Aus stürmischer See in ruhige Gewässer

Informatik bei GS Swiss PCB

CW: Welche Rolle spielt die Informatik bei GS?
Weber: Sie gehört zwar in meine Zuständigkeit, ist aber nicht mein Lieblingsthema. [lacht] Allerdings beschäftigt uns die IT enorm. GS ist aufgeteilt in einen Hardware-Bereich mit den Fertigungsmaschinen, dem Netzwerk, den PCs und den Servern. Daneben gibt es noch eine Software-Abteilung. Sie besteht aus zwei Software-Ingenieuren, die federführend die Fachapplikation für die Leiterplattenfertigung pflegen und weiterentwickeln. Die Digitalisierung ist aktuell ein grosses Thema. Wir streben eine papierlose Fertigung an, um die Dokumentation und die Prozesse zu vereinfachen. Implantate erfordern eine lückenlose Dokumentation aller Fertigungsschritte, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Diese Dokumentation geschieht heute noch auf dem Papier. Dabei kommen schnell mal 500 Seiten Papier zusammen. Anstatt diese Daten auszudrucken, wollen wir eine digitalisierte Durchgängigkeit erreichen.
In den 1990er-Jahren führte Peter Weber die Firma PPC Electronic, heute entwickelt er die Leiterplatten von GS Swiss PCB noch selbst mit
(Quelle: Samuel Trümpy)
CW: Soll die Dokumentation künftig zum Beispiel auf einem Tablet geschehen?
Weber: Ja, genau. Heute stehen in der Fabrikation hauptsächlich PCs mit Tastaturen. Hier holen sich die Ingenieure die Informationen zu den aktuell produzierten Leiterplatten ab. In Zukunft sollen die Produktionspläne der Leiterplatte auf einem Tablet durch den gesamten Fertigungsprozess folgen. Anschliessend kann diese Dokumentation dem Kunden dann elektronisch bereitgestellt werden.
CW: Ist die Cloud eine Option für GS Swiss PCB?
Weber: Durchaus. Heute sind alle unsere Systeme und Daten noch in einem eigenen Server-Raum gelagert. Der ist natürlich speziell abgesichert, gegen Brand und Einbruch beispielsweise. Während wir die Daten noch zusätzlich extern gesichert haben, laufen die Fachapplikationen ausschliesslich lokal. Das ist natürlich ein grosses Risiko. Wenn wirklich eine Katastrophe passiert, steht schlimmstenfalls die Produktion. Hierfür erwägen wir die Auslagerung in die Microsoft-Cloud. Auch deshalb prüft zurzeit eine spezialisierte Firma die ganze IT-Infrastruktur von GS.
CW: Welchen Grund hat das Assessment?
Weber: Es ist eine Vorsichtsmassnahme. Im Frühjahr gab es einen grossen Angriff via RDP (Remote Desktop Protocol). Der Hacker konnte in acht Stunden eine Menge Daten verschlüsseln. Da wir das externe Backup besitzen, hielt sich der Schaden in engen Grenzen. Die Systeme wurden neu aufgesetzt und die Sicherungskopie eingespielt. Das hat einen halben Tag gedauert.
CW: Gibt es Einschränkungen bei der Auslagerung von Produktionsdaten in die Cloud?
Weber: Durchaus nicht. Die Kollegen raten sogar dazu, wenn sie die Cloud als den sichersten Speicherort überhaupt bezeichnen. Und hier muss und wird ein Entscheid demnächst fallen.


Das könnte Sie auch interessieren