Biometrische Verfahren 11.03.2019, 10:54 Uhr

Wie sicher sind Fingerabdruck und Gesichtserkennung wirklich?

Pins und Passwörter waren gestern. Handy- und Laptop-Hersteller setzen zunehmend auf Fingerabdruck, Iris-Scan und Co. und versprechen dabei Komfort und Sicherheit. Vor allem bei Letzterem fordern Hacker die Industrie immer wieder heraus.
(Quelle: sibfox / shutterstock.com)
Für viele Computer- und Handynutzer ist es längst Routine: Kurz mit dem Finger über die Fläche fahren oder den Daumen auf das runde Feld drücken, schon ist der Bildschirm entsperrt. Bei neuen Geräten reicht es auch schon, kurz in die Linse der Frontkamera zu schauen, in der ein Sensor das Auge oder das ganze Gesicht erfasst und bei korrektem Abgleich etwa das Smartphone freigibt.
Fingerabdruck-Scan oder Gesichtserkennung – solche biometrischen Authentifizierungs-Systeme sind praktisch. Sie sorgen unter anderem dafür, dass Verbraucher sich keine hundert Pins und Passwörter mehr merken müssen, die noch dazu oft leicht zu umgehen sind. Und sie werden immer sicherer.
Der Münchner Chiphersteller Infineon etwa verbaut Sensoren mit der sogenannten Time-of-Flight-Technologie (ToF) in Handys des Herstellers LG. Der Chip erfasst Infrarotlicht, das vom gescannten Objekt reflektiert wird. Auf diese Weise wird ein 3D-Bild des Gesichts erstellt. Mit einem schlichten 2D-Foto des Besitzers lässt sich das Handy damit nicht mehr knacken. Zovor hatte Apple bereits eine noch etwas aufwändigere Variante der Gesichtserkennung («FaceID») für das iPhone entwickelt.

Keine hunderprozentige Sicherheit

«Einfache Systeme wie 2D-Kameras oder Fingerabdrucksensoren konnten überlistet werden», sagt Peter Laackmann, Sicherheitsstratege des Bereichs digitale Sicherheitslösungen beim Münchner Chiphersteller Infineon. «Neuere Verfahren wie die dreidimensionale Gesichtserkennung bieten weitaus höhere Sicherheit.» Doch hundertprozentig lässt sich diese mit keinem System garantieren.
Erst Ende vergangenen Jahres tricksten Hacker des Chaos Computer Clubs (CCC) einen Sensor aus, der die Venenstruktur unter der Hand erkennt und zuordnen kann, auch wenn es sich aus Sicht von Experten um ein veraltetes Gerät gehandelt hatte, das nicht auf dem neuesten Stand der Technik war.
Dennoch finden biometrische Authentifizierungsverfahren immer mehr Anklang, denn sie versprechen Komfort und Sicherheit. Bei einer Befragung in Deutschland gaben etwa fast 90 Prozent der Befragten an, dass sie bargeldlose Bezahlungen per Fingerabdruck autorisieren würden, wie der deutsche Digitalverband Bitkom in einer Umfrage ermittelte. Im Vorjahr waren es gemäss dem Verband erst 80 Prozent. Und diese Verfahren