Anzeige
Anzeige
Anzeige
Lesedauer 3 Min.

Im Kühlschrank ist der Autoschlüssel besser aufgehoben

Eine Schweizer Sicherheitsfirma warnt: Elektronische Autoschlüssel lassen sich schon seit mehr als vier Jahren mit simplen Apparaturen austricksen.
© Quelle: Computerworld.ch

Autoeinbrüche mittels geknackter Funksignale von elektronischen Autoschlüsseln nehmen zu. Von mehreren gelungenen Autoeinbruchsversuchen berichtet auch der Journalist Nick Bilton in der «New York Times». So sollen sich in Los Angeles während der letzten Monate vermehrt Autodiebstähle ohne Glasscherben oder Einbruchskratzer zugetragen haben. Einmal war Bilton gerade in der Küche beschäftigt, als sein bellender Hund Passanten in der Nähe seines Autos bemerkt haben muss. Just in dem Moment, als er zur Stelle eilte, radelten zwei Teenager in unmittelbarer Nähe seines Toyota Prius davon. Das Mädchen auf dem Velo war gerade daran, eine schwarze Box in ihrem Rucksack zu verstauen. Bilton hatte Glück, weil die beiden leer ausgehenden Missetäter kurz darauf von der örtlichen Polizei auf frischer Tat ertappt wurden. Sowieso: Bilton lässt seit der Zunahme dieser Vorfälle, wovon auch seine Nachbarschaft schon mehrfach betroffen war, keine Gegenstände mehr im Auto rumliegen. Verdutzt war Bilton jedoch von der Antwort der Polizei: Ein Sprecher des L.A. Police Department meinte gegenüber dem Journalisten, er müsse wohl ganz einfach vergessen haben, sein Auto abzuschliessen. 

Der Trick mit dem Funkverstärker

Im Gewissen, sein Auto wirklich verriegelt zu haben, wandte sich der Autor an Boris Danev, den Gründer der Schweizer Sicherheitsfirma 3db Technologies. Das Unternehmen mit Sitz in Thalwil hat schon mehrere wissenschaftliche Analysen zu Sicherheitslecks in Autofunkschlüsseln verfasst. Danev wusste auch gleich, was sich im Fall des Journalisten abgespielt haben muss: Die beiden Teenies bedienten sich offensichtlich eines speziellen Funkverstärkers. Gehandelt werden solche Geräte zum Teil auf Auktionsportalen wie eBay, Amazon und Craigslist für unter 100 Franken.

Autoindustrie unter Zugzwang

Schon im 2011 ist es Forschern der ETH gelungen, die Funkkommunikation zwischen Sender und Fahrzeug umzuleiten, sodass sie ein Auto öffnen und damit wegfahren konnten. Alles, was man dazu braucht, sind ein paar Antennen und eine Funkausrüstung. Dazu genügt es, die eine Antenne in etwa acht Metern Entfernung und die andere Antenne unmittelbar in der Nähe des Autos zu platzieren.  Zur Zeit befände sich 3db Technologies intensiv im Gespräch mit Autoherstellern, wie Danev gegenüber der New York Times erläutert. Es geht dabei um die Frage, ob man Autofunksystemen schon bei der Herstellung einen speziellen Chip einbauen soll. Dieses Modul soll dann erkennen, wie weit der Autoschlüssel vom Auto entfernt ist, um den Trick mit dem Funkverstärker abzublocken.

Das Tiefkühlfach als Faradayscher Käfig

Solange die Autoindustrie das Problem nicht in den Griff kriegt, sei es wohl das Beste, den Autoschlüssel zu Hause ins Gefrierfach zu legen, meinte Danev. Denn das Gefrierfach fungiere wie ein Faradayscher Kfig. Von einem Faradayschen Käfig spricht man dann, wenn eine geschlossene Hülle aus einem elektrischen Leiter vorhanden ist. Der Begriff «Faradayscher Käfig» wurde nach seinem Entdecker, dem Forscher Michael Faraday, benannt. Er fand in einem Experiment heraus, dass man in einem mit bestimmten Metallen umgebenen Raum vor Blitzeinschlägen geschützt ist. Im Fall des Funkautoschlüssels würde das Gefrierfach immerhin sämtliche vom Schlüssel ausgehenden Signale abschirmen.

Forschung Android Apps Bildung Digitalisierung Fintech KMU Politik
Anzeige

Neueste Beiträge

Ines Stutz mit mehr Verantwortung bei Aveniq
Ines Stutz übernimmt Leitung des neu geschaffenen Bereiches Consulting & Project Services.Um Kunden in Transformations- und Projektvorhaben noch gezielter zu unterstützen, stärkt Aveniq ihr Beratungs- und Projektgeschäft.
2 Minuten
25. Apr 2026
Irgendwo im ­Nirgendwo
Manchmal braucht es einfach die genauen GPS-Koordinaten, um den eigenen Standort durchzugeben.
2 Minuten
26. Apr 2026
Das neue CW-Briefing: «Swiss IT-Studie - KI im Business» - Computerworld Briefing
So selbstverständlich wir inzwischen über Künstliche Intelligenz sprechen, ein Selbstgänger ist die neue Technologie noch lange nicht. Gerade im Business-Umfeld tun sich viele Unternehmen schwer, die Balance zwischen Innovation, Datensicherheit und Compliance zu finden. Zusammen mit weiteren Ergebnissen liefert die aktuelle Swiss IT-Studie ein klares Bild: Die Schweiz steckt im KI-Dilemma.
2 Minuten

Das könnte Sie auch interessieren

Darum lohnt sich eine Weiterbildung - Karriere-Tipps
Ihre berufliche Karriere stockt? Sie fühlen sich unterfordert und auch finanziell soll es aufwärtsgehen? Dann verlieren Sie keine Zeit. Computerworld nennt fünf Gründe für eine Weiterbildung und zeigt, wie Sie erfolgreich durchstarten.
5 Minuten
25. Okt 2024
«Swiss IT-Studie» - KI im Business - Computerworld Ausgabe 1/2026
Am Thema KI kommt niemand mehr vorbei. Das sehen auch die befragten Schweizer Unternehmen. Wo und wie man diese einsetzen könnte und welchen Nutzen damit verbunden ist, da scheiden sich die Geister. Die Schweiz im KI-Dilemma?
2 Minuten
EU will Bearbeitungsgebühr für billige Online-Importe
Chinesische Onlinehändler schicken jeden Tag tausende Päckchen mit billigen Artikeln nach Europa. Die EU will den daraus resultierenden steigenden Kosten mit einer Abgabe für die Bearbeitung begegnen.
2 Minuten
6. Apr 2026
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige