Test 04.10.2010, 16:03 Uhr

HTC Desire vs. HTC Wildfire

Das HTC Desire ist teurer als das HTC Wildfire. Ob sich die Mehrkosten wirklich lohnen, zeigen wir in einem ausführlichen Vergleich der beiden Android-Smartphones.
HTC Wildfire
Für rund 400 Franken bekommen Handy-Nutzer mit dem HTC Wildfire salopp gesagt die geschrumpfte Fassung des HTC Desire. Doch für welche Anwender lohnt sich das Sparen?
Mit dem im Sommer 2010 vorgestellten Wildfire spricht HTC gezielt das jüngere Publikum an. Alle deine Freunden passen hier nicht rein textet das taiwanische Unternehmen sinngemäss auf Werbeplakaten in der Münchner U-Bahn. Aber in dein Wildfire. Gemeint sind damit neben den ohnehin vorhandenen Kontakteinträgen die Social-Community-Funktionen des Wildfire, die allerdings vor allem aus einer einzigen App bestehen: Friend Stream. Sie fasst die Einträge aus Facebook und Twitter sowie Flickr in einem einzigen Feed zusammen und zeigt sämtliche Neuheiten im digitalen Freundeskreis. Friend Stream macht also die separate Facebook- und Twitter-App überflüssig.
Neben dieser Schnittstelle zu Facebook und Twitter und einer passablen 5-Megapixel-Kamera sowie Musik- und Video- respektive YouTube-Player und einem integrierten UKW-Radio wirbt das Wildfire vor allem mit seinem Kampfpreis um die Gunst der Technik- und Internetbegeisterten mit kleinem Portemonnaie: Das Wildfire bekommt man für rund 400 Franken. Dafür muss man aber spürbare Abstriche bei der Hardware in Kauf nehmen.
Ganz anders das Desire. Es kostet rund 500 Franken. Doch für den Preis bekommt man Hardware vom Feinsten. Neben dem sehr guten Display (dessen Darstellungsqualität überzeugt, und zwar unabhängig davon, ob man nun ein Desire mit Amoled- oder mit SLCD-Display besitzt), das deutlich grösser als das des Wildfire ist (3,2 Zoll beim Wildfire, 3,7 Zoll beim Desire) und eine erheblich grössere Auflösung besitzt (240 x 320 Pixel beim Wildfire, 480 x 800 Pixel beim Desire), bietet das Desire eine kraftvolle 1-GHz-CPU (Wildfire: 528-MHz-Prozessor), mit 512 MB reichlich internen Speicher (ebenso viel wie beim Wildfire) und 576 MB Arbeitsspeicher (Wildfire: 384 MB).
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Spür- und sichtbare Leistungsunterschiede
In der Praxis machen sich die Unterschiede bei Display, CPU und Speicher deutlich bemerkbar. Legt man beide Smartphones nebeneinander, so kann man auf dem Desire deutlich mehr von einer Website erkennen als auf dem Wildfire. Ruft man die gleiche Internetseie zeitgleich im Desire und im Wildfire auf, so dauert es beim Wildfire deutlich länger, bis aus den unscharfen schemenhaften Buchstaben und Bildern einer Seite verständliche und lesbare Inhalte werden. Die CPU des Wildfire schafft es einfach nicht, die Seiten mit Text und Grafiken auch nur annähernd so schnell zu rendern, wie es beim Desire der Fall ist. Das trübt durchaus das Surferlebnis: Wer also ein Smartphone häufig zum Internetsurfen benutzen will, ist mit dem Desire erheblich besser bedient.
Das kleinere Display stellt ausserdem zwangsläufig weniger Inhalte als das grössere Desire-Display dar, man muss auf dem Wildfire also mehr scrollen - sowohl vertikal als auch horizontal. Vergleicht man beispielsweise die vorinstallierte App Friend Stream, so kann man ohne zu scrollen zwei Einträge auf dem Wildfire lesen. Beim Desire sind dagegen ohne Scrollen direkt vier Einträge sichtbar. Das bedeutet im Alltag deutlich mehr Lesekomfort auf dem Desire.
Fährt beim Tippen einer Mail oder einer Kurznachricht die virtuelle Tastatur aus, so sieht man nur vergleichsweise wenig von dem Text, den man tippt. Ähnlich beschwerlich fällt das Ausfüllen von Formularen auf Websites beim Wildfire - auch hier bedeckt die Touchscreen-Tastatur zu grossen Teilen den Bildschirm. Wer also gerne lange Mails vom Smartphones aus tippt und dabei den Text immer im Blick haben will, greift besser zum Desire. Wobei hier allerdings der Hinweis fallen muss, dass für absolute Vieltipper ein Slider-Smartphone vielleicht die bessere Wahl ist.
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Schaut man sich das Haupt-Feature des Wildfire an, nämlich seine Social-Community-Kompetenz, so kommt man zu dem Fazit: Das kann das Desire auch. Denn die Android-App Friend Stream gibt es auch für Besitzer eines Desire. Daneben gibt es noch die normale Facebook-App und natürlich auch separate Twitter-Apps. Übrigens: Sowohl die Facebook-App als auch Friend Stream lassen sich standardmässig nicht deinstallieren. Beide Apps sind von HTC vorinstalliert und können deshalb nur von einem gerooteten Gerät entfernt werden.
Friend Stream ist ohnehin ein zweischneidiges Schwert. Hat man nämlich viele Twitter-Kanäle abonniert und bei Facebook viele Freunde, so verliert man in Friend Stream schnell den Überblick. Denn alle Einträge rutschen in einem langen Feed durch. Zwar kann man etwas differenzieren und sich beispielsweise nur Links, Fotos oder Statusaktualisierungen anzeigen lassen. Doch insgesamt fordert Friend Stream dem Benutzer einiges an Aufnahmevermögen ab - insbesondere auf dem kleinen Wildfire-Display.
