Gigantisch 27.02.2014, 11:48 Uhr

IBM baut die 40-RZ-Supercloud

IBM wirft mit Milliarden nur so um sich. Der Konzern will in die Cloud, koste es, was es wolle. Die Details von Big Blue's Supercloud-Strategie.
Bis ein blauer Elefant wie IBM in die Cloud geht, dauert es eine Weile. Aber dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Diesen Coup hat IBM von langer Hand vorbereitet, und der letzte Streich heisst Cloudant (BigCouch). Auf der Pulse in Las Vegas kündigte das Unternehmen die Akquise des Cloud-Spezialisten für 1,2 Milliarden US-Dollar an. Noch in diesem Jahr will Big Blue ausserdem 15 neue Rechenzentren hochziehen. Macht in Summe 40 Data Center, die sich dann weltweit zur IBM-Cloud vernetzen. Der Aufkauf von Cloudant passt perfekt in diese Strategie: die Blu-Cloud. Cloudants Datenbank BigCouch speichert semistrukturierte Dokumente im JSON-Format ab, also weitgehend schemafrei. Stellen Sie sich vor, Sie könnten in klassisch-relationalen Datenbanken pro Eintrag, einfach ein paar Datenfelder ergänzen oder streichen, je nachdem, wie es gerade am Besten passt. Nun, genau das kann BigCouch (eine verbesserte Variante des Open-Source-Projektes CouchDB). Man muss erst einmal Schlucken angesichts des terabyte-grossen Zettelkastens, der sich dann auftürmt. Aber in der Praxis scheint das gut zu funktionieren.

Top-Shot der NoSQL-Avantgarde

Lange Zeit hatte IBM auch MongoDB, den zweiten Top-Shot der sogenannten NoSQL-Bewegung in Erwägung gezogen, sich dann aber für Cloudants BigCouch entschieden.Die CouchDB-Variante gilt unter Experten als stabiles, verlässliches System, das auch Netzwerk-Unterbrüche und Hardware-Ausfälle in konsistentem Zustand übersteht. Denn Ausfälle wird es dann und wann geben. BigCouch beherrscht die sogenannte "selektive Replikation", also die Datenverwaltung und -Analyse über die Grenzen einzelner Server und Rechenzentren hinweg. Mit BigCouch hat sich IBM also eine waschechte Cloud-Datenbank der NoSQL-Avantgarde an Bord geholt. Will heissen, eine Datenbank, die für die Cloud designt und nicht nachträglich darauf hingefrickelt wurde. Die Abfragen (klassisch über SQL) realisieren sogenannte "Views" über REST (get, post, put etc.) und JavaScript-Progrämmchen, die aus allen Dokumenten zum Beispiel diejenigen mit dem Tag "swiss_company" heraussuchen. Auf der nächsten Seite: IBMs proprietäre Cloud und Open-Source-Pläne.

IBMs proprietäre Cloud

Der zweite, noch wichtigere strategische Baustein in IBMs Blu-Cloud heisst Softlayer.Big Blue übernahm den Cloud-Spezialisten Anfang Juni letzten Jahres für 2 Milliarden Dollar. Softlayer macht dasselbe wie das Open-Source-Projekt OpenStack, nur ein wenig anders. Beide Lösungen verwalten virtuelle Maschinen und virtuellen Speicher, schaffen also das Cloud-Infrastruktur-Layer, auf das Applikationen wie BigCouch aufsetzen. Um nun dem Gerede von einer proprietären Blu-Cloud  via Softlayer-Technologie einen Riegel vorzuschieben, hat IBM das Projekt Jumpgate vom Zaun getreten. Damit sollen sich, wenn es denn demnächst fruchtet, Applikationen zwischen IBMs Softlayer-IaaS-Cloud und OpenStack-Clouds migrieren lassen.

Open-Source? Ja, aber...

Der dritte strategisch eminent wichtige Baustein der Blu-Cloud heisst "Cloud Foundry". Damit lassen sich Applikationen, also Cloud-Services, sprachübergreifend in der Cloud publizieren, wie zum Beispiel auch die "cognitive Apps" für IBMs Intelligenzbolzen Watson. Mit Cloud Foundry tat sich IBM lange Zeit sehr schwer,und Bedenken sind immer noch präsent. Denn die Technologie stammt eigentlich von der Konkurrenz, vom Virtualisierungsmarktführer VMware. Zwar ist Cloud Foundry mittlerweile Open-Source und steht unter einer Apache-2.0-Lizenz - freie Software also. Cloud Foundry läuft aber auf VMware-Technologie wie vSphere, und VMware hat sich natürlich Copyrights und Patentschutz dafür gesichert. Bleibt nun noch die Frage, welche Cloud-Services IBM denn nun eigentlich auf ihrer globalen IaaS-Cloud zu offerieren gedenkt. Z-Services, Mainframe-Apps...? Die Antwort auf diese Frage ist IBM auf der Hausmesse Pulse in Las Vegas weitgehend schuldig geblieben.


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