01.10.2015, 13:29 Uhr

Warum haben es Schweizer FinTechs schwer?

London, New York, Singapur – und auch Zürich sind Zentren für FinTech. Schweizer Gründer sind jedoch rar, ringen mit der Finma und sollten sich auf ihre Stärken konzentrieren.
Die Zentren für Jungunternehmen in der Finanzbranche sind heute London, New York und Singapur. In Zürich und der Schweiz beginnen sich FinTech-Communities zu entwickeln, das Alleinstellungsmerkmal von hiesigen Gründungen wird aber scheinbar noch gesucht. An der Konferenz «Fintech» am Mittwoch in Zürich versuchten Experten zu ergründen, warum sich Schweizer Start-ups schwer tun in der Finanzsparte.

Schweizer Stärken nutzen

Den Blick von aussen auf die Schweizer FinTech-Szene warfen Elizabeth Lumley und Jess Williamson. Lumley aus dem Startupbootcamp Fintech London sah in der Schweiz ideale Rahmenbedingungen für Gründer: Die stabile politische Lage, die wachsende Wirtschaft und die hervorragend ausgebildeten Fachkräfte würden die Schweiz auszeichnen. Gleichzeitig stünden die Rahmenbedingungen den Start-ups aber auch im Wege. Denn Gründer müssten bereit sein, Risiken einzugehen und das Scheitern zu akzeptieren. Beides habe sie bei den Schweizer Jungunternehmen vermisst, die sich für das Startupbootcamp in den letzten Jahren beworben hätten.
Williamson vom Londoner Barclays Accelerator «Techstars» wusste, dass den Start-ups die Kooperation mit Banken helfen könne. Die Jungunternehmer könnten ihre Technologie in den Infrastrukturen der Finanzinstitute testen. Zugleich lernten auch die Banken, wie Gründer mit Herausforderungen umgehen. Beide Seiten würden profitieren, war Williamson überzeugt. Entsprechend gutgeheissen wurden die Programme von Credit Suisse (Impact Hub), Six (Incubator F10) und UBS (Future of Finance Challenge). Europas grösster Hackathon, HackZurich, blieb leider unerwähnt. Die Expertin betonte jedoch die Wichtigkeit für Schweizer Gründer, sich auf die Stärken der hiesigen Finanzindustrie zu konzentrieren: Die Institute agieren ausserhalb der Europäischen Union und seien weltweit führend im Wealth Management.

Lernprozess der Finma

Williamson wusste aber auch, dass Grossbritannien es den FinTechs teils einfacher macht, in der Finanzindustrie Fuss zu fassen. Etwa würde der britische Regulator Financial Services Authority (FSA) die «Techstars» bei Bedarf besuchen und Probleme mit den Gründern diskutieren. Ein solches Beratungsmandat habe die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma nicht, erklärte Rupert Schaefer an dem Anlass. Nächste Seite: die Schweizer Nische Der ‎Leiter Strategische Grundlagen betonte aber, Innovation sei für die Finma ebenso «sehr wichtig» wie die Regulierung des Finanzplatzes Schweiz. Hinsichtlich der Kooperation mit den Start-ups sei die Aufsichtsbehörde «in einem Lernprozess», einige Ergebnisse dieses Prozesses seien zum Beispiel Faktenblttern zu Bitcoin und Crowdfunding. Dabei arbeite die Finma mit einer «pragmatischen Interpretation» von Bitcoin, sagte Schaefer. Den Gründern würden Tipps gegeben, wie sie Geschäftsmodell definieren müssen, um nicht von der Regulation betroffen zu sein. Eine Rechtsberatung wie in London sei nach den Worten des Geschäftsleitungsmitglieds aber nicht Auftrag der Finma.

FinTech-Vertical als Chance

Bitcoin und Blockchain identifizierten FinTech-Investoren als eine Chance für Schweizer Gründer. In den Räumen Genf, Zürich und Zug gebe es bereits Communities von Firmen, die Lösungen mit und für die Krypto-Währung sowie die zugrundeliegende Blockchain-Technologie entwickelten, berichtete Web-Unternehmer und Fintech-Investor Marc Bernegger. Diese Ballungszentren würden selbst Blockchain-Entwickler aus dem Sillicon Valley in die Schweiz locken. Allerdings warnte der Investor auch vor «politischen Entwicklungen», die den Zuzug von Fachkräften erschwerten. Gemeint war wohl die Kontingentierung der Zuwanderung durch die umgesetzte «Masseneinwanderungsinitiative».
Von den FinTech-Investoren eher belächelt wurden die Start-up-Engagements der grossen Finanzdienstleister. «Accellerators und Incubators sind nicht viel mehr als Medienarbeit», sagte etwa Jochen Gutbrod von b-to-v Partners. Anstatt nur keine Beträge zu streuen, sollten Industrie und Wirtschaft viel mehr Kapital für Innovation bereitstellen. Sowohl Bernegger als auch Gutbrod haben allerdings selbst nur wenige Beteiligungen an Schweizer FinTechs.


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