«Das Bankwesen ist ein digitales Geschäft»

Alphabet für die Business-IT der Zukunft

CW: Sie haben ein spezielles Alphabet definiert. Ist das ABCDE – Automation, Un-Bundling, Cloud, Data, Experience – der Masterplan für die Zukunft der UBS-IT?
Mike Dargan von der UBS hat ein Alphabet für die Business-IT der Zukunft definiert
Quelle: UBS
Dargan:
Ich sehe das weniger als Masterplan für die UBS-IT, sondern mehr als Leitthemen für die Informatik im Geschäft der Zukunft. Ich denke, es ist etwas, das sich auf viele Branchen anwenden liesse. Nehmen wir das Beispiel Automatisierung: Wenn wir einen Prozess schaffen können, der ohne manuelle Tätigkeiten auskommt, der durchgängig vom Frontend zum Backend läuft und der dem Konsumenten dabei noch offenbart, was gerade mit seinen Daten geschieht, ist es für das Banking genauso gut wie beispielsweise für den Detailhandel.
Ich denke an ein weiteres Beispiel: Un-Bundling. Un-Bundling hat den Vorteil, dass es zwei Elemente enthält: Modulare Systeme, die zum Beispiel über APIs angesprochen werden können. Und die Blockchain, die trotz Offenheit Vertrauen schafft.
Die Cloud ist schon heute eine verbreitete Technologie. Sie wird in Zukunft aber noch viel mehr Adaptation in den unterschiedlichsten Bereichen erfahren.
Daten sind die Grundlage für alles: Wie wir Dinge konsumieren, seien es Bücher oder Musik, oder wie wir einkaufen oder Bankgeschäfte erledigen und noch vieles mehr.
Schliesslich ist die Experience, auf Deutsch die Benutzererfahrung, die Art und Weise, wie unsere Teams und Berater mit digitalen Lösungen interagieren. Und wie unsere Kunden die Dienste von UBS nutzen.
Bei UBS arbeiten wir mit allen Geschäftseinheiten daran, das Optimum des ABCDE-Ansatzes für die jeweiligen Anforderungen und Bedürfnisse von Kunden zu finden. Dabei ermitteln wir jeweils, mit welchem Angebot die Kunden am besten bedient sind und was ihnen dabei hilft, ihre jeweiligen Geschäftsziele zu erreichen. Damit stärken wir auch die digitalen Kanäle und unterstützen die Kundenberater, sodass die Kunden das Bankgeschäft mit UBS als ideale Erfahrung erleben.
CW: Der Blockchain wird im Banking grosses Innovationspotenzial attestiert. Welche Anwendungen sehen Sie für das Geschäft der UBS?
Dargan: Die Distributed-Ledger-Technologie ist faszinierend. Sie bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Industrien. Bemerkenswerte Beispiele gibt es für Kunst, für Immobilien, für Rohstoffe etc. Eine sehr interessante Anwendung in der Bankenbranche ist die Handelsfinanzierung. Grundsätzlich besteht das Ziel darin, eine Ware von einem Ort zum anderen zu befördern. Dabei ist bekannt, um welche Ware es sich handelt, welchen Wert diese Ware hat und welchen Weg sie nehmen muss von A nach B. Heute bekommt der Empfänger von der Handelsbank einen Kreditbrief über den Warenwert ausgestellt. Dieser Kreditbrief enthält die unveränderliche Historie des Warentransfers. Eine unveränderliche Historie ist per Definition eine Blockchain.
Gemeinsam mit anderen Unternehmen lancierte UBS im vergangenen Jahr die Plattform «we.trade», die eine Blockchain verwendet. Sie ist eine Alternative zu den heute oft noch manuellen Prozessen, bei denen Dutzende Dokumente physisch versendet werden. Mit einem ersten Handel auf der Plattform haben wir Ende des letzten Jahres bewiesen, dass die Blockchain eine Technologie ist, mit der die Handelsfinanzierung revolutioniert werden kann.
CW: Es dürfte einige Leute geben, die Sie daran hindern wollen, das Geschäft mit der Blockchain neu zu erfinden. Beispielsweise wenn ihr Geschäft dabei in Gefahr gerät.
Dargan: Jede neue Entwicklung in einer Industrie führt dazu, dass bestehende Geschäftsmodelle weiterentwickelt werden. Mit jeder Evolution entstehen auch neue Geschäftsmodelle und neue Jobs. Der Blockchain-Ansatz ist anders, allerdings nicht bedrohlich.


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