E-Health 15.02.2021, 08:54 Uhr

Schweizer Gesundheitssystem in der Digitalisierungskrise

Die Corona-Krise hat schmerzlich aufgezeigt, wie weit die Schweiz bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen zurück liegt. Das Wissen wäre zwar da, aber der Wille fehlt, nicht nur bei den Behörden, sondern auch bei der Bevölkerung, sagen Experten.
Die Digitalisierung des Schweizer Gesundheitswesens lässt noch zu wünschen übrig
(Quelle: ZHAW )
Die Schweiz ein Entwicklungsland in Sachen Digitalisierung? Das Land mit zwei weltbekannten Hochschulen, zahlreichen wissenschaftlichen Instituten und erfolgreichen Start-ups während einer Pandemie technologisch komplett überfordert? Die Corona-Krise hat die Versäumnisse schonungslos offen gelegt. 
Der Klassiker: Die Faxgeräte, die einige Ärzte und Spitäler zu Beginn der Krise noch für die Übermittlung von Daten benutzten. Dazu endlose Excel-Tabellen, unübersichtliche Webseiten, Registrierungsprobleme für Impfwillige oder eine private Organisation, die sich der Koordination der freien Betten in der Schweiz annehmen muss. 

BAG spielt Feuerwehr 

«Erschreckend» sei es für ihn vor einem Jahr gewesen, zu sehen, «wie analog die Prozesse rund um das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch ablaufen», sagt Andreas Wicht, promovierter Medizin-Informatiker und Experte für Digitalisierung im Gesundheitswesen bei der Unternehmensberatungsfirma Synpulse. «Sämtliche Prozesse waren nicht auf eine solche Situation angelegt». 
«Ein Armutszeugnis», auch für Alfred Angerer, Gesundheitsökonom und Professor an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Doch niemand, der sich mit der Materie auskenne, sei überrascht worden, «dass nicht gut genug kommuniziert wurde». Seit Jahren hätten die Experten betont, dass endlich Schluss sein müsse mit Papier und CDs.
«Und als dann das Haus brannte, war es schon zu spät», sagt Angerer. «In Wochen kann man nicht die Versäumnisse von Jahren aufholen». Seit Beginn der Pandemie sei dem BAG deshalb nichts anderes mehr übrig geblieben, als Feuerwehr zu spielen, ergänzt Wicht. Was gefehlt habe, sei ein gesamtheitlicher Ansatz, «den gesamten Prozess digital zu denken». 


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