Fintech 16.10.2017, 15:58 Uhr

Robo-Berater fallen bei Schweizern durch

Im Umgang mit Finanzen setzen Schweizerinnen und Schweizer nur wenig auf digitale Technologien. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Legg Mason.
Gemäss der Studie wollen sich Schweizerinnen und Schweizer in Finanzfragen von Menschen beraten lassen nicht von Bots
Neue Technologien verändern die Art und Weise, wie wir mit Finanzen umgehen und Investitionsentscheidungen treffen. Wie genau wollte der Vermögensverwalter Legg Mason genauer wissen. Er hat untersucht, wie Anleger auf neue Technologien reagieren und wie sie mit ihnen umgehen. Befragt wurden 15'300 Personen weltweit, davon 900 in der Schweiz.
«Im internationalen Vergleich sind Schweizerinnen und Schweizer sehr vorsichtig mit dem Einsatz von neuen Technologien, wenn es um ihre Finanzen geht. Für viele ist die persönliche Beratung aktuell noch unersetzlich», erklärt Christian Zeitler, Head Central Europe bei Legg Mason. «Schweizer Anleger sind bei der Beratung und der Kundenbetreuung nicht bereit, auf die persönliche Note und den Faktor Mensch zu verzichten. Trotz vermehrt aufkommender Fintech-Lösungen wird das Beratungsmodell der Zukunft stets eine Mischung aus Mensch und Maschine bleiben.» Folgende vier Top-Erkenntnisse konnte die Studie herausschälen:

1. Robo-Advisor haben einen schweren Stand

Nach ihrer Einstellung zu Beraterbots, sogenannten Robo Advisorn, gefragt, sind sich Schweizerinnen und Schweizer über alle Generationen hinweg einig: ganze 90 Prozent sind dem künstlichen Berater gegenüber kritisch eingestellt. Nur gerade ein Viertel ist der Meinung, dass Apps und andere Technologien die Notwendigkeit, mit einem Experten zu sprechen, hinfällig machen. Und 72 Prozent aller befragten Schweizer und immerhin 65 Prozent der Millennials (Alter 18-35) sind der Ansicht, dass personalisierter Kundenservice nie durch Technologie ersetzt werden kann.

2. Freunde und Familie wichtiger als Google & Co.

Gefragt nach der Quelle, wo Schweizer Anleger nach Informationen zu langfristigen Investitionen suchen, werden das persönliche Gespräch mit ihrem Berater (24 Prozent) und der Austausch mit Freunden oder Angehörigen (20 Prozent) zuerst genannt. Bei den Millennials ist der Fokus auf den engsten Bekanntenkreis noch höher und mit 26 Prozent sogar die meistgenannte Quelle. Erst danach folgen digitale Quellen wie Suchmaschinen (14 Prozent) oder Webseiten von Dienstleistern (5 Prozent). Nur 46 Prozent der Schweizer Anleger fühlen sich sehr wohl, Grundlagenrecherchen zu Investitionsthemen online durchzuführen. Bei älteren Generationen nimmt dieser Fokus hingegen ab, auf 14 Prozent für Baby Boomer (Alter 53-71), und die Bedeutung des eigenen Finanzberaters nimmt zu – 33 Prozent für Baby Boomer gegenüber 15 Prozent bei Millennials. Nächste Seite: Erkenntnis 3 und 4

3. Mobile Banking beliebt

Für den Zugang zu relevanten Kontoinformationen und um Zahlungen auszuführen, sind digitale Applikationen auch bei Herr und Frau Schweizer durchaus beliebt: 65  Prozent benützen eine Banking-App, und etwas weniger als die Hälfte (45 Prozent) gab an, Zahlungen über einen digitalen Anbieter durchzuführen. Millennials benützen Fintech-Lösungen für den Zahlungsverkehr mit 52 Prozent aber signifikant stärker als Baby Boomer mit nur 34 Prozent. Im internationalen Vergleich sind Schweizerinnen und Schweizer jedoch nur wenig «mobil»: Lediglich 18 Prozent sind der Meinung, dass sie im Idealfall alle Aufgaben auf einem mobilen Gerät erledigen würden. Im europäischen Durchschnitt sind dies 25 Prozent, in den USA 42 Prozent und in Asien sogar 46 Prozent.

4. Neue Fintech-Anbieter keine Gefahr für traditionelle Finanzdienstleister

60 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer gehen nicht davon aus, dass Anbieter neuer Fintech-Lösungen traditionelle Banken und Vermögensverwalter vom Markt verdrängen werden. 30 Prozent sind allerdings der Ansicht, dass neue Anbieter bestehende Finanzdienstleister unter Druck setzen werden, diese sich aber rasch den neuen Voraussetzungen anpassen würden. Insgesamt sind nur 7 Prozent der Ansicht, dass Fintech-Anbieter das Geschäftsmodell von traditionellen Banken und Vermögensverwaltern überflüssig machen werden.



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