«HCL will mit Notes noch 20 Jahre Erfolg haben»

Scheitern hätte ernste Konsequenzen

Ist Ihnen bekannt, dass Notes 10 IBM-intern fast niemanden kümmert? (Zum Beispiel wurde die Software am Schweizer Partnertag nicht erwähnt.)
Ja, das ist mir bekannt. IBM fokussiert hauptsächlich auf Blockchain, Cloud, Künstliche Intelligenz respektive Watson sowie Sicherheit. Jedes andere Thema schafft es bei Big Blue nicht mehr auf die grosse Bühne. Dies dürfte der Hauptgrund für die Partnerschaft mit HCL bei Domino und Notes sein.
Aus der Führungsetage von IBM bekommen wir allerdings viel Unterstützung. Zum Beispiel sind wir in intensiven Diskussionen mit John Kelly, der die Software Division von IBM leitet. Daneben hat Big Blue auch ein eigenes Interesse am Fortschritt, denn alle Mitarbeiter weltweit setzen Notes und teilweise Verse ein.
Welches sind die Investitionsfelder für die Zukunft?
Es sind drei Bereiche: Erstens die organische Weiterentwicklung der Software durch das vorhandene Engineering Team. Dabei legen wir wie erwähnt einen Schwerpunkt auf Open Source, sowohl als Quelle von Innovation als auch als existierende und funktionierende Community.
Der zweite Bereich ist die Benutzeroberfläche. Wir wissen, dass wir zum Beispiel bei der Mobile-Unterstützung noch viel Potenzial haben. An Mobile Apps müssen wir dringend arbeiten. Wenn wir hier einen guten Job machen, können wir uns gut vom Wettbewerb differenzieren. Denn die Konkurrenz ist noch nicht fortgeschritten im Mobilbereich.
Das dritte Investitionsfeld sind Partnerschaften. Aktuell führen wir ein Partner-Assessment durch, das drei Resultate haben kann: Entweder die engere Integration der Partner-Lösungen oder sogar eine Übernahme, oder eine bestehende und auch zukünftige Partnerschaft mit Gewinn für beide Seiten oder eine Partnerschaft, die aufgelöst werden kann. Aus meiner Perspektive gibt es heute zu viele Partner. Von einigen werden wir uns trennen müssen.
Was macht HCL, wenn Domino und Notes 10 kein Erfolg wird?
Ehrlich gesagt habe ich bis anhin versucht, nicht über einen Misserfolg nachzudenken. Ohne Zweifel müssen wir alles daran setzen, wieder ein Momentum für Notes zu entwickeln. Alles lamentieren hilft nichts, wir müssen uns dem Wettbewerb stellen. Sollten wir damit scheitern, könnten wir über einige substanzielle Veränderungen in der bestehenden Organisation nachdenken.
Mein Business Case ist heute für zwölf Jahre angelegt. Er sieht gewisse Investitionen vor, wenn gewisse Umsatz-, Gewinn- und EBIT-Ziele erreicht werden. An diesen Zielen werden ich und mein Team gemessen. Wir wollen gemeinsam die Ziele erreichen und Notes zum Erfolg führen.

Zur Person: Richard Jefts

zeichnet als General Manager und Vice President Collaborative Workflow Platforms bei HCL für die Weiterentwicklung der IBM-Lösungen Domino und Notes verantwortlich. In früheren Rollen war er während über vier Jahren bei IBM für die Entwicklung sowie Vermarktung von Produktivitätsanwendungen zuständig. Zuvor hatte Jefts Führungspositionen inne bei Cisco, Colt Technologies, Avid und Oak.

Zur Firma: HCL Technologies

ist ein global tätiges IT-Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in der nordindischen Industriestadt Noida. Der Konzern ist in 39 Ländern mit eigenen Niederlassungen präsent und beschäftigt weltweit rund 120'000 Mitarbeiter. Seit Oktober 2017 kooperiert HCL mit IBM für die Weiterentwicklung von Domino und Notes.


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