Das Rechenzentrum ­nachhaltig gestalten

Rechenzentrum im Meer

Rechenzentrum im Meer: Mit dem Projekt Natick testet Microsoft ein erstes autonomes Unterwasser-Rechenzentrum. Es beherbergt knapp 900 Server, die vom Meerwasser gekühlt werden.
Quelle: Microsoft
Microsoft arbeitet beim Projekt Natick bereits seit mehreren Jahren an einem kompakten Rechenzentrum, das kostengünstig und ohne lange Datenverbindungen in der Nähe von Ballungszentren autonom betrieben werden kann. Zudem soll das Data-Center besonders umweltfreundlich sein.
Die Lösung fanden die Microsoft-Forscher im Meer. Denn mehr als die Hälfte der Menschheit lebt nur rund 200 Kilometer vom nächsten Meer entfernt. Durch den Betrieb von Rechenzentren im küstennahen Meer lassen sich nicht nur die Latenzzeiten beim Zugriff auf die Cloud gering halten. Das Wasser lässt sich auch gleich für die Kühlung der Server verwenden - stromhungrige Kälteanlagen fallen so weg. Microsoft setzt bei seinem Unterwasser-Rechenzentrum auf ein Wärmetauschverfahren des Unternehmens Naval Group, das auch zur Kühlung von U-Booten genutzt wird. Das System leitet zunächst das Meerwasser durch die Kühler auf der Rückseite der Server-Racks und anschliessend zurück ins Meer. Die Energiebilanz eines solchen Unterwasser-Rechenzentrums lässt sich dabei noch nachhaltiger gestalten, indem man beispielsweise auf Strom aus Offshore-Windparks oder Gezeitenkraftwerke setzt. Letztere nutzen den na­türlichen Tidenhub der Meere, um Strom zu erzeugen.
Im Sommer vergangenen Jahres hat Microsoft eines erstes autonomes Unterwasser-Rechenzentrum in der Nähe der schottischen Orkney-Inseln ins Meer gelassen. Die rund 14 Meter lange und 12 Meter breite Metall­-röhre beherbergt 12 Server-Racks mit knapp 900 Servern. Sie ist mit über den Meeresboden verlegten Glasfaser- und Stromleitungen mit dem Festland verbunden.
Ein erstes Fazit: Die U-Boot-Kühllösung funktioniert in der Praxis auch bei Servern. Das aufgeheizte Wasser aus dem Rechenzentrum vermischt sich schnell mit der umgebenden Strömung.

Server in Windrädern

Einen ähnlichen Weg wie Microsoft geht das Unternehmen WestfalenWIND. Anstatt die Server aber im Meer zu versenken, bewegt sich der Windparkbetreiber mit dem Projekt WindCORES in die Höhe und verbaut kleine Rechenzentren direkt in Windkraftanlagen. Pro Windenergieanlage lassen sich bis zu 50 Server-Racks unterbringen. Die Idee dahinter: Durch die direkte Versorgung der Server mit umweltfreundlichem Windstrom soll der Betrieb dieser Mini-Rechenzentren weitgehend CO2-neutral erfolgen. Laut Betreiber könnte man mit dieser Windrad-Lösung bis zu 10'000 Standorte bundesweit ausstatten.
Dabei sollen auch in den Windrädern die von anderen Rechenzentren bekannten hohen Sicherheitsstandards gelten. Es wird nicht nur die mit den Kunden vereinbarte Rechenzentrumsleistung in eine der Windenergieanlagen integriert, es wird auch gewährleistet, dass die Daten der Kunden sicher und zum Beispiel vor Feuer, EMV-Störungen oder auch vor Zugriffen durch Dritte geschützt sind. Die Windkraftanlagen unterliegen dazu einer Kamera- und Echtzeitüberwachung sowie einer bedarfsgerechten Klimatisierung.


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