«Wir führen Firmen zu mehr Diversität»

Tools für bessere Stelleninserate

CW: Wie sehen diese Tools aus?
Nadia Fischer optimiert Formulierungen in Job-Inseraten, damit sich mehr IT-Spezialistinnen auf die Stellen bewerben
Quelle: Samuel Trümpy
Fischer: Der erste Berührungspunkt mit einer neuen Firma ist in vielen Fällen ein Job-Inserat. Und wir sehen, dass diese in den meisten Fällen so geschrieben werden wie vor 20 Jahren. Also mit möglichst vielen und hohen Anforderungen. Mehrere Studien – unter anderem auch von der Technischen Universität München – haben jedoch gezeigt, dass Frauen ein Job-Inserat anders wahrnehmen als Männer. Oft ist die Sprache des Job-Inserats so gewählt, dass es weibliche Talente nicht anspricht und sie sich dann nicht bewerben. Dem setzen wir entgegen: Wir analysieren Job-Inserate auf sogenannte kognitive Verzerrungen oder Bias. Wir prüfen, wie attraktiv Inserate für Bewerberinnen sind, und unterstützen Firmen darin, ihre Job-Angebote dahingehend zu optimieren, dass sich auch Frauen darauf bewerben. Das bedingt, dass man Inserate für Frauen anders verfasst als für Männer. Wir schreiben Job-Inserate um und machen sie so attraktiv für Bewerberinnen. Ihre Anzeigen können unsere Kunden auch auf unserer Plattform publizieren.
Vuillerat: Wir sehen nun, dass Unternehmen Bewerbungen von weiblichen Talenten über unsere Job-Plattform erhalten. Aber oft fallen sie im Rekrutierungsprozess dann wieder raus. Dies führen wir auf das versteckte Bias in Rekrutierungsprozessen zurück.
Daher ist ein weiteres Tool die Neutralisierung des Re­krutierungsprozesses. Wir bieten Handlungsempfehlungen, sodass er möglichst frei von Bias und für alle Bewerberinnen und Bewerber mit diversem Hintergrund offen ist. Unsere Lösungen sind auch nicht auf die Schweiz beschränkt. Wir können diese global anbieten und dadurch skalieren. Das macht unseren Ansatz zusätzlich interessant.
CW: Welche Schritte bieten Sie darüber hinaus an?
Vuillerat: Wir coachen Unternehmen hinsichtlich ihres Employee Brandings. Denn der Auftritt von Firmen kann weibliche Fachkräfte abschrecken oder anziehen. Und im Wei­teren führen wir Firmen zu klaren Diversitätszielen – denn wenn Ziele klar formuliert und gemessen werden, dann werden sie auch umgesetzt.
Fischer: Wir möchten Lösungen aufzeigen, die etwas bewirken. Unsere Stärke ist, dass wir relativ schnell mit punk­tuellen Lösungen intervenieren und auf diese Weise kleine Hebel in Bewegung setzen können. Es muss nicht gleich der mehrjährige Change-Prozess sein. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, was Unternehmensentscheidern hilft, mit kleinen, einfachen Schritten zu starten.


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