«Wir führen Firmen zu mehr Diversität»

Bias in den Unternehmen

CW: Es herrscht Fachkräftemangel in der Schweiz. Eigentlich sollte es Ihr Unternehmen gar nicht brauchen. Wozu braucht es Witty Works?
Vuillerat: Aktuell betreuen wir fast 60 Frauen mit tech­nischem Background in unserem Talent-Pool. Manche von ihnen haben über 80 Bewerbungen geschrieben.

CW: Mehr als 80 Bewerbungen im Technologie-Umfeld? Wie kann das sein?
Fischer: Wir haben heute die am besten ausgebildete weibliche Generation, die es jemals in der Weltgeschichte ge­geben hat. Das sehen wir auch an unserem Talent-Pool. Die Frauen bringen allesamt eine gute Ausbildung und jeweils jahrelange Erfahrung mit. Unsere Recherchen mit Fokus-Gruppen weiblicher Tech-Talente haben uns allerdings gezeigt, dass es für Frauen um einiges schwieriger ist, überhaupt zu einem ersten Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Oftmals werden sie in den Rekrutierungsprozessen einfach abgelehnt. Entweder erhalten sie gleich nach der ersten Runde eine Absage oder sogar bereits nach dem Anschreiben. Das führen wir auf das Bias zurück, das in den Unternehmen vorherrscht.
“Unsere Sozialisierung ist: Männer machen Karriere, Frauen bleiben zu Hause„
Nadia Fischer
CW: Sie haben das Paper «How to de-bias job ads for Women in Tech & Digital» veröffentlicht. Darin analysieren Sie, wie man Stellenausschreibungen verfasst, von denen sich auch Frauen angesprochen fühlen. Welches sind die typischen Fehler, mit denen Unternehmen potenzielle Bewerberinnen vor den Kopf stossen?
Vuillerat: Das beginnt bereits bei der Job-Bezeichnung. Da steht etwa in einem Inserat Projektleiter/-in oder Projektleiter (m/w) etc. Das erzeugt beim Lesen das innere Bild eines Projektleiters, nicht aber einer Projektleiterin. Dem kann man einfach entgegenwirken. Anstatt ein (m/w) hintenan zu stellen, kann man auch Projektleitung schreiben.
Ein weiterer Faktor, der gerne unterschätzt wird, ist die Kultur. Über diese sprechen Unternehmen viel zu wenig in Inseraten. Dafür liest man viele Superlative wie «Wir sind der führende Hersteller von ...». Diese Sprache schreckt Frauen ab – übrigens auch viele Männer. Die Resultate der Fokus-Gruppen deuten klar darauf hin, dass Frauen zuerst die Beschreibung des Jobs anschauen und sich dann sofort mit der Kultur des Unternehmens beschäftigen. Darum ist auch der Auftritt eines Unternehmens über die Corporate-Seite oder in den sozialen Medien wichtig.


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