06.12.2012, 14:28 Uhr

Schweizer Software Industrie wächst weiter

Die Schweizer Software-Industrie hat in diesem Jahr der Wirtschaftskrise getrotzt und ihren Absatz im Schnitt um sieben Prozent gesteigert. Nun wäre es schön, wenn diese Umsatzsteigerung dazu genützt würde, in den Nachwuchs zu investieren.
Die Schweizer Software-Industrie trotzt der europäischen Wirtschaftskrise und wächst weiter.
Im ersten Halbjahr 2012 hat die Schweizer Software-Industrie ihren Umsatz um sieben Prozent gesteigert. Dies zeigt der «Swiss Software Industry Index», den das Beratungsbüro sieber&partner in Zusammenarbeit mit dem IT-Portal inside-it.ch mittels Webumfrage bei 140 Software-Herstellern erstellt hat. Der Gewinn ist um fünf Prozent gewachsen. Die (geringe) Diskrepanz erklären sich die Studienersteller mit der Tatsache, dass Schweizer Software-Häuser nur selten Produkte herstellen, sondern oft im Projektgeschäft stecken bleiben.
Gemäss Index entspricht das Wachstum dem Trend, seit 2010 ist die einheimische Softwarebranche im ersten Halbjahr immer um sieben oder acht Prozent gewachsen. Im Gleichschritt mit dem Umsatz ist auch der Auftragseingang angestiegen (+8 Prozent). Dies ist laut den Erstellern der Studie deswegen erstaunlich, weil sich die Hersteller stark auf die Nachfrage aus dem Bankensektor verlassen. Dabei scheint es ihrem Geschäft nicht zu schaden, dass die Grossbanken tausende Mitarbeiter in der Informatik entlassen. Der Swiss Software Industry Index glaubt, dass es sogar den gegenteiligen Effekt haben kann: weil die Banken-IT kleiner wird, sind CS und UBS noch mehr auf externe Software-Spezialisten angewiesen.

Fachkräftemangel ist eine Tatsache

Zweigeteilt ist das Bild, welches die Schweizer Software-Industrie bezüglich Fachkräftemangel abgibt: Immerhin 46 Prozent der befragten Unternehmen bilden Lehrlinge aus, 16 Prozent davon allerdings genau einen und nur vier Prozent mehr als sechs. Die Lehrlingszahl korreliert aber zwangsläufig fast immer mit der Unternehmensgrösse, darum ist es gut zu wissen, dass auch kleine Unternehmen gewillt sind, ihren Beitrag zu leisten. Warum sich mehr als die Hälfte weigert, überhaupt Lehrlinge auszubilden, ist allerdings fraglich. Denn von den 140 Unternehmen gaben 61 Prozent an, noch Arbeitskräfte zu suchen, von diesen bilden nur 59 Prozent Lehrlinge aus. Gründe gegen die Lehrlingsausbildung gibt es scheinbar genügend: 32 Prozent gaben an, sich den damit verbundenen Aufwand nicht leisten zu können, 38 Prozent erachten die Ausbildung als ungeeignet. Ob die Software-Unternehmen hoffen, die benötigten Fachkräfte unter den entlassenen Bank-Mitarbeitern zu finden, ist ungewiss. Doch auch deren Qualifikation dürfte in einigen Fällen nicht den Anforderungen genügen. Und auch wenn, hilft so eine Denkweise nicht, dem Fachkräftemangel Einhalt zu gebieten.


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