Grobkonzept 23.02.2022, 13:36 Uhr

eHealth Suisse nimmt neuen Anlauf für E-Impfbüchlein

Nach dem Datenschutz-Fiasko um Meineimpfungen kommt langsam Bewegung in eine Alternativlösung für das elektronische Impfbüchlein. eHealth Suisse hat ein Konzept vorgelegt, berichtet inside-it.ch.
Das internationale Impfbüechlein
(Quelle: cma/nmgz)
eHealth Suisse, die Koordinationsstelle für das elektronische Patientendossier (EPD) hat ein Grobkonzept für ein neues digitales Impfbüchlein vorgelegt. Durch die strukturierte Integration der Impfdokumentation sollen unter anderem verifizierbare Zertifikate direkt aus dem EPD-System integriert werden können, schreibt inside-it.ch. Diese benötigt man beispielsweise bei internationalen Reisen.

Rückblick: Datenschutz-Debakel bei Meineimpfungen.ch

Vergangenes Jahr wurde bekannt, dass die Impfplattform Meineimpfungen massive Sicherheitsmängel aufwies, wie das Onlinemagazin «Republik» aufdeckte. Rund 450'000 Personen hatten Ihre Impfdaten auf der Plattform gespeichert. Betroffen war auch die Smartphone-App myViavac. Die Plattform wurde im März vergangenen Jahres offline genommen und die Nutzerinnen und Nutzer hatten keinen Zugriff mehr auf Ihre Daten. Zunächst hatte die Stiftung Meineimpfungen geplant, im Mai 2021 wieder online zu gehen. Doch das Datenschutz-Debakel hatte den Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) auf den Plan gerufen, welcher ein formelles Verfahren gegen die Betreiberin der Plattform – die Stiftung meineimpfungen mit Sitz in Gümligen (BE)  – eröffnete. In seinem Schlussbericht bestätigte der Eidgenössische Datenschützer «schwerwiegende Mängel». Zunächst wurde die Plattform definitiv eingestellt, anschliessend kam es zur Liquidation der Stiftung.
Zuletzt hatte Meineimpfungen von sich Reden gemacht, als die Nutzerinnen und Nutzer darüber informiert wurden, dass man nun doch noch einen Weg gefunden habe, die Daten zurückzugeben. Allerdings wurde auch bei der Datenrückgabe der Datenschutz nicht berücksichtigt. Die Stiftung verschickte den Nutzenden deren Impfdaten als Anhang einer unverschlüsselten E-Mail, wie der Edöb hier kritisierte.
Damals war auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Kritik geraten. Das BAG hatte 2013 über die Stiftung den Impfbüechli-Dienst gestartet (Computerworld berichtete). Das BAG war der wichtigste Partner von meineimpfungen.ch. Laut Recherchen der «SonntagsZeitung» (Paywall) vom April 2021 hatte das Amt damals bereits 2,15 Millionen Franken in die Plattform investiert und weitere 250’000 Franken in Aussicht gestellt.

Neuer Anlauf von eHealth Suisse

Der Bundesrat hatte vergangenen November die Schaffung eines elektronischen Impfausweises befürwortet. Dieser sollte die Ersatzlösung für meineimpfungen.ch sein, wie unter anderem Nau.ch berichtete.
Das Ende von Meineimpfungen sowie die Bedeutung der Impfdokumentation in der Pandemie hätten zu raschem Handeln veranlasst, sagt Adrian Schmid, Leiter von eHealth Suisse zu inside-it.ch. Das Konzept habe mit Meineimpfungen nichts zu tun uns sei erst mal nur ein Vorschlag.
Dem Bericht zufolge seien die Grundvoraussetzungen bereits festgelegt, beispielsweise wo die Daten gespeichert sind oder wer Zugang zu welchen Datensätzen habe. Das Konzept für die Integration im EPD sei erstellt, Details müssten bei der Umsetzungen aber noch geklärt werden.
Start noch unklar
«Eine kurz- oder mittelfristige und flächendeckende Einführung des vollständigen Impfdossiers mit allen Informationen mit Bezug zum Immunitätsstatus (Vorerkrankungen, Allergien und Unverträglichkeiten) und der Abfrage von Impfempfehlungen im EPD ist ambitioniert», zitiert inside-it aus dem Grobkonzept. Deshalb sei je nach Aufwand eine mehrstufige Einführung vorgesehen. Wann diese starte, sei noch nicht festgelegt.
Bereits heute können Nutzerinnen und Nutzer des elektronischen Patientendossiers ein Foto oder Scan ihres Impfausweises im EPD ablegen.
«In der ersten Einführungsphase sollen zunächst die Daten flächendeckend mit den CH-VACD
Austauschformaten dokumentiert werden, welche heute bereits im blauen Impfausweis im Papierformat erfasst werden können», heisst es im Grobkonzept. Das sind die Impfungen, nicht erwünschte oder nicht angezeigte Impfungen (z.B. nach Genesung), Laborergebnisse sowie die bekannten Allergien auf Impfstoffe und Vorerkrankungen mit Relevanz für die Impfplanung.
«In einem zweiten Schritt soll die Abfrage von Impfempfehlungen ermöglicht werden», heisst es im Dokument weiter. Das Konzept sehe die Integration eines zentralen Dienstes für den automatisierten Impfcheck basierend auf den EKIF-Empfehlungen vor, welches von Patienten und Gesundheitsfachpersonen für die Erkennung von Impflücken und die Planung zukünftiger Impfungen nutzen könnten. Es sei möglich, die beiden Schritte zu einem einzigen zu bündeln.
Mehr erfahren Sie im Grobkonzept [PDF] zur Impfdokumentation im EPD sowie dem Detailkonzept [PDF] zur technischen Umsetzung.



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