21.03.2017, 14:45 Uhr

Werbefalle bei der SBB-App

Millionen Kontakte: Die SBB verfolgen offenbar mit ihrer Fahrplan-App ein neues Werbekonzept, um lokale und kundenspezifische Werbung zu schalten.
Im November letzten Jahres haben die Schweizerischen Bundesbahnen ihre neue Fahrplan-App lanciert. Was die Entwickler bislang nicht erwähnt haben: Die SBB haben seit der Lancierung ihrer neuen Fahrplan-App offenbar bereits damit begonnen, ihren Anzeigekunden ein neues Geschäftsmodell mit Standortdaten vorzustellen, wie die Schweiz am Wochenende berichtet. Noch in diesem Jahr wollen die SBB auf der beliebtesten Schweizer App ihren Kunden ortsbasierte Werbebanner schalten. Auch Ticketdaten sollen dabei ausgewertet werden.

Millionen von Kontaktdaten

Da die App laufend lokalisiert wird, können Werbekunden den Zugpassagieren bei jeder Fahrt standortspezifische Werbung einblenden. Beispielsweise erhalten dann Zugfahrer der ersten Klasse bei Einfahrt in Luzern ein Werbebanner mit einer Empfehlung für ein KKL-Konzert, während bei den Kunden der zweiten Klasse vielleicht eine Anzeige für das Verkehrshaus erscheint. Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, machen die SBB ihr Konzept den Werbetreibenden bereits mit einem neuen YouTube-Clip schmackhaft. Es würden sich bis zu 10 Millionen Kontaktchancen pro Woche bieten, preisen die SBB ihr Angebot an. Die Kommunikationsabteilung der SBB gibt über das Projekt wenig Auskunft. Die Kunden würden mit der Annahme der allgemeinen Geschäftsbedingungen ihre Zustimmung erteilen, könnten sie aber in den Einstellungen rückgängig machen, beteuerten die SBB gegenüber der Schweiz am Wochenende. Die SBB würden dabei «wie immer mit grosser Sorgfalt und Sensibilität» vorgehen. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat die neuen Funktionen der App noch nicht geprüft, wie ein Sprecher gegenüber der Zeitung sagte. Hinweisen auf Datenschutzprobleme würde man jedoch genauer nachgehen. Nächste Seite: So schalten Sie die Werbung der SBB-App aus

Die SBB und der Datenschutz

Der Edoeb hat die SBB bereits vor einem Jahr gergt, als die Bundesbahnen eine Datenbank mit Kundenangaben von SwissPass-Kontrollen führten. Die SBB mussten darauf wieder vom Vorhaben abrücken und sämtliche Kundendaten löschen. Auf wenig Gegenliebe stösst das neue Vorhaben der SBB bei Netzaktivisten und dem Verein Digitale Gesellschaft: Im Gegensatz zu den SBB, die betonen, nicht in Konflikt mit dem Gesetz zu raten, habe der Edoeb dies in der Vergangenheit schliesslich auch schon anders beurteilt, schreibt die Digiges auf Facebook. Die Piratenpartei geht noch mehr in die Offensive und betont: «Die SBB wollen immer mehr Geld durch Werbung und Überwachung ihrer Kunden verdienen.» Dabei werde der Wunsch der Kunden nach Privatsphäre ignoriert. Besser man schalte die Werbung der App aus, meinen die Piraten auf ihrer Facebook-Seite.

So schalten Sie die Werbung in der SBB-App aus

Noch fahren die SBB keine standortbezogene Werbeschiene. Immerhin überlassen es die SBB den Kunden, die Werbung jederzeit in der App auszuschalten. Nur ist die Funktion in den Apps auffällig versteckt. Man findet die Option über das Hamburger-Menü (drei horizontale Striche) unter Meine Einstellungen/Weitere Einstellungen. Dort lässt sich bei der Checkbox Werbung von Dritten anzeigen das Häkchen entfernen.


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