Gastbeitrag 23.06.2023, 09:20 Uhr

Von Menschen für Menschen hergestellt

Um erfolgreich Produkte zu lancieren, braucht es einen fruchtbaren Dialog zwischen User-Experience-Fachleuten und dem Produktmanagement. Das bedingt unter anderem die Bereitschaft zum Perspektivenwechsel.
Die Schaffung einer guten User Experience führt zu einer Win-win-Situation.
(Quelle: Shutterstock/Gorodenkoff)
Die Arbeitswelt hat sich radikal verändert. Über uns fegen Wellen von Digitalisierung, Home Office, KI und Automatisierung hinweg. Im Zentrum des Interesses stehen auch neue Formen der Zusammenarbeit – wir könnten jetzt witzeln, dass diese mehr oder weniger SAFe sind (SAFe ist eines der aktuell verbreitetsten Frameworks, um Agilität in der Entwicklung zu skalieren).

Bessere UX bedeutet mehr Erfolg

Fachleute für UX (User Experience) gestalten den Wandel intensiv und prägend mit: Das «U» in UX repräsentiert die Nutzerinnen und Nutzer von Angeboten, Produkten und Dienstleistungen. Es können sowohl Kunden sein, die für ihre Nutzung bezahlen, als auch Mitarbeitende, die auf die Nutzung in ihrem Arbeitskontext angewiesen sind. Es ist eine einfache Gleichung: Wenn wir die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer steigern, steigern wir auch ihren Erfolg. Wenn wir die Motivation und Rahmenbedingungen in der Organisation verbessern, erbringen Mitarbeitende bessere Leistungen. Dafür gibt es erprobte generelle Vorgehensmodelle, deren Beitrag zum Erfolg unbestritten ist.

Rezept für bessere Zusammenarbeit

In der Fachgruppe UX von swissICT tauschen wir uns seit Jahren über die Faktoren aus, die Produkte und Teams erfolgreich machen. Wir haben gelernt: Es hilft, mit den besten Tools zu arbeiten, aber es braucht auch Klarheit in der Organisation. Je besser die Werkzeuge und Strukturen sind, desto wichtiger wird die Zusammenarbeit innerhalb dieser Strukturen.
Die Bedeutung der offenen Zusammenarbeit ist uns im Sommer 2022 bei einem gut besuchten Workshop zum Thema «UX in SAFe» in Zürich aufgefallen. Teilnehmende UX-Profis haben die Verantwortung für Probleme häufig auf Produktmanager und ähnliche Rollen geschoben. Um das genauer zu analysieren, haben wir UX-Fachleute und Produktmanager in einem Folgeworkshop in Bern zusammengebracht und dabei eine deutliche Veränderung der Dynamik und Intensität beobachtet.
Die Grafik zeigt einige der Einflussfaktoren bei der Produktentwicklung.
Quelle:  swissICT

«Superfriends» sollt ihr sein

Im Rahmen des Events «Superfriends» im Herbst 2022 mit fast 100 Teilnehmenden entstanden in der Kombination der verschiedenen Rollen produktive Auseinandersetzungen, bei denen Überzeugungen verglichen sowie Rezepte und Lösungen diskutiert wurden. Der Tenor: Alle haben das gleiche Ziel (begeisternde Produkte) und brauchen dafür bessere Rahmenbedingungen.
Was braucht es also für erfolgreiche Zusammenarbeit? Hier sind die wichtigsten Punkte:
  • Es muss Empathie gegenüber der anderen Seite und solides Wissen, was deren Beitrag ist, vorhanden sein.
  • Der Einsatz von Daten dient als Entscheidungsgrundlage.
  • Inhalte werden zielgruppengerecht aufbereitet.
  • In Diskussionen wird die angemessene Flughöhe bestimmt und gehalten.
  • Die Hierarchie der Wirksamkeit von Argumenten beachten: Selbst nutzen wirkt besser als zusehen, wirkt besser als Visualisierung, wirkt wiederum besser als Storytelling.
  • Um erfolgreich zu sein, müssen die Stakeholder und ­andere Personen, mit denen zusammengearbeitet wird, mit einem Nutzerfokus «infiziert» werden. Nur wenn die Organisation den Nutzerfokus versteht und verinnerlicht, kann vorangeschritten und das Tempo erhöht werden.
Es ist wichtig zu sehen, dass es keine allgemeingültige Antwort darauf gibt, wo die Grenzen zwischen Produkt und UX gezogen werden sollten. Trotzdem muss jedes Team die notwendige Arbeit leisten, um diese Grenzen zu verhandeln und zu definieren. Diese Linien verhindern keine Zusammenarbeit, sondern klären, wer wann was entscheidet und wer informiert oder beteiligt wird.
Damit schliesst sich der Kreis zu unserem Ausgangspunkt: Der Erfolg in der Entwicklung – auch und besonders beim agilen Entwickeln – entsteht, wenn Produkte von Menschen für Menschen gemacht werden.
Event
Digital Economy Award
Möchten Sie die inno­vativsten Schweizer ICT-Anbieter, -Anwender und -Entwickler kennenlernen? Eine ideale Gelegenheit bietet sich Ihnen am 16. November 2023 im Hallenstadion in Zürich, wo die Digital Economy Awards 2023 vergeben werden. www.digitaleconomy-award.ch

Menschlicher Faktor ist entscheidend

Der menschliche Faktor, hier das Zusammenspiel von UX und Produktmanagement, ist entscheidend für den Erfolg jedes Projekts. Mit Empathie, Klarheit und einer gemeinsamen Vision können wir nicht nur die Zufriedenheit der Nutzer steigern, sondern auch unseren eigenen Erfolg. Letztendlich ist es unsere Fähigkeit, uns an Veränderungen anzupassen und dabei die User in den Mittelpunkt zu stellen, die uns voranbringt und uns hilft, die Herausforderungen in der Zusammenarbeit zu meistern.
Der Autor
Roland Sailer
swissICT
Roland Sailer ist Mitglied der Fachgruppe «User Experience» beim Verband swissICT. www.swissict.ch



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