21.12.2009, 06:04 Uhr

Orange bringt den Desktop in die Cloud

Künftig wird Unternehmen das Nutzen von Anwendungen nicht mehr pro Arbeitsplatz oder entsprechend der Firmengrösse berechnet, sondern minutengenau. Passende Cloud-Computing-Offerten plant Orange Business Services.
Barbara Dalibard verlässt Orange im neuen Jahr
Das Netzwerk ist der Schlüssel für Cloud-Computing-Dienstleistungen, weiss Barbara Dalibard, scheidende Chefin von Orange Business Services. Die IT-Tochter von France Télécom will mit eigenen Netzen in weltweit 220 Ländern bestens positioniert sein, um selbst zum Cloud-Computing-Provider zu avancieren. An einer Medienkonferenz in Paris stellte Dalibard die Strategie des IT-Providers für die nächsten zwei Jahre vor.
Camille Mendler, Analyst bei der Yankee Group, macht Dalibard und ihrem Unternehmen Mut: Eine Analyse von 47 Offerten der Cloud-Computing-Provider offenbarte grosse Lücken in den SLAs. «Die grösste Schwachstelle ist das Netzwerk», konstatiert Mendler. Trotzdem sei SaaS (Software as a Service) mittlerweile ein akzeptiertes Modell in Unternehmen - acht von zehn Anwenderkonzerne beziehen bereits Software aus der Cloud. Damit nicht genug, wie die Yankee-Analystin ausführte. 60 Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten zwei Jahren bis zu ein Drittel ihres IT-Budgets in Cloud-Offerten anlegen.
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Orange Business Services will zusätzlich zum Netzwerk Komplettpakete schnüren, sagte CEO Dalibard. Dazu zählten Drittanbieter-Dienste und eigene Entwicklungen, immer gepaart mit Dienstleistungen, SLAs und bedarfsgerechte Ressourcennutzung sowie Abrechnung. Der Kunde solle nicht von diversen SaaS-Providern eine separate Rechung bekommen, sondern alle Services aus einer Hand beziehen können, versprach die Konzernchefin.
Die geplanten Offerten orientierten sich nach dem Anforderungen und dem Bedarf, kündigte der zuständige Manager Didier Jaubert anlässlich des Medienanlasses in Paris an. Dazu zählen nach Jauberts Worten:
Infrastructure as a Service
Mit Virtualisierungstechnologie können Kunden, die ihre Server ausgelagert haben, zusätzliche Rechenleistungen selbstständig hinzuschalten. Dafür lanciert Orange Business Servies ein Webportal, in dem sich virtuelle Maschinen flexibel konfigurieren lassen und Ressourcen per Mausklick in die vorhandene Infrastruktur eingebunden werden können. Abgerechnet wird die wirkliche Nutzung: CPU-Zeiten, Speicherbedarf und Ressourcenverbrauch.
Collaboration as a Service
Bereits im Portfolio hat Orange Business Services Anwendungen wie IP-Telefonie von zum Beispiel Cisco oder Microsoft. Sie sind bei Kunden wie der Zürich Versicherungsgesellschaft im Produktiveinsatz. Ebenfalls produktiv sind Hosted-Exchange-Offerten, in Partnerschaft mit Microsoft ebenfalls die «Business Productivity Online Suite». Kunden konnte Orange-Manager Jaubert auf Nachfrage nicht nennen.
SaaS-Store
Für die eigene SaaS-Plattform - den Desktop in der Cloud - plant Orange Business Services den Echtzeithandel mit Geschäftsanwendungen. Die Plattform läuft im Browserfenster und kann zum Beispiel via Tabs auf Registerkarten sortiert werden. Anwender verteilen so die Kommunikationstools wie Softphone und Chat auf einen, die Office-Applikationen und das CRM auf einen zweiten Tab. Im dritten Tab läuft der Twitter-Client und die Facebook-Anwendung.
Alle Browserapplikationen sind in Flash ausgeführt und lassen sich vom Anwender, Administrator oder Manager auf- sowie abschalten. Den Einsatz kostenpflichtiger Programme wie SugarCRM muss der Vorgesetze genehmigen. Wurde die Erlaubnis erteilt, berechnet Orange dem Kunden ausschliesslich den Zeitraum, während dem die Anwendung in Produktivbetrieb war. Nachdem die Arbeit erledigt ist, beendet der Benutzer das Programm und entfernt es möglicherweise gleich wieder von seinem virtuellen Desktop, so dass die Kollegen die Lizenz nutzen können. Das spart massiv Kosten.
Kunden in der Orange-Cloud
Die Vorteile insbesondere des IaaS-Modells nutzen Unternehmen wie der Betreiber des Sportstadions «Stade de France», die Hotelkette Dynamique und der Logistikkonzern GEFCO. Daneben ist die Online-Anwendung «Fastbeat 360» bereits in Betrieb. Das selbst verwaltete Portal für Musikkünstler erlaubt es, Ressourcen für mehr Zugriffe der Fans bei Bedarf aufzuschalten, wenn zum Beispiel ein neues Album oder ein Video veröffentlicht wird.

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