04.02.2011, 19:20 Uhr

IBM gegen Google, Microsoft und Oracle

Die Zusammenarbeit in Echtzeit an Office-Dokumenten will IBM perfektioniert haben. LotusLive Symphony verspricht mehr als Googles, Microsofts und Oracles Online-Bürosuiten.
LotusLive Symphony ist ein Office-Paket aus der Cloud
Google erlaubt das gleichzeitige Bearbeiten von Dokumenten, Microsoft nicht, Oracle nicht. Um Produktivität beim Abfassen von zum Beispiel Geschäftsberichten wirklich signifikant zu steigern, ist die Echtzeit-Kollaboration aber erforderlich. Anderenfalls können die Teammitglieder auch wie bisher ihre Entwürfe an alle Kollegen per E-Mail senden und einen Mitarbeiter aussuchen, der sämtliche Änderungen in einer Datei konsolidiert. Aber genau diese Arbeitspraxis soll doch mit Online-Officeprogrammen abgeschafft respektive zumindest vereinfacht werden. Echtzeit-Zusammenarbeit meint, dass ein Teamleiter einen Dokumentenentwurf in einen Online-Speicher lädt, auf den alle Teammitglieder zugreifen können. Dann öffnen alle Mitglieder gleichzeitig den Entwurf mit einer Textverarbeitung im Browserfenster und korrigieren Texte, ergänzen Bilder oder fügen Absätze ein. Die Online-Textverarbeitung speichert permanent alle Änderungen sämtlicher Bearbeiter und fügt sie kontinuierlich in den Originalentwurf ein. Wenn alle Arbeiten erledigt sind, schliessen die Teammitglieder die Datei und der Teamleiter kann das fertige Dokument zum Beispiel den Juristen zur Prüfung übergeben oder der Geschäftsleitung präsentieren.
Diese Disziplin, die nicht nur das Herumschicken von Dokumentenentwürfen überflüssig macht, beherrschte GooglesOnline-Office «Text & Tabellen» schon in einer sehr frühen Ausbaustufe. Heute ist sie seit Jahren Standard und hätte als Vorbild für MicrosoftsOffice Web Apps und OraclesCloud Office dienen können. Jedoch legten Microsoft und Oracle andere Schwerpunkte bei ihren Produkten. IBMs kommendes Internet-Büro «LotusLive Symphony» geht noch einen Schritt weiter als Google. Auf der nächsten Seite: «Teamarbeit live» Produktmanagerin Jeanette Barlow gewährte Computerworld einen Blick auf die Vorabversion von LotusLive Symphony. Die Öffentlichkeit bekommt noch in Kürze ebenfalls Zugriff auf das Produkt, jedoch vorerst nur auf die Module Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Eine Applikation für Präsentationen folgt noch im ersten Halbjahr, genau wie der Funktionsumfang sukzessive ausgebaut wird.

Teamarbeit im Live-Modus

IBMs Definition von Echtzeit-Kollaboration ist granularer als Googles. Bei letzterem gibt der Teamleiter das komplette Dokument zur Überarbeitung frei. Symphony-Benutzer können ihren Kollegen auf Wunsch auch nur einen Absatz, ein Zellenareal einer Tabelle oder eine Folie in einer Präsentation freischalten. Änderungen in diesen «Zonen» protokolliert die Versionskontrolle. «Der Hauptbenutzer kann Korrekturen nur für eine bestimmte Zone rückgängig machen, nicht nur für das gesamte Dokument», sagt die Produktmanagerin. Jedem einzelnen Bearbeiter steht es bei seinen Korrekturen frei, ob seine Kollegen seine Änderungen sehen können oder nicht. Ein Privatmodus verbirgt zum Beispiel den zurzeit bearbeiteten Absatz. Verzichtet der Korrektor auf die «Privatsphäre», sieht jeder Mitarbeiter alle Änderungen in Echtzeit. Die Änderungen jedes Korrektors werden dann jeweils farblich hervorgehoben. Produktmanagerin Barlow nannte 20 gleichzeitige Benutzer als Maximum. Innerhalb der Infrastruktur – dem LotusLive-Dienst – kann der Teamleiter und auch die einzelnen Mitarbeiter alle Änderungen an einem Dokument als Feed abonnieren. Dann erhalten sie automatisch eine Nachricht, wenn ein Korrektor seine Arbeit getan hat oder ihnen neue Aufgaben zugewiesen werden. Auf der nächsten Seite: «Office aus der Cloud» Für den Zugang zu LotusLive Symphony benötigen Benutzer künftig lediglich einen Browser – Internet Explorer ab Version 8.0, Firefox ab Version 3.0 und Safari ab Version 5.0 stehen auf der Kompatibilitätsliste. Die Dokumente können in Microsofts binärem Dateiformat, als RTF oder als ODF hochgeladen und bearbeitet werden. An der Unterstützung für Office Open XML von Office 2007/2010 arbeitet IBM noch. Beim Download werden künftig zusätzlich HTML und PDF angeboten.

Office ausschliesslich aus der Cloud

IBM positioniert LotusLive Symphony als reines Cloud-Office. Anders als bei Google, Microsoft und Oracle gibt es gemäss Produktmanagerin Barlow vorerst keine On-Premise-Version, die Unternehmen im Intranet und hinter der Firewall betreiben könnten. «Wenn es die Nachfrage gibt, prüft IBM aber auch lokale Installationen», so Barlow. Bis dahin muss das Office aus der IBM-Cloud bezogen werden. Über die Preisgestaltung und die Paketeim Rahmen des LotusLive-Dienstes gibt es noch keine Angaben. Für die maximale Ausbaustufe der LotusLive-Dienste – mit zum Beispiel E-Mail, Konferenzen, Terminplanung, Projektkoordination und Dateiablage, jedoch noch ohne Symphony-Office – berappt der Kunde zurzeit glatt 10 US-Dollar – pro Benutzer und Monat. Bis im zweiten Halbjahr 2011 LotusLive Symphony fertig entwickelt ist, steht die Online-Bürosuite auf der «Greenhouse»-Webseite von «Big Blue» gratis zum Test bereit. Für den Zugriff auf die «Technical Preview Release 2» ist allerdings ein Lotus-Benutzerkonto erforderlich, das Anwender ebenfalls kostenfrei erstellen können.


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