DSAG-Jahreskongress 17.10.2018, 16:29 Uhr

SAP-Anwender fordern, SAP antwortet

Am Jahreskongress der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe stellten die User ihre Forderungen an den ERP-Hersteller. SAP antwortete prompt. Aber nicht immer wie erwünscht.
Marco Lenck von der DSAG skizzierte die Merkmale der Geschäfts-Infrastruktur von morgen
(Quelle: computerworld.ch )
Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) formulierte am Jahreskongress in Leipzig Massnahmen, welche die Zukunft der weit verbreiteten Software in den Schweizer, deutschen und österreichischen Unternehmen sichern soll. Die Business-Lösungen müssten nach den Worten des DSAG-Vorstandsvorsitzenden Marco Lenck folgende Merkmale aufweisen: «Die zukünftige Infrastruktur ist komplex aber einfach, sie besitzt klar definierte Funktionen, verarbeitet die Prozesse in Echtzeit und arbeitet mit einheitlichen Datenmodellen.»
Dagegen zeichnen sich heutige Infrastrukturen durch fehlende Flexibilität, eine unklare Funktionstrennung, viele Schnittstellen (statt Integration) und nicht zuletzt mangelnde Geschäftsmodelle aus, sagte Lenck. Kein gutes Zeugnis für den ERP-Weltmarktführer aus Walldorf.

Forderungen der DSAG

Um die Noten zu verbessern, trat die DSAG mit fünf Forderungen an SAP heran: erstens ein einheitliches Datenmodell, zweitens Best-in-Class-Integration, drittens redundanzfreie Funktionen, viertens eine offene Plattform und fünftens weniger Cloud-only-Entwicklung. Die Aussagen von Lenck sorgten für spontanen Beifall der Rekordkulisse von rund 5000 Besuchern an dem Kongress. «Cloud-first-Entwicklung ist auch okay», gab sich Lenck bei der fünften Forderung kompromissbereit, was nochmals beklatscht wurde.
SAP bietet passende Lösungen an, die von den Kunden teilweise auch schon angenommen werden. In einer Umfrage im Vorfeld des Kongresses bejahten 41 Prozent der DSAG-Mitglieder die Frage, ob sie die Migration auf die Business Suite S/4 Hana bis zum Support-Ende 2025 realisieren werden. Die Schweizer Mitgliedsfirmen sind offenbar noch eifriger: 62 Prozent wollen migrieren.

Angebote von SAP

Die Aussichten auf viele neue Kunden für S/4 Hana stimmte SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert freudig. Nach seinen Worten könnte Walldorf mit Lösungen wie der Business Suite S/4 Hana, der IoT-Plattform Leonardo und der CRM-Anwendung C/4 Hana den Forderungen der DSAG durchaus nachkommen. Die bis anhin noch zurückhaltendenden Unternehmen sollten sich ein Beispiel nehmen an den heute bereits rund 2000 S/4-Kunden sowie auch den hunderten Firmen, die auf die Cloud-Plattform von SAP setzen.
Bernd Leukert von SAP warb für den Wechsel auf moderne Business-Anwendungen
(Quelle: computerworld.ch)
Derzeit arbeitet SAP daran, seine Anwendungen weiter zu optimieren, sagte Leukert. Im vergangenen Jahr gab es 9 Anwendungen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz im SAP-Kernsystem, mittlerweile seien es schon 58 Use Cases. Erklärtes Ziel seien 50 Prozent automatisierte Prozesse im ERP bis 2020, sagte der Manager. Weiter will der Hersteller über 3000 Business-APIs für den Zugriff von Drittsystemen entwickelt haben. SAP habe ausserdem erst jüngst mit Adobe und Microsoft eine Open-Data-Initiative lanciert, deren Grundgedanke ein gemeinsames Datenmodell für Geschäftsanwendungen ist.
Einigkeit herrschte zwischen DSAG und SAP über die Notwendigkeit, für künftige Hybrid-Betriebsszenarien auch neue Lizenzmodelle entwickeln zu müssen. «Die Unternehmen laufen Gefahr, dreimal Lizenzen zu bezahlen: für die Installation On-Premises, die Wartung dieser Lösung und für allfällige Cloud-Abonnements», sagte Lenck. Nach den Vorstellungen der DSAG böte sich eine «vertikale Lizenzierung» an, die sich nach den Funktionen und nicht nach den genutzten Plattformen richtet. SAPs Leukert doppelte nach, dass auch in Walldorf über neue Lizenzmodelle diskutiert werde. Sie könnten sich nicht mehr nach der Anzahl User sondern in Zukunft nach den Business-Objekten (beispielsweise Kunde, Maschine, Sensor) richten. Einen Entscheid gäbe es aber noch nicht.

Forderungen der Schweizer Mitgliedsfirmen

Dem Internet of Things messen die Schweizer SAP-Kunden eine grosse Bedeutung zu. Es war in der DSAG-Umfrage das wichtigste Thema bei der digitalen Transformation. Weitere Herausforderungen mit hoher Priorität sind hierzulande die digitalen Skills der Mitarbeiter und die künstliche Intelligenz. Zum Vergleich: Im gesamten deutschsprachigen Raum ist der Aufbau digitaler Skills der Angestellten das wichtigste Thema, gefolgt von der künstlichen Intelligenz und den Vorhaben rund um das Internet of Things.
Christian Zumbach von der DSAG formulierte eigene Forderungen an SAP Schweiz
(Quelle: computerworld.ch)
Für den Schweizer DSAG-Vorstand Christian Zumbach steht aber zunächst die Migration auf S/4 Hana ganz oben auf der Agenda. 62 Prozent der Schweizer Firmen streben bis 2025 die Migration an. Um auch die übrigen 38 Prozent der Unternehmen von der neuen Plattform zu überzeugen, müsse SAP Schweiz «deutlich besser über S/4 Hana informieren», sagte er.
Seine weiteren Forderungen an den ERP-Weltmarktführer drehten sich hauptsächlich um den Wechsel auf die neue Business Suite: SAP solle ein klares Vorgehen aufzeigen, das Denken in Szenarien etablieren, Kundenbedürfnisse adaptieren, erprobte Tools einsetzen, einen konkreten Business-Nutzen aufzeigen sowie Investitionsschutz gewährleisten. Zumbach gab sich im Gespräch mit Computerworld zuversichtlich, dass SAP die Forderungen erfüllen wird.


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