08.09.2014, 13:54 Uhr

Finanzkontrolle durchleuchtete IKT-Schlüsselprojekte des Bundes

In ihren drei Berichten präsentiert die Eidgenössische Finanzkontrolle ein durchwachsenes Fazit. Positiv ist, dass alle Projekte auf Kurs sind. Trotzdem gibt es Umsetzungsmängel und grundsätzliche Kritik
Die unabhängige Eidgenössische Finanzkommission (EFK) hat drei IKT-Schlüsselprojekte des Bundes unter die Lupe genommen
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) - das oberste Finanzaufsichtsorgan des Bundes - wacht als unabhängiges Gremium über das Finanzgebaren der Bundesverwaltung und gibt in Berichten Empfehlungen an die jeweiligen Departemente und Ämter ab, die diese umsetzen sollten. Die EFK hat im Frühling drei IKT-Schlüsselprojekte des Bundes einem geprüft und die Berichte dazu sind auf der Webseite abrufbar. Folgende IKT-Projekte wurden von externen Revisoren auf allfällige Mängel überprüft:
  • UCC (Umstellung auf IP-Telefonie in der Bundesverwaltung)
  • Interception System Schweiz ISS2 (Ablösung der Fernmeldeüberwachungssoftware des Dienst ÜPF)
  • Informationssystem Verkehrszulassung (zentrales Register für die Verkehrszulassung)

UCC-Projekt auf Kurs

Das UCC-Projekt ist von den drei überprüften Projekten am positivsten bewertet. Trotzdem wird unter anderem empfohlen, die Ablösung von Microsoft Office 2013 eng zu überwachen. Aber auch bei der finanziellen Führung fordert die EFK mehr Transparenz. Auch zeigt sich, dass auf Grund von Änderungen an den Lieferverträgen die Erfolgshaftung zum grössten Teil beim Bund und nicht mehr beim Leistungserbringer Swisscom liegt. Auch bemängelt die EFK, das Leistungen bei viel teureren Subunternehmen eingekauft werden, die so nicht vorgesehen waren. Und, schon beinahe ein Evergreen, eine von 13 überprüften Folgebeschaffung wurde nicht öffentlich ausgeschrieben, obwohl der WTO-Schwellenwert überschritten wurde. Der Bericht als PDF herunterladen.

Überwachungssoftware ISS auf Sparflamme

Der Dienst Überwachung Post- und Fernemeldeverkehr (Dienst ÜPF) muss sein Verarbeitungssystem LIS ablösen. LIS verarbeitet die von den Fernmeldedienstanbieter zur Verfügung gestellten Daten. Das Ablöseprojekt war in der Vergangenheit von Nebengeräuschen begleitet, wir berichteten. Beim aktuellen Projekt ISS2 gibt es gemäss EFK einige offene Fragen. So wird die nicht redundante Auslegung des Systems  sowie die Kapazitäten für die Datenverarbeitung thematisiert. Der Dienst ÜPF argumentiert, dass ein auf Spitzenkapazitäten ausgelegtes System sich nicht wirtschaftlich betreiben lasse. Auf der anderen Seite hält die EFK fest, dass mit ISS2 (Projektkredit: 14.2 Millionen Franken) lediglich die minimalen Anforderungen zur Sicherstellung des gesetzlichen Auftrages gewährleistet werden kann. Vor allem bezüglich des Eingangspuffers, welcher selbst entwickelt werden und bei auftretenden Datenspitzen abfedernd wirken soll, besteht Klärungsbedarf. So lag das Konzept dieses Eingangsbuffers der EFK nur als Entwurf vor. Die EFK bemerkt, dass der Eingangsbuffer zentral für die Verfübarkeit des Systems sei - falls dieser nicht ordnungsgemäss funktioniert, könne es zu Datenverlusten kommen. Bei der Durchsicht des Berichts wird klar, dass ISS2 eine Notnagellsung ist, weil LIS in einem End-Of-Life-Stadium ist. Auch die EFK hält fest, dass nach Abschluss des Projektes ISS2 weitere Ersatzinvestitionen und Anpassungen nötig sind, die Investitionen von rund 91 Millionen Franken auslsen werden. Der Bericht als PDF herunteladen. Auf der nächsten Seite: Das Informationssystem Verkehrzulassung (IVZ) des Astra wirft Fragen auf.

Astra mit teurem Informationssystem IVZ

Das Bundesamt für Strassen will mit dem Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ) das alte MOFAD-System ablösen und das System für die Abfragen von Polizei oder Zoll zu Verkehrszulassungsdaten effizienter und konstengünstiger anbieten. Es zeigte sich jedoch, dass dieses Projekt komplexer ist als angenommen. Auch spielt in diesem Projekt der Föderalismus eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Die Verkehrszulassungen werden kantonal erhoben, diese wiederum speisen MOFAD. Die ursprüngliche Idee einer zentralen Datenhaltung wurde wieder verworfen. Hinzu kamen 1.7 Millionen kaum dokumentierter Programmcode sowie dutzende von Modulen und Schnittstellen. Dies wurde am Anfang des Projektes komplett unterschätzt und das bewirkte eine Verzögerung von rund 2 Jahren. Die Mehrkosten beliefen sich auf 13 Millionen Franken. Das Projekt wurde Ende 2012 mit einem Auftragsvolumen von 32 Millionen Franken bewertet. Wie hoch der aktuelle Projektierungskredit ist, lässt sich anhand des EFK-Berichtes nicht sagen. Die EFK bemängelt zwar nochmals das Vorgehen, äussert aber unter Berücksichtigung der Umstände keine grosse Kritik an der Projektdauer sowie den Projektkosten. Was jedoch aufhorchen lässt: Wenn man zwischen den Zeilen liest, wird mit dem IVZ eine sehr teure Datenhaltungslösung auf ohne momentanes Sparpotenzial geschaffen. So schafft das Projekt zwar Voraussetzung für eine spätere Integration der kantonalen Datenbestände, ein direkter Mehrwert wird zum Beginn der Produktiv-Phase nicht geschaffen. Nur wenn die Integration der Datenbestände konsequent vorangetrieben wird, kann das angestrebte Sparpotenzial auch tatsächlich erreicht werden. Doch hier gibt es einige Hürden zu meistern, unter anderem gesetzliche Rahmenbedingungen sowie allfällige Beteiligungen der Kantone an den Kosten.

Zusätzlich sieht der Untersuchungsbericht erhebliche Risiken, dass der Going-Live-Termin um Ostern 2015 nicht eingehalten werden kann. Die Bereitstellung des Betriebsteams durch das BIT sei äusserst knapp terminiert worden. Bericht als PDF herunterladen.


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