29.07.2011, 11:25 Uhr

Was Firmen von Online-Spielern lernen können

Der Effizienz von virtueller Teamarbeit ist schwierig zu messen. Ein Zürcher Forscher analysiert Online-Spielgemeinschaften, um Erfolgsfaktoren zu identifizieren.
Professor René Algesheimer studiert die Teamarbeit in Online-Spielen
Unternehmen lassen sich nur ungern in die Karten schauen – nicht einmal von Wissenschaftlern. So ist das Arbeiten in virtuellen Teams über das Internet zwar mittlerweile verbreitet, Erfolgsfaktoren sind aber nicht ermittelt. «Der Grund, warum bisher so wenig über virtuelle Arbeitsgruppen geforscht wurde, liegt in der Schwierigkeit, Daten für die Analyse zu sammeln», sagt René Algesheimer, Professor für Marketing an der Universität Zürich. Um sich dem Phänomen virtueller Gruppenarbeit dennoch wissenschaftlich nähern zu können, wertete Algesheimer Daten von 606 Computerspiel-Teams aus der «Electronic Sports League» (ESL) aus. Die Gamer treten mit ihren virtuellen Teamkollegen in zum Beispiel dem Fussball-Spiel «Fifa» gegen andere Gruppen an. Laut Algesheimer ist die ESL sehr populär: Sie zählt weltweit 2,7 Millionen Mitglieder und die Online-Turniere verfolgen bis zu 50'000 Zuschauer. Da es in der ESL nicht ausschliesslich um den Spielspass, sondern auch um Geld geht, sieht Algesheimer durchaus Parallelen zu erfolgsorientierten Arbeitsgruppen in Unternehmen. Das Zusammenspiel der 606 ESL-Teams wurde während sechs Monaten im Hinblick auf unterschiedliche Entwicklungsphasen ausgewertet. Als Messgrössen definierte der Forscher den Erfolg, die Kommunikation während des Spiels und der Gruppenzusammenhalt.

Team-Player und Feedback-Schleifen

In den Daten fanden Algesheimer und seine Kollegen, dass einerseits das Wir-Gefühl für den Erfolg entscheidend ist, andererseits auch die Reflexion über die eigenen Aktionen. Laut dem Zürcher Wissenschaftler wurde das Wir-Gefühl bislang selten als erfolgskritisch erachtet. Sie Ergebnisse seiner Analyse sprechen jedoch dafür, dass Team aus starken Einzelspielern nicht zwingend besser sind als Gruppen mit weniger guten Gamern. Entscheidend war vielmehr, wie gut die Teammitglieder zusammenarbeiten. Eine Art der Zusammenarbeit ist laut Algesheimer die Reflexion über die eigene Arbeit. Sie fördert die Weiterentwicklung der Gruppe, indem Ressourcen gezielt eingesetzt und Ziele realistisch gesteckt werden. Durch die Rückmeldung aus den eigenen Reihen kann ein Team seine Leistung wesentlich verbessern, so der Marketingprofessor.


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