Mobile Payment 09.12.2016, 11:31 Uhr

Verzögerung bei Twint

Der Marktstart von Twint verzögert sich. Die Lösung für Mobile Payment soll frühestens im April lanciert werden. Grund für die längere Wartezeit ist der grosse Zuspruch der Banken.
Die Schweizer Alternative zu Apple Pay lässt weiter auf sich warten. Anstatt Anfang Jahr soll das fusionierte Twint nun frühestens im April auf den Markt kommen. Zum Start sollen UBS, ZKB und die eigenständige Twint-Version der Payment-App lanciert werden, sagte Twint-CEO Thierry Kneissler an einem Anlass in Bern vor den Medien. Bis zum Sommer würden dann Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen und die Waadtländer Kantonalbank ebenfalls eigene Twint-Apps anbieten.
Als Grund für die Verzögerung nannte Kneissler den grossen Zuspruch der Schweizer Bankenwelt zu Twint an. Neben den Initianten Credit Suisse, PostFinance, Raiffeisen, Six, UBS, Waadtländer Kantonalbank und ZKB haben sich diverse weitere Institute zu dem Schweizer Dienst für Mobile Payment bekannt. «Wir haben mit der Integration von fünf bis zehn Banken gerechnet – jetzt wollen über 30 Banken sowie zahlreiche namhafte Händler am System teilnehmen», sagte Kneissler. Mit allen Banken müssten Verhandlungen geführt und Lösungen für die speziellen Funktionen des kommenden Twint-Dienstes gesucht werden. Die Institute hätten die Auswahl zwischen einer eigenständigen App und einer White-Label-Lösung von Swisscom, sagte Twint-Mitgründer Michael Hügli der Computerworld.

Mehr als Geld im Portemonnaie 

Die Entwickler wollen Twint zu DEM digitalen Portemonnaie der Schweiz machen. Das System soll hauptsächlich das Bargeld ersetzen, aber auch Substitut für Debit- und Kreditkarten sein. Dafür kann Twint sowohl an das Konto (bei mehr 30 Schweizer Banken) direkt angebunden als auch mit einer hinterlegten Kreditkarte verwendet werden. Die Benutzer können dann am Point of Sale, am Automaten, im Online-Shop, von Person zu Person und innerhalb von Apps mit dem Smartphone bezahlen. Dabei kommen entweder dynamische respektive statische QR-Codes oder vorhandene Twint-Beacons zum Einsatz. Damit die Verbraucher ihre Portemonnaies wirklich zu Hause lassen können, will Twint mehr als Zahlungsmittel sein. Bis im Sommer nächsten Jahres sollen sich Kundenkarten wie die Coop Supercard in der App hinterlegen lassen. Wenn es der Kunde explizit wünscht, können dann auch elektronische Coupons verteilt und im Bezahlprozess automatisch berücksichtigt werden. Das Opt-in gilt ebenfalls für Stempelkarten. Nächste Seite: Coop, Migros und die Daten Einen grossen Zuspruch bekommt Twint nicht nur von den Banken, sondern offenbar auch aus dem Detailhandel. Bei Coop, den Migros-Töchtern digitec.ch und galaxus.ch sowie Selecta ist Twint bereits eine Bezahloption. Neu wurden nach Aussage Kneisslers Denner, Migros, Landi/Volg und Lidl als Akzeptanzstellen gewonnen. Bei den Detailhändlern laufe nun die Implementierungsphase. Die Aufschaltung sei 2017 geplant.
Für die Akquise weiterer Akzeptanzstellen sind künftig die Twint-Miteigentümer Aduno und Six verantwortlich. Wie Kneissler sagte, sei Twint ausserdem mit dem Payment-Anbieter Concardis in Kooperationsgesprächen.

Gebühren und Kundenservices

Geld verdienen will Twint mit zwei Prozessen: Einerseits sollen – wie bei Kartenzahlungen – Gebühren für die Zahlungstransaktionen erhoben werden. Wie Kneissler sagte, sollen die Abzüge pro Bezahlvorgang aber minimal sein. «Wir wollen Twint durch tiefe Gebühren zur attraktivsten Zahlungsoption machen», sagte er. Die Kosten sollen geringer sein als diejenigen für Kartenzahlungen und auch Apple Pay. Die zweite Erlösquelle werden die Mehrwertdienste sein, also Kundenkarten, Coupons und Stempelkarten. Diese Services sind bei den grossen Detailhändlern bereits etabliert, etwa Coop Supercard oder Cumulus von Migros. Lokale oder kleinere Ladengeschäften können via Twint eigene Kundenbindungsprogramme etablieren. Dafür will Twint ein spezielles Online-Portal lancieren. Weder der Händler noch Twint hätten dabei Einsicht in den Warenkorb der Verbraucher, sagte Mitgründer Hügli auf Anfrage der Computerworld. In den Auswertungen seien lediglich die Transaktionsdaten abzulesen – wie heute beispielsweise auf Kreditkartenabrechnungen.


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