ICT-Markt Schweiz 28.01.2016, 12:52 Uhr

Aufwärtstrend und Regulierungswahn

Der Schweizer ICT-Markt ist 2015 moderat gewachsen. Für 2016 erwartet die Branche ein leichtes Wachstum. Grosse Kritik übt der Swico an der Regulierungswut des Bundes.
Der Schweizer ICT-Markt ist 2015 mit einem moderaten Plus von 1,7 Prozent leicht gewachsen – trotz Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Der Gesamtumsatz betrug 30,4 Milliarden Franken. Das geht aus den heute veröffentlichten Zahlen des European Technology Observatory (EITO) und des Swico hervor. Das Wachstum des Schweizer Marktes ist im Vergleich zu jenem des europäischen Marktes zaghafter. Europaweit stieg der Umsatz um 2,8 Prozent auf 660 Milliarden Euro.

Wachstum dank Software

Der Schweizer IT-Markt (ohne Telekommunikation) erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,3 Milliarden Franken, was einem Plus von 2,8 Prozent entspricht. Am stärksten gewachsen (+ 6,4% auf 5,6 Mrd. Franken) ist dabei das Segment Software. Hierzulande ist der Software-Anteil am Gesamtumsatz mit 18,5 Prozent bedeutend grösser als EU-weit (12,4%). «Die Digitalisierung wird durch Software-Installationen getrieben», sagte Dr. Axel Pols, Geschäftsführer Bitkom Research/EITO heute Vormittag an einer Medienkonferenz.
Seiner Einschätzung nach wird das Software-Segment auch im laufenden Jahr der stärkste Treiber für die IT-Branche sein. «Dass die Schweiz so viel in Software investiert, zeigt, dass sie in diesem Bereich sehr professionell und modern ist», so Pols. Die Umsätze im Bereich IT-Services, volumenmässig der grösste Bereich, stiegen moderat um 2,7 Prozent auf 9,8 Milliarden Franken. Federn lassen musste erwartungsgemäss der Hardware-Bereich (-3,1%/2,9 Mrd. Franken). Vor allem der PC-Markt (ohne Tablets) hat mit einem Rückgang um 13,4 Prozent geschwächelt. Der Telko-Markt stagnierte mit einem Umsatz von 12,1 Milliarden Franken. Obwohl der Umsatz mit Mobiltelefonen gestiegen ist (+6,6%/2,2 Mrd. Franken; fast ausnahmslos Smartphones). Trotz steigender Ausgaben im Breitbandbereich sowie wachsender Nachfrage nach Smartphones und Mobiler Kommunikation erwartet EITO im Telekommunikationsmarkt europaweit zurückgehende Ausgaben.
«Der IT-Markt wächst stärker als der Telco-Markt und hat eine stärkere Dynamik», so Pols. Die Experten gehen davon aus, dass die Umsätze mit Smartphones aufgrund sinkender Preise trotz Wachstum in Stückzahlen 2016 signifikant zurückgehen werden. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Prognosen für 2016

Ausblick

Für 2016 erwarten alle europäischen Länder steigende Ausgaben im IT-Bereich und sinkende Umsätze im Segment Telekommunikation. Dem Schweizer ICT-Markt (gesamthaft) prognostiziert EITO für das laufende Jahr mit einem Wachstum von einem Prozent eine leicht rückläufige Tendenz. Für Unternehmen sind 2016 Sicherheit, Cloud, Industrie 4.0, Internet der Dinge und Big Data die fünf wichtigsten Themen. Die überwiegende Mehrheit der Firmen sieht in der Digitalisierung eine Chance. Trotzdem habe gemäss einer EITO-Befragung ein Grossteil noch jede Menge Probleme, die Digitalisierung zu bewältigen. Viele sind sich sicher, dass sich ihr Geschäftsmodell verändern werde, sich in ihren Markt weitere Wettbewerber aus der ICT-Branche drängen werden (z.B. bei den Banken FinTechs und Grosskonzerne wie Apple und Google, Startups in der Pharmabranche) oder die Digitalisierung gar ihre Existenz bedrohe. Über alle Branchen hinweg wird erwartet, dass in Zukunft Arbeitsplätze wegfallen werden.

ICT-Index und …

An der Medienorientierung hat Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen Swico, den Swico ICT Index für das erste Quartal 2016 präsentiert: Die Stimmung in der Schweizer ICT-Branche ist wieder besser.
Als Grundlage für den Index dienen die Indikatoren erwartete Umsatzveränderung, erwartete Veränderung des Auftragseingangs sowie die erwartete Veränderung der Rentabilität. Nach einem Stimmungsknick im letzten Quartal setzt sich der positive Erholungstrend fort. Der Index stieg um 3,5 auf 107,7 Punkte. Die Nachfrage nach Schweizer ICT-Produkten ist nach wie vor sehr hoch. Auch die Wolken im Zusammenhang mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses scheinen sich verzogen zu haben. Die meisten Unternehmen haben sich darauf eingestellt und rechnen für 2016 mit Wachstum. Bis auf das Segment IT-Technology blickt die gesamte Branche wieder optimistisch ins neue Jahr. Vor allem das Segment IT-Services erwartet gute Umsätze. Nach einem länger andauernden Stimmungstief ging auch der Bereich Imaging/Printing/Finishing (IPF) mit verbesserten Erwartungen ins neue Geschäftsjahr.
Kein Aufatmen gibt es allerdings für die Consumer-Electronics-Branche: «Dieser Bereich ist aufgrund schwächelnder Konjunktur nach wie vor besorgniserregend», sagt Palmisani. Nächste Seite: Überregulierung behindert Wirtschaft

… Regulierungswut

Ein grosses Problem ist die anhaltende Regulierungswut in der Schweiz. Diese bremse nicht nur ansässige ICT-Unternehmen, sondern wirke sich allgemein negativ auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes aus, kritisiert Swico-Geschäftsführer Jean-Marc Hensch. Als Stolpersteine nannte er unter anderem die zunehmende Regulierungsdichte sowie Abschottungstendenzen (Masseneinwanderungsinitiative und damit verbundene Kontingents-Kürzungen). «Diese Über- oder Hyperregulierung behindert die Wirtschaft enorm und schadet auch der IT-Branche», so Hensch. Weitere Hemmnisse sieht er beim leidigen Thema Arbeitszeiterfassung (O-Ton Hensch), der geplanten Obsoleszenz für eine sogenannte grüne Wirtschaft, die, vor allem auch in der IT utopisch sei.
«Wo genau jedes Einzelteilchen eines IT-Produktes herkommt und wie es sich zusammensetzt, ist nicht dokumentierbar. Es ist nicht möglich alles CO2-neutral zu machen», erklärt Hensch. Ähnliche Probleme sieht er beim Thema Lohngleichheit. Kein Anlass sei für Bundesrat und Parlament zu geringfügig, um der Wirtschaft neue finanzielle und bürokratische Lasten aufzubürden. Insofern würden auch die veränderten Parteigewichte in der grossen Kammer des Parlaments kaum Anlass zur Hoffnung geben. «Die zum Teil absurden Pflichten, die den Unternehmen aufgebürdet werden, betrachtet der Swico als negativ und kontraproduktiv», Hensch abschliessend. Der Swico werde gegen die meisten geplanten Regulierungen aktiv antreten.


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