Von Estland lernen heisst digitalisieren lernen

Ziel: 10 Millionen digitale Esten

Estland ist zudem auf dem Weg, seine digitale Gesellschaft zu öffnen. «Unser Ziel ist es, zum 10-Millionen-Volk zu werden», postuliert Kotka. «Leider liegt unser Land zu weit im Norden und offeriert keine Sozialleistungen, deshalb will niemand kommen». Die Lösung sei die Einführung einer E-Niederlassung. Kotka kann hierbei von ersten Erfolgen berichten.
Neben vielen digitalen Nomaden, die weltweit tätig und ohne festen Wohnsitz ständig unterwegs sind, hätten sich überraschender Weise viele Deutsche um eine estnische E-Residenz bemüht. Den Grund sieht Kotka darin, dass das Gründen eines Unternehmens auch einer so genannten «Ich AG» in Deutschland kompliziert ist, das Eröffnen einer Geschäftstätigkeit als E-Resident von Estland dagegen unkompliziert und günstiger obendrein. «In einer digitalisierten Welt werden Regierungen nicht nur mit Dienstleistungen für die eigenen Bürger aufwarten müssen, sondern auch für Bürger anderer Nationen», ist Kotka überzeugt.

Digitale Unsterblichkeit

Überhaupt spielt für Kotka die physische Präsenz seines Landes bald eine untergeordnete Rolle. «Estland ist schon von allen möglichen Völkern immer wieder überfallen worden, von den Dänen, den Schweden, mehrmals von den Deutschen, den Polen und zwei Mal von den Russen. Die Frage einer nächsten Invasion ist nicht das ‹ob›, sondern das ‹wann›», meint Kotka. Doch dank der Digitalisierung kann ihm zufolge Estland sogar dann als Nation weiterbestehen, wenn es das eigene Territorium nicht mehr kontrolliert. «Alle unsere Abläufe sind digitalisiert, sogar Wahlen und Abstimmungen, wir können somit im Grunde genommen völlig ortsunabhängig weiterbestehen».


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