Dätwyler-Cabling-CEO im Interview 16.11.2020, 06:52 Uhr

«Wir haben von China enorm profitiert»

Dätwyler Cabling Solutions konnte während der Pandemie von den Erfahrungen in China profitieren. Das Geschäft hat wenig gelitten und soll nun massiv ausgebaut werden, sagt CEO Johannes Müller.
Johannes Müller leitet seit über 16 Jahren die Geschäfte von Dätwyler Cabling Solutions
(Quelle: Samuel Trümpy)
Schon seit mehr als 100 Jahren produziert Dätwyler Kabel in Altdorf. Die mittlerweile ausgegliederte Dätwyler Cabling Solutions bleibt dem Kanton Uri treu – und auch der Kabelfertigung dort. Abseits davon will der CEO Johannes Müller aber vieles ändern. Dafür hat er in den vergangenen 16 Jahren einiges ausprobiert und verworfen, anderes geprüft und für Erfolg versprechend befunden. Wie er im Interview mit Computerworld sagt, wird die neue Dätwyler nicht mehr nur die Kabel für IT-Anlagen liefern, sondern gleich die komplette IT-Infrastruktur.
Computerworld: Sie positionieren Dätwyler Cabling Solutions gerade neu. Können Sie eine Vorschau geben?
Johannes Müller: Ich will kurz zurückblicken und erklären, wie die Ausgangslage war. Als ich vor 16 Jahren zu Dät­wyler stiess, hatte die damalige Division «Dätwyler Cables» gemeinsam mit einer Beratungsfirma gerade eine Neu­ausrichtung hinter sich. Das Portfolio war dabei massiv auf vier Produktfamilien reduziert worden: Datenkupferkabel, Glasfaserkabel, Sicherheitskabel und Liftflachkabel. Damit erwirtschafteten wir damals rund 98 Prozent des Umsatzes. Allerdings schrieben wir auch operative Verluste. Eine Ursache dabei war eine sehr bürokratische Organisation mit zu viel Overhead, ausgelegt für wesentlich höhere Umsätze, eine andere die kleine eigene, leider unrentable Glasfaserfabrik in der Westschweiz.
Unsere Hauptbeschäftigung in den ersten drei Jahren war denn auch ein Turnaround: Von den rund 500 Stellen am Standort Altdorf mussten wir rund 100 streichen und die Glasfaserfabrik verkaufen, um die Verluste zu minimieren. 2006 hatten wir dann bereits wieder die Gewinnzone erreicht, sodass wir uns endlich über eine neue Geschäftsstrategie Gedanken machen konnten.
Denn mit Kabeln allein wären wir – insbesondere am Standort Schweiz – langfristig nicht wettbewerbsfähig gewesen. Früher hatten wir mit der höchsten Kabelqualität geworben, was allerdings angesichts der zunehmenden Standardisierung auf die Dauer nicht funktioniert hätte. Wir entschieden uns schlussendlich gegen die Expansion in neue Branchen und für eine sukzessive Erweiterung des Port­folios mit «Nicht-Kabelprodukten», um Gesamtlösungen anbieten zu können. So konnten wir die Fabriken erhalten und zudem bestehende und neue Kunden verbessert bedienen. Wir schätzten das Risiko dieser Option als relativ gering ein, was sich leider zunächst als Trugschluss erweisen sollte.
Zur Person
Johannes Müller
ist seit mehr als 16 Jahren der CEO von Dätwyler Cabling Solutions. Frühere Stationen waren der CEO-Posten bei der Management-Beratung Brainforce sowie der Job als Divisionsleiter beim Kabelzubehörspezialisten Cellpack.
Müller lancierte seine Karriere 1985 als Software-Ingenieur bei Alcatel Schweiz. Dort arbeitete er sich innerhalb von elf Jahren zum Profitcenterleiter hoch. Der mittlerweile 62-Jährige studierte Elektrotechnik an der ETH Zürich.



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