26.02.2009, 10:00 Uhr

St. Gallen top, Zürich flop

Welcher Kanton hat die beste Internetpräsenz? Computerworld hat alle 26 kantonalen Webseiten verglichen. Resultat: nur wenige Perlen, aber einige Sicherheitsrisiken.
Die besten Kantons-Webseiten
Behördengänge sind aufwendig und mühsam. Mit moderner Technik sollen die Kantone den Aufwand für Unternehmen und Bürger verringern und ihre Dienste online zur Verfügung stellen. Das gelingt nicht allen gleich gut: Die 26 kantonalen Webseiten unterscheiden sich in Benutzerfreundlichkeit und Service gravierend. Viele Portale schicken den Bürger in einen virtuellen Ämterdschungel und muten ihm gefährliche Sicherheitsmängel zu. Dies zeigt der Computerworld-Test anhand von mehr als 30 Kriterien.
Mängel bei der Sicherheit
Besonders schwer wiegt der nachlässige Umgang mit der Datensicherheit: Einige der getesteten Seiten übermitteln das Formular zur Fristerstreckung der Steuererklärung völlig unverschlüsselt an die Steuerämter. Die schwarzen Schafe sind Appenzell Ausserrhoden, Basel-Land, Basel-Stadt, Freiburg und Genf. Auf diesen Seiten müssen Bürger persönliche Daten, teilweise sogar kombiniert mit der Steuernummer, in Pflichtfelder eintragen. Gewiefte Bösewichte gelangen so schlimmstenfalls an sensible Daten.
Alle übrigen Kantone stellen dem Bürger immerhin verschlüsselte Formulare bereit - oder sie machen es sich ganz einfach und bieten den Service online erst gar nicht an. Häufig wird schlicht ein PDF-Dokument zum Download offeriert. Das erspart dem Steuerzahler zwar den Gang aufs Amt, zum Briefkasten muss er aber trotzdem. E-Government geht anders.
Noch weniger fortgeschritten ist das E-Voting: Der elektronische Urnengang ist bisher nur in Genf möglich. Neuenburg und Zürich testen die Stimmabgabe via Internet oder per SMS, Basel-Stadt startet im September sein Pilotprojekt. Immerhin: Sicherheit steht dabei in allen vier Kantonen ganz oben auf der Agenda. Dies gilt auch bei den Wahlgängen der Auslandsschweizer: Der Bund schrieb den Kantonen zum Jahreswechsel ins Pflichtenheft, dass sie Möglichkeiten für elektronische Urnengänge schaffen müssen, bis Ende 2012 sollen sie fertig sein.

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Bildergalerie: die besten Kantons-Websites

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie bedienerfreundlich die Kantons-Webseiten sind.
Bedienerfreundlich? Keine Spur
Am schlimmsten ist es auf den kantonalen Webseiten um die Benutzerfreundlichkeit bestellt. Damit sich der Bürger sofort zurechtfindet, braucht es bereits auf der Startseite klare Einstiege in die Kategorien. Schon das wird nur selten geboten.
Hinzu kommt: Nicht jede Webseite, die auf den ersten Blick gut aussieht, ist auch gut programmiert. So macht Zürich einen sehr guten ersten Eindruck, sorgt aber bereits nach wenigen Klicks für Verwirrung. Mit der Auswahl eines Menüpunkts wird der Besucher in ein neues Fenster weitergeleitet, wo er mit einer anderen Navigation konfrontiert wird, aber auch mit unstrukturierten Informationen sowie Hyperlinks. Die St. Galler machen es hier viel besser. Auf der Homepage der Ostschweizer ist sofort klar, wo was zu finden ist. Auch bleiben Design und Navigation auf allen Seiten unverändert.
Wer sich bei seinen Onlinebehördengängen verirrt (was angesichts der schlechten Nutzerführung häufiger vorkommen dürfte), nutzt die Suche. Immerhin gibt es sie auf allen Seiten, einen Index bieten aber gerade mal 17 Kantone, 5 meinen, auf eine Sitemap verzichten zu können. Um den Klickweg zurückzuverfolgen, bieten die meisten Pfade bzw. eine Baumstruktur an. Aber nur 6 Webseiten bieten die perfekte Kombination: «sprechende URLs», Sitemap, Index, Pfadangabe und Suche.
Wenn die Besucher über einen toten Link stolpern, landen sie in den meisten Fällen auf einer wenig informativen Fehlerseite. Von dort können sie sich durch die normalen Menüs und Navigationselemente auf die gesuchte Seite zurück hangeln. Acht Kantone lassen die User aber einfach im Nirwana stehen. Zürich schiesst mit einer komplett leeren Seite den Vogel ab.
Ins selbe desolate Bild passt, dass längst nicht alle Kantonen die gesetzlichen Vorschriften zur barrierefreien Webseitengestaltung umgesetzt haben. Demnach müssten alle Webangebote für Sehbehinderte und Blinde nutzbar sein. Obwohl diese Regelung seit mehr als vier Jahren gilt, haben Graubünden, Jura, Neuenburg und Obwalden gemäss eigenen Angaben noch immer keine barrierefreie Version am Netz.