Friend Stream lässt sich detailliert konfigurieren und zum Beispiel die Häufigkeit der Aktualisierungen einstellen. Wenn man einen etwas grösseren Zeitabstand zwischen zwei Aktualisierungen wählt, schont das den Akku. Für eingefleischte Facebook-Freaks dürfte es allerdings keine akzeptable Lösung sein, wenn Friend Stream beispielsweise nur alle vier Stunden aktualisiert wird.
Android-Versionen und Android Market
Wenn man das Desire mit dem Wildfire vergleicht, muss man selbstverständlich auch die jeweils verwendeten Android-Versionen berücksichtigen. Das Desire wird mit Android 2.1 ausgeliefert, HTC hat als einer der ersten Hersteller von Android-Smartphones überhaupt das Update auf 2.2 bereitgestellt. Für das Desire dürfte vermutlich auch noch das Update auf die nächste Version 3.0 Gingerbread problemlos möglich sein. Somit bleiben Sie mit dem Desire auch noch knapp ein Jahr nach dessen Erscheinen softwareseitig up-to-date und können von den neusten Android-Features profitieren - so etwas nennt man Zukunftssicherheit. Und damit kann man die Anschaffung eines neuen Smartphones durchaus noch etwas verschieben - das spart Geld.
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Das Wildfire ist mit Android 2.1 keineswegs veraltet. Ganz im Gegenteil kommen immer noch neue Smartphones mit deutlich älteren Android-Versionen auf den Markt. Und Android 2.2 soll es zudem als Update für das Wildfire geben. Wer mit den Funktionen von Android 2.1 und künftig 2.2 zufrieden ist, hat also keinen so schwerwiegenden Nachteil gegenüber dem Desire. Doch die enorme Zukunftssicherheit des Desire hat man mit dem Wildfire eben trotzdem nicht. Spätestens bei Android 2.2 ist beim Wildfire Schluss - der Hardware-Systemvoraussetzungen von Android 3.0 wegen: Gingerbread setzt mindestens eine 1-GHz-CPU und 512 MB Arbeitsspeicher sowie ein 3,5-Zoll-Display voraus.
Als Navigationsgerät-Ersatz ist das Wildfire trotz des vorhandenen GPS-Chips aufgrund seines Displays und seiner langsameren CPU untauglich. Generell gehen viele Tätigkeiten etwas langsamer auf dem Wildfire, dessen muss man sich bewusst sein. Besonders ungeduldige Zeitgenossen greifen also in jedem Fall besser zum Desire.
Eine der Stärken von Android sind die Apps aus dem Android-Market. Aber auch hier fällt das Wildfire gegenüber dem Desire zurück. Man findet nämlich vom Wildfire aus im Android Market weniger Apps als vom Desire aus. Der Grund: Manche App-Programmierer schliessen aufgrund der Hardware-Voraussetzungen ihre App für das schwächere Wildfire aus. Das ist mitunter sogar bei Apps der Fall, die auf dem Wildfire durchaus laufen würden. Hier gibt es als Workaround die Lösung, sich die Apps als APK-Datei aus dem Web zu besorgen (dazu muss man unter Einstellungen, Anwendungen, Unbekannte Quellen aktivieren) und zu starten. Die Gefahr: Sie installieren damit Apps, die nicht aus dem überwachten Google Android Market stammen und können sich unter Umständen Malware einfangen. Allerdings scheint sich dieses Problem allmählich zu entschärfen, zunehmend mehr Apps stehen seit Kurzem auch für das Wildfire im Android Market bereit.
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Fazit: Bestimmte Nutzer können sparen - aber nicht alle
Das Wildfire ist unbestritten ein optisch sehr ansprechendes Smartphone, das sehr gut in der Hand liegt. Wer damit vor allem telefonieren, Kurznachrichten versenden, ab und zu seine Mails checken und vor allem Facebook und Twitter im Auge behalten will, Websites dagegen nur gelegentlich öffnen will, für den kann das Wildfire ein durchaus brauchbarer und vor allem günstiger Einstieg in die Welt der Android-Smartphones sein. Zumal man mit HTC Sense in den Genuss einer hervorragenden und intuitiven Bedienoberfläche kommt und auch Multitouch auf dem kapazitiven Touchscreen zur Verfügung steht.
Technikbegeisterte, die Wert auf High-Performance legen, regelmässig mit dem Smartphone im Internet surfen und eine Vielzahl von Apps installieren wollen, die ihr Smartphone vielleicht als Navigationsgerät-Ersatz verwenden möchten und Lust auf CPU-fordernde Anwendungen beispielsweise aus dem Bereich Augmented Reality haben, werden mit dem Wildfire dagegen nicht glücklich. Investieren Sie stattdessen unbedingt den Mehrpreis und kaufen Sie sich ein Desire oder ein vergleichbar leistungsstarkes Smartphone - es lohnt sich und Sie sparen nicht am falschen Ende.
Alternativen zum leistungsstarken Handschmeichler Desire sind etwa das Samsung Galaxy S (Top-Display, sehr schneller Prozessor, allerdings umstrittene Haptik und ausschliesslich Support für Windows durch die proprietäre Synchronisations-Software Kies) sowie natürlich Apples iPhone 4 (Top-Display, schneller Browser, allerdings sehr teuer und proprietäre Synchronisations- und Zugangs-Software iTunes).



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