Warum Cyberangriffe nicht als Waffe taugen

Cyberangriffe sind als Waffe ungeeignet

Fast am Wichtigsten ist jedoch die Erkenntnis, dass Cyberangriffe sich als Instrumente der Zerstörung – also als Waffen – nur sehr beschränkt eignen. Noch vor kurzem war eine Hauptangst des strategischen «Cyberwars», ein virtueller Schlag aus dem Nichts (z.B. auf die Stromversorgung), der einen Staat in die Knie zwingen würde.
“Je mehr Vernetzung, desto mehr potenzielle Ziele.„
Myriam Dunn Cavelty
Die Realität sieht anders aus: Aufgrund der Schwierigkeiten, kontrollierbare Effekte zu erzielen und eigentliche Gewalt durch Cyberattacken auszuüben, eigenen sich Cybermittel vor allem für alle Arten von «Protestaktionen». Sie sollen Verwirrung stiften und die Meinung der Bevölkerung beeinflussen. Sie eignen sich für Spionage, mit etwas mehr Aufwand für lokale Sabotage und – weitaus seltener – bei militärischen Operationen als vorbereitende oder störende Massnahmen im Zuge von «traditionellen» Militäroperationen.

Was bedeutet das für die digitalisierte Zukunft?

Ängste vor dem digitalen Supergau sind unbegründet. Aber eine breite Palette von Akteuren nutzt digitale Netzwerke schon heute, um strategische Ziele gegen den Willen anderer Akteure durchzusetzen. Das heisst, dass digitalisierte Bereiche mutwilligen Störungen trotzen müssen - denn je mehr Vernetzung, desto mehr potenzielle Ziele.
In Zukunft ist ein noch besseres Verständnis für die Motivation von politischen Akteuren nötig. Wir müssen analysieren, wie und auf welcher Grundlage sie ihre Entscheidungsfindung treffen und welche Rolle die Digitalisierung hier spielt. So können wir über technische Lösungen hinweg versuchen, politische Anreize über internationale Normen so zu beeinflussen, dass das Vertrauen in die technischen Möglichkeiten der Zukunft trotz der strategischen Ausnutzung des Cyberspace möglich ist.
Zur Autorin
Myriam Dunn Cavelty
ETH Zürich
ist Senior Scientist, Dozentin für Sicherheitspolitik und Stellvertreterin für Forschung und Lehre am Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich.
Der Beitrag von Myriam Dunn Cavelty stammt ursprünglich von ETH-News und ist Teil des «Zukunftsblog».


Das könnte Sie auch interessieren