Technologie-Transfer 31.10.2016, 11:28 Uhr

Chinesen zocken Schweizer/Deutsche Firmen ab

Diskriminierung, Produktpiraterie, erzwungener Technologie-Transfer: Chinesische Firmen versuchen, Schweizer und deutsche Technologie zu klauen. Mit neuen Gesetzen ziehen die Chinesen die Schraube weiter an.
Die Stimmung im China-Geschäft, dem Milliardenmarkt der Gegenwart und der Zukunft, sei noch nie so schlecht gewesen. Das melden mehrere deutschsprachige Medien. Die Zahl der Beschwerden und Hilfegesuche hat seit zwei Jahren zugenommen und sei seit Jahresanfang noch einmal sehr stark in die Höhe geschnellt, meldet zum Beispiel die Deutsche Botschaft in Peking.  Beklagt werden neue Marktbarrieren, erschwerte Lizenzverfahren, Diskriminierung gegenüber chinesischen Unternehmen, erzwungener Technologietransfer undeine unverndert freche Produktpiraterie.

Schweizer Firmen in chinesischer Hand

Auch in der Schweiz gehen die Chinesen auf Einkaufstour. Seit diesem Jahr in chinesischer Hand sind der Trinkflaschenhersteller Sigg, der Agro-Konzern Syngenta, der Maschinenbauer Nestal und der Rohstoffhändler Mercura. Nestal, Mercuria und Syngenta gehören fortan zu ChemChina. Für Syngenta wird ein Kaufpreis von 43 Milliarden Dollar kolportiert. Für den Flughafendienstleister Swissport hatte die chinesische Unternehmensgruppe 2015 2,73 Milliarden hingeblättert. Die Winterthur Gas & Diesel, die ehemalige Dieselsparte von Sulzer, gehört seit 2015 zu 70 Prozent dem chinesischen Unternehmen CSSC. China protegiert die eigene Wirtschaft, belegt aber ausländische Marktteilnehmer mit hohen Auflagen. Jüngstes Beispiel ist die Entwicklung von Elektroautos. Neue Gesetze fordern von Herstellern, eine Lizenz zu beantragen und nicht nur die Produktion, sondern auch den Entwicklungsprozess nach China zu verlegen. Ansonsten wird die Marktteilnahme verweigert. Chinesische Partner, ohne die Schweizer und deutsche Unternehmen sowieso nicht in China tätig werden dürfen, müssen nachweisen, dass sie die E-Technologie komplett beherrschen. Im Endeffekt luftdas auf einem vollstndigen Technologietransfer hinaus.

Unfaires Punktesystem 

Neue Hürden schafft auch ein Punktesystem für Bahnprojekte, das chinesische Firmen unfair bevorteilt. Heimische Anbieter bekommen einen Vorsprung von zehn Punkten, während ausländische Hersteller bei Null anfangen müssen. Inländervorrang auf chinesisch. Zudem sollen Nahrungsmittel-  und Agrarimporte durch verschärfte Quarantänevorschriften in Zukunft strikter gehandhabt werden. Nicht nur Risikolebensmittel, sondern jedes Bonbon und jeder Biskuit müsste demnach zertifiziert werden.

Fragwürdige Rechtssprechung

Produktpiraterie ist für ausländische Anbieter nach wie vor ein Thema. Der deutsche Modehersteller Hugo Boss unterlag vor Gericht einem chinesischen Konkurrenten. Die Chinesen hatten die gleichen Anzüge unter der Marke "BOSS" mit dem Schriftzug "sunwen" verkauft. In Hongkong wurde ihm das gerichtlich verboten, China hat nichts dagegen einzuwenden. Schweizer und deutschen Unternehmen sind Firmen-Akquisitionen in China untersagt. Währenddessen dürfen chinesische Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und in Europa ungehindert auf Einkaufstour gehen und nicht nur HighTech-Perlen, sondern auch Autobauer oder Banken akquirieren. China treibt ein unfaires Spiel. Gleich lange Spiesse sehen anders aus.


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