01.06.2016, 16:22 Uhr

Die Zukunft von Twint

Paymit und Twint werden zusammengeführt. Die künftige Schweizer Lösung für Mobile Payment soll das Beste aus beiden Vorgängern enthalten. Migros stellt sich quer.
Twint soll als einheitliche Schweizer Lösung für Handy-Zahlungen etabliert werden. In der vergangenen Woche gaben die fünf grössten Schweizer Banken und der Finanzdienstleister Six die Fusion von Paymit und Twint bekannt. Ende Jahr soll es so weit sein. Bis dahin laufen Integrationsarbeiten in den IT-Backends und an der Kundenfront, sprich den Apps. Wie die Zusammenführung der heute zwei Lösungen auf den Smartphones der Nutzer realisiert wird, konnte der alte und neue Twint-CEO Thierry Kneissler auf Anfrage von Computerworld noch nicht sagen.
Kneissler erklärte jedoch, dass Twint die Geschäftsmodelle der beiden Lösungen vereinen wird. Während Paymit mit Transaktionsgebühren (irgendwann) Geld verdienen sollte, basierte das Konkurrenzsystem auf Umsätzen mit Kundendaten. «Twint steht für Payment und Mehrwertleistungen; beide Elemente werden also tragend und wichtig sein», so der CEO.

Supercard und Cumulus

Die Kundendaten sind und bleiben damit eine wichtige Erlösquelle für Twint. Der Anbieter ist allerdings auf erstens die Zustimmung der Verbraucher und zweitens auf die Kooperation der Händler angewiesen. Detailriese Coop akzeptiert das Zahlungsmittel zwar, übermittelt Twint jedoch nur die Zahlungsinformationen, wie die «Handelszeitung» schreibt. CEO Kneissler schätzt sich trotzdem glücklich, die Supercard im Boot zu haben. Die Bonuskarte sei bereits im heutigen Twint integriert, sagt er. Mit der Migros existiert ebenfalls eine Zusammenarbeit, die noch aus der Zeit vor der Fusion stammt. Der Zusammenschluss ändert an den Bedingungen nichts: «Twint erhält nur die für die Zahlungstransaktion notwendigen Daten, keine Detailinformationen zum Einkauf», erklärt Luzi Weber, Mediensprecher des Migros-Genossenschafts-Bundes, auf Anfrage. Der Grossist verweigert Twint auch den Zugriff auf die Daten des Kundenbindungsprogramms «Cumulus». Eine Anbindung von Cumulus an Twint ist nicht geplant, ergänzt Weber.  Nächste Seite: Migros geht eigenen Weg

Migros geht eigenen Weg

Auch an den weiteren Plänen für Mobile Payment will die Migros festhalten. Schon heute können Kunden mit der Migros-App und dem Dienst P2P.ch via Smartphone Geld transferieren. «Mobile Payment bleibt eine Funktion innerhalb der Migros-App. Twint wird 2016 in der App als zusätzliches Zahlungsmittel integriert», sagt Mediensprecher Weber.

Künftige Anwendungsszenarien

Die beiden Grossisten waren zwar an den Fusionsgesprächen beteiligt, werden aber nicht Teilhaber des neuen Unternehmens. «Die Detailhändler sind wichtige Partner von Twint, indem sie die Lösung als Zahlungsmittel akzeptieren», sagt Kneissler. Damit sind sie in der gleiche Position wie beispielsweise die Axa Winterthur. Als Anwender von Twint will die Versicherung in Zukunft ihren Kunden eine Schadensumme direkt auf das Smartphone senden. Dieser Anwendungsfall ist das erste B2C-Szenario fr Twint in der Schweiz.
Die Nutzung seiner Bezahllösung will Twint den Händern per Ende Jahr unter anderem mit einer weitreichenden Unterstützung von Kundenbindungsprogrammen schmackhaft machen. Dafür setzt der Anbieter unter anderem auf eine Marketing-Software des Herstellers SAS. Am «SAS Forum» am Mittwoch in Zürich gab Twint-Manager Dominic Senn einen Ausblick: Händler werden für das Ausspielen von Rabatt-Coupons keinen Rappen zahlen müssen, sondern werden erst belastet, wenn ein Kunde den Coupon beim Einkauf mit dem Smartphone einlöst. Für die Koordination solcher Kampagnen will Twint ein Self-Service-Portal für Händler bereitstellen, sagte Senn.


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