Das Rechenzentrum ­nachhaltig gestalten

Daten in der Mine

Quelle: Borderstep Institut
In der Lefdal Mine, einer stillgelegten Mine an der Westküste Norwegens, wo Bergleute früher das Mineral Olivin für die Stahlherstellung abbauten, befindet sich heute ein riesiges Rechenzentrum. Das Lefdal Mine Datacenter besteht aus einem mehrstöckigen, 29 Kilometer langen Stollensystem mit
75 Kammern, das rund 120'000 Quadratmeter Platz für Server und die übrige Infrastruktur eines Rechenzentrums bietet.
Wo liegen die Vorteile eines Rechenzentrums in einer ehemaligen Mine? Es muss nicht erst ein Gebäude gebaut werden - die Mine ist schon da. Zudem schützt das massive Gestein auf natürliche Weise zuverlässig vor elektromagnetischer Strahlung und Datenverlust. Hinzu kommt: In Norwegen gibt es Unmengen an Strom, den Wasserkraftwerke das ganze Jahr über umweltfreundlich aus dem Schmelzwasser von Gletschern erzeugen.
Auch bei der Kühlung der Server macht sich die Lage in Norwegen bezahlt: So ist es in der Mine nicht nur ganzjährig angenehm kühl, womit sie sich bestens für den Betrieb von Servern eignet, die Kühlanlagen nutzen zudem das kühle Nass des nahegelegenen Fjords. Sie saugen die warme Abluft der Server an, die sich über einen Wärmetauscher mit Hilfe des 7 Grad kalten Wassers aus 16 Metern Tiefe des Meeresarms dann wieder abkühlt. Dem Rechenzentrums­ausrüster Rittal zufolge soll das Lefdal Mine Datacenter so auf einen PUE-Wert von unter 1,1 kommen.

Warmes Wasser zum Kühlen

Das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching bei München hat keinen Fjord mit kühlem Wasser um die Ecke. Der Betreiber des Super-Computers SuperMUC setzt bei der Kühlung des Rechners auf warmes Wasser. Was zunächst widersinnig klingt, funktioniert in der Praxis bestens. Anstatt Luftkühlung mit Wärmetauschern nutzt das Leibniz-Rechenzentrum eine sogenannte Warmwasserkühlung. Wie der Name andeutet, wird dabei das durch die Server erwärmte Kühlwasser nicht jedes Mal wieder auf Frischwasser-Temperatur heruntergekühlt, sondern lauwarm zurück zu den Servern geleitet.
Und so funktioniert’s: Das Kühlwasser der Anlage wird direkt über Kupferrohre auf die Bauteile geleitet und erhitzt sich je nach Auslastung des Superrechners dabei auf 60 bis 65 Grad. Über mehrere Kühlkreisläufe leitet die Anlage das warme Kühlwasser auf das Dach des Rechenzen­trums, wo es durch die kühle Aussenluft wieder auf seine Ausgangstemperatur von rund 35 Grad heruntergekühlt wird. Das klappt auch bei sommerlichen Aussentemperaturen.
In Kombination mit einer ebenfalls auf Energieeffizienz ausgelegten Software sollen dank dieser Art der Warmwasserkühlung Energieeinsparungen von bis zu 40 Prozent möglich sein.



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