Interview mit Glenn Gore von AWS 19.02.2018, 07:26 Uhr

«Wir sind selbst eine Firma von Programmierern»

Die Cloud hat die Arbeit, Stellung und Funktion von Entwicklern grundlegend verändert. Im Computerworld-Interview spricht Glenn Gore, Global Chief Architect beim Cloud-Giganten Amazon Web Services (AWS), über die gewandelte Rolle des Programmierers in der Welt von virtuellen Maschinen, Containern und Microservices
Dank der Cloud wachse für Programmierer der Einfluss in der Firmen-IT, ist Glenn Gore von AWS überzeugt.
(Quelle: Jens Stark / NMGZ)
Cloud-Umgebungen sind aus heutigen IT-Set-ups kaum noch wegzudenken. Der Siegeszug der Cloud verändert aber nicht nur die Firmen-IT. Auch die Rolle der Entwickler ändert sich dramatisch. Ihre Arbeit wird einerseits interessanter, andererseits aber auch verantwortungsvoller. Computerworld sprach mit Glenn Gore, Global Chief Architect bei Amazon Web Services (AWS), über die veränderte Welt des Programmierers sowie über die DevOps-Aufgaben von «Zwei-Pizzen-Teams» bei AWS.
Computerworld: Wie hat die Cloud die Art und Weise verändert, wie Entwickler arbeiten?
Glenn Gore: Es sind ein paar Dinge, die sich verändert haben. Das Wichtigste ist, dass Entwickler nun die Kontrolle haben über die Umgebung, in der sie Applikationen aus­rollen. Vorher konnten sie nur Anwendungen schreiben und nicht mehr. Sie mussten dann ihre Entwicklung einem weiteren Experten geben, der sie testete und Fehler zur Bereinigung meldete. Danach kam das Team, das für den Betrieb verantwortlich war, das die Applikation ausrollte. Dieser Prozess war langsam. Ein Beispiel: Hatte der Entwickler sich etwa in der Grösse der Applikation vertan, musste das Operations-Team ihm das nachträglich mitteilen und der mühsame Prozess begann von Neuem. Zu diesem Zeitpunkt war der Entwickler schon mit einem völlig anderen Projekt beschäftigt, musste sich also erst wieder in das voran­gegangene Vorhaben reindenken.
Ganz anders ist es mit der Cloud. Hier erhält der Entwickler den direkten Zugriff auf die Programmierschnittstellen (API), er kann die Applikation bereitstellen und dabei direkt Änderungen in Dingen wie Load Balancing und Skalierung vornehmen.
Das ist aber erst der Anfang. Die Vorgehensweise ermöglicht ganz neue Entwicklungskonzepte wie DevOps. Dabei wird derjenige auch für den Betrieb verantwortlich, der den Code am besten kennt, und das ist der Entwickler. Die Cloud hat also die Rolle des Entwicklers massiv gestärkt.
CW: Aus Sicht des Entwicklers: Was sind da die Unterschiede zwischen Anbietern wie AWS und Konkurrenten wie Microsoft Azure und der Google Cloud?
Gore: Mit AWS erhalten Sie vor allem das breiteste An­gebot an Dienstleistungen. Keiner der Konkurrenten hat wie wir Hunderte Services dem Entwickler zu bieten. Kommt dazu, dass wir bereits seit 2006 mit unseren Cloud-Diensten präsent sind, also auf eine gewisse Erfahrung verweisen können. Zudem erhalten Sie mit uns Zugang zu aus­gefeilten Sicherheitsdiensten und zu einer sehr stabilen und robusten Plattform. Schliesslich finden Sie bei uns einen Innovationsrhythmus, der seinesgleichen sucht. So haben wir letztes Jahr der Plattform 1400 Updates an­gedeihen lassen. Das Beste aber: Wir lieben Entwickler, da wir selbst eine Firma von Programmierern sind …

CW: Welches Feedback erhalten Sie von Programmierern? Was vermissen diese noch auf AWS?
Gore: Eine grossartige Sache an Entwicklern ist, dass sie nie ganz zufrieden sind. Sie wollen immer mehr. Das lieben wir aber an ihnen, denn es fördert unsere Innovationen!
Unsere eigene Roadmap ist im Grunde genommen von den Programmierern getrieben. Wir erhalten ständig Rückmeldungen, wo noch eine Funktion fehlt oder ein Prozess vereinfacht werden kann.
Ein grosser Bereich, der jetzt von uns aufgebaut wird, ist das Gebiet des maschinellen Lernens. Dazu gehören Dienste wie Amazon Lex für die Umwandlung von Sprache in Text – ein wichtiger Bestandteil entsprechender Chatbots – oder Amazon Polly, mit dem Text in verschiedenen Stimmen gesprochen werden kann. Hinzu kommen Dinge wie Bild- und Videoerkennung. Diese Features sind alle auf Vorschlag von Entwicklern eingeführt worden, die uns sagten, dass sie schlicht nicht die Zeit und Ressourcen haben, eigene
Maschinenlerntechniken zu programmieren. Sie wollen nur eine API haben, über die sie entsprechende Funktionali­täten in ihre eigenen Applikationen integrieren können.


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