«Wir stossen in neue Dimensionen vor»

Auf engstem Raum

CW: Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen und wie sind Sie diese angegangen?
Meier: Bei uns entspricht ein Stockwerk einem grossen Modul. Wir können ein Stockwerk komplett versorgen, und zwar gradlinig, sodass wir die ganze Power und Kühlung auf den Punkt hinleiten können. Das war eine grosse Herausfor­derung. Auch wird die Technik immer mehr verdichtet. Die Zeiten sind vorbei, als eine Technikerin oder ein Techniker noch zehn Meter Platz rund um die Anlage hatte.
In den heutigen Räumen gibt es noch Platz für Fluchtwege, den Ein- und Ausbau der Geräte und den nötigsten Platz für das technische Personal. Annehmlichkeiten mussten gestrichen werden. Dafür gab es schlicht keinen Raum mehr. Wir haben zudem während der Planung viel in den Aufbau der Struktur des Gebäudes investiert. Wir orientieren uns an geografischen Achsen. Bei der Stromzulieferung orientieren wir uns an der Ost-West-Achse. An der Nord-Süd-Achse haben wir den Data-Center-Bereich für die Cloud-Kunden auf der Nordseite eingerichtet, während wir auf der Südseite unsere Haustechnik betreiben.
CW: Wo haben Sie die Räumlichkeiten für die Technikerinnen und Techniker untergebracht?
Meier: Die technischen Spezialisten der Cloud-Anbieter wollen Büroarbeitsplätze innerhalb des gleichen Sicherheitsperimeters. Sodass sie nicht mehrmals pro Tag eine Personenschleuse durchschreiten müssen. Deshalb haben wir eine Bürozone angebaut, die im gleichen Perimeter liegt. Auch die Logistik haben wir auf Abläufe der Cloud-Kunden ausgelegt. Die Waren aus dem Lastwagen gelangen über zwei Anlieferrampen ins Gebäude. Im Innern verfügen wir über mehrere Zonen, in denen das Material kon­trolliert, ausgepackt und bei Bedarf gelagert werden kann. Nur die Technikerinnen und Techniker des Kunden können danach die geprüfte Ware aus dem Lager abrufen.
CW: Wie muss man sich den Warentransport vorstellen, von welchen Mengen an IT-Technik sprechen wir hier?
Meier: Die Cloud-Kunden haben zu Beginn mehrere Wochen für die Anlieferung ihrer IT reserviert. Sie fahren dann mehrmals täglich mit 40-Tonnern vor. Statt mit einzelnen Servern kommen die Kunden mit vorgefertigten Racks. In diesen ist bereits die komplette Technik montiert, ver­kabelt und kann direkt bei uns angeschlossen werden. Die Racks sind 2,90 Meter hoch, entsprechend haben wir 3,10 Meter hohe Türen. Die Racks und andere Waren werden von rund 50 Logistikspezialisten entladen, geprüft und verräumt. Das sind alles hoch spezialisierte Abläufe mit Teams, die weltweite Logistikerfahrung und die nötige Routine mitbringen. Anschliessend kommen die Tech­niker, nehmen die Geräte und schieben sie in ihren Bereich. Im laufenden Betrieb werden dann nicht mehr einzelne Komponenten, sondern komplette Racks ausgewechselt. Das ist einfacher und spart Zeit.
CW: Welche weiteren Schwierigkeiten galt es, bei der Planung und beim Bau zu meistern?
Meier: Auch beim Löschsystem mussten wir uns etwas einfallen lassen. Die internationalen Kunden kennen verschiedene Arten von Löschsystemen, die bei uns kaum verbreitet sind. Darauf mussten wir uns einstellen und das Gebäude entsprechend planen. In der Regel nutzen wir Stickstofflöschsysteme für unsere eigenen Zonen.
Das Projekt
Zürich-West 3
Das Data Center zählt zu einer in der Schweiz neuen Klasse von Rechenzentren (RZ), zu den High-Density-RZs. Hauptkunden sind globale Cloud-Anbieter, sogenannte Hyperscaler. Diese betreiben auf engstem Raum möglichst viele Racks, was enorm hohe Leistungsdichten erfordert. Im neuen RZ von Green Datacenter können bis zu 25 Kilowatt pro Rack erzielt werden, was einer dreieinhalbmal höheren Leistungs­dichte entspricht, als derzeit in Schweizer RZs üblich ist. Dennoch beträgt laut Architekt Reto Meier der PUE-Wert 1,19 und liegt damit nah am theore­tischen Idealwert von 1,0. Auch sonst kann das 70-Millionen-Franken-Projekt mit eini­gen Superlativen aufwarten. Um Aufbau und Unterhalt der Infrastruktur zu ver­einfachen, können zwei 40-Tonnen-Lastwagen zugleich Equipment ins Gebäude liefern. Das Rechenzentrum soll im September seinen Betrieb aufnehmen.


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