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Bildergalerie: die besten Kantons-Websites
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum ein Kaffeemaschinenhersteller einem Kanton den Internetauftritt verdirbt.
Kantone gesucht
Was nützt die beste Kantons-Webseite, wenn sie kaum zu finden ist? Beispiel Google.ch: 11 von 26 Startseiten sind nicht auf Platz eins. Die Gründe sind unterschiedlich, Genf, Zürich und Zug haben es schwerer als Kantone, bei denen es keine Städte mit gleichem Namen gibt. Jura tritt gegen den Kaffeemaschinenhersteller an und verliert. Die Konsequenz ist, dass die Kantons-Website erst auf der zweiten Trefferseite der Internetsuche zu finden ist.
Jura bei der Google-Suche Nummer 12 und Zürich auf Platz 7 erhalten mit den schlechten Google-Platzierungen aber auch die Quittung für ihre schlampige Suchmaschinenoptimierung. Dabei gelten «sprechende URLs» als wichtiger Faktor. Sie fehlen beiden Kantons-Homepages. Das Portal der Region Zürich (www.zuerich.ch) und die Infoseite des schweizerischen Kaffeemaschinenherstellers (www.jura.com) machen es besser. Sie teilen dem Besucher schon in der Adresszeile des Browsers mit, auf welcher Internetseite er sich befindet.
Fazit: noch viel zu verbessern
Insgesamt gesehen sind in der Ostschweiz die besten Internetprogrammierer und Webmaster am Werk: Der St. Galler Onlineauftritt überzeugt mit einer einheitlichen Benutzerführung, die nicht beim Verlauf aufhört, sondern sich in der Browseradresszeile fortsetzt.
Weitere Pluspunkte sind die zweisprachige Ausführung in Deutsch und Englisch sowie eine eigene Startseite nur für Unternehmen. Die Webseite des Kantons Zürich fällt dagegen durch und findet sich auf dem zweitletzten Platz wieder. Ungenügende Usability, mangelhafte Angebote und schludrige Programmierung sorgen für das peinliche Resultat.
Aber selbst bei den besseren Angeboten liegt noch manches im Argen. Typisches Beispiel ist unser Testsieger St. Gallen: Zwar kann man sich dort bei einem Umzug übers Internet ummelden. Die zu überwindenden Hürden (unter anderem ein elektronisches Zertifikat für satte 90 Franken, das selbstverständlich persönlich am Postschalter abzuholen ist) sind jedoch dermassen hoch, dass der Dienst in dreieinhalb Jahren von ganzen fünf Personen genutzt wurde.

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Ergebnistabelle des Kantons-Rankings

Bildergalerie: die besten Kantons-Websites




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