Interview 09.07.2019, 21:25 Uhr

Elektrokonzern ABB macht sich auf Gegenwind gefasst

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB rechnet mit einem turbulenten Jahr 2019. «Es gibt deutlichen Gegenwind in einigen der Märkte, in denen wir tätig sind», sagte Peter Voser in seinem ersten Interview als Konzernchef der Nachrichtenagentur Reuters.
Peter Voser
(Quelle: ABB )
«Man sieht eine Verlangsamung im Automobilsektor rund um den Globus, die sich auf den Robotik-Markt auswirkt, und das werden wir auch irgendwann spüren.» Das Geschäft mit Kunden aus der Nahrungsmittel- und Getränkebranche wachse dagegen weiterhin.
Doch auch der laufende Konzernumbau mit dem Verkauf des Stromnetzgeschäfts und weiteren Veränderungen im Geschäftsportfolio dürfte sich im Ergebnis 2019 niederschlagen. «Wir befinden uns in der ‹Heavy Lifting›-Phase», sagte Voser in dem am Dienstag veröffentlichten Interview.

Weniger Einfluss für Zentrale

«2020 wird ruhiger, wir werden sehen, dass die vier Divisionen Verantwortung übernehmen und liefern», erklärte er weiter. Danach werde ABB gemessen an den Wettbewerbern weiter Boden gut machen. Die Verbesserungen dürften schneller kommen als viele erwarteten.
Voser will den Einfluss der Konzernzentrale beschränken und den einzelnen Geschäften mehr Eigenständigkeit einräumen. Dies soll auch die Profitabilität von ABB, das unter anderem Siemens zu seinen Wettbewerbern zählt, ankurbeln.
«Das Erreichen unserer Ziele ist eine einfache Rechnung – wir müssen mehr Aufträge und Umsätze erwirtschaften und die Kosten kontrollieren.» ABB habe sich auf der Kostenseite kontinuierlich verbessert, sei aber nicht genug gewachsen. Ein weiteres unternehmensweites Kostensenkungsprogramm werde es nicht geben.

Verkäufe von rund einem Zehntel des Umsatzes

Voser stellte weitere Veränderungen im Konzernportfolio in Aussicht. Dazu gehörten Transaktionen wie die am Dienstag angekündigte Veräusserung des Solarwechselrichter-Geschäfts. Insgesamt peile ABB Verkäufe von Unternehmensteilen mit kumulierten Umsätzen von bis zu drei Milliarden Dollar an – rund einem Zehntel des Gesamtumsatzes.
Auf der anderen Seite wären kleine und mittelgrosse Zukäufe sinnvoll, um die bestehenden vier Divisionen Elektrifizierung, Industrieautomation, Antriebe und Roboter zu stärken, sagte der Schweizer, der früher Shell-Chef war. «Ich spreche definitiv nicht von Mega-Deals.»


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