist in der DNS und Kultur von Bühler»

Der Chef spricht (k)ein Machtwort

Wie involviert sind Sie, Herr Scheiber, in die Technologieprojekte? Treffen Sie sich regelmässig mit den Kollegen aus dem Digitalressort?
CEO Stefan Scheiber ist Innovation in der DNS des Unternehmens Bühler verankert
(Quelle: Samuel Trümpy)
Scheiber:
Wir sitzen zu diesem Thema aufgrund der Wichtigkeit jeden Monat zusammen. Denn wir haben für das Gesamtgeschäft eine Strategie und einen Massnahmenplan mit fünfjähriger Laufzeit definiert, die jeweils heruntergebrochen werden in jährliche Schritte. Das beinhaltet auch die Weiterentwicklung der Technologie und der Digitalisierung. Um die jährlichen Ziele zu erreichen, haben wir vorausschauend ambitionierte Kriterien festgelegt, die in Aktionsplänen angegangen werden. So kommen wir drei, gemeinsam mit anderen Bereichsleitern, mindestens einmal pro Monat zusammen, um die erreichten Ziele und die erforderlichen Massnahmen zu diskutieren.
Aber anstatt uns in unendlichen Analysen zu ergehen, bis wir schliesslich selbst komplett paralysiert sind, gehen wir ins Feld. Wir testen verschiedene Technologien direkt im Markt. Falls wir scheitern, dann scheitern wir schnell und lernen aus dem Misserfolg.
“Im 21. Jahrhundert bedeutet Veränderung vor allem digitale Veränderung„
Stefan Scheiber, CEO Bühler
Sind Sie, Herr Scheiber, in der Regel der Initiator für Innovation bei Bühler?
Scheiber: Nein. Innovation ist wirklich Teil der DNS und Kultur unseres Unternehmens, das geht bis zu unseren Gründern und Inhabern, der Familie Bühler, zurück. Es wäre also fatal, wenn Innovation auf mich reduziert werden würde. Deswegen gebührt unserem CTO Ian Roberts grosse Anerkennung für die Initiative, dass wir alle 13'000 Mitarbeiter in den Innovationsprozess einbeziehen durch den erwähnten Wettbewerb. Für mich steht dabei nicht so sehr im Vordergrund, ob alle Ideen der Mitarbeiter auf die Digitalstrategie einzahlen oder ob sie alle umgesetzt werden. Der grösste Wert entsteht durch das Engagement jedes Einzelnen und damit ein Engagement mit der Unternehmung und ihrer Zukunft. Denn Stillstand ist heute gleichbedeutend mit Rückschritt. Und Zukunftsorientierung bedeutet konstante Veränderung. Nur so können wir die Veränderungen auf allen Ebenen fördern. Im 21. Jahrhundert bedeutet Veränderung in erster Linie digitale Veränderung, aber nicht ausschliesslich. Für mich ist es von grösster Bedeutung, dass wir Trends und Marktentwicklungen frühzeitig und vorwärtsschauend erkennen und dann rechtzeitig Chancen und Risiken erfassen. Diese Agilität ist wohl der entscheidende Faktor für zukünftigen Erfolg.
Roberts: Der CEO ist aber durchaus ein sehr wichtiger Faktor im Veränderungsprozess. Ich erinnere mich gut an ein Meeting der 100 wichtigsten Führungskräfte von Bühler, an dem diverse digitale Lösungen vorgestellt wurden. Am Ende forderte Stefan die Manager auf, beim nächsten Treffen digitale Bühler-Lösungen von jedem Geschäftsbereich zu zeigen. Dank Stefans Forderung hatten die Führungskräfte keine Wahl: Sie mussten liefern. Da es allerdings die Manager lieben, sich miteinander messen zu können, entstand schliesslich eine Art Wettbewerb, in dem viele neue Ideen generiert wurden.
Zur Person
Stefan Scheiber
ist seit Mitte 2016 der CEO von Bühler. Er ist nach Calvin Grieder erst der zweite Chef, der nicht aus der Familie Bühler stammt. Der 53-Jährige ist seit 1988 bei Bühler beschäftigt, zunächst während 15 Jahren in mehreren leitenden Funktionen weltweit. 1999 übernahm er die globale Leitung der Geschäftsbereiche Brauerei/Mälzerei und Reis und anschliessend die Verantwortung der Geschäfte von Bühler Deutschland. Der studierte Betriebswirt ist seit Mitte 2005 Mitglied der Konzernleitung.


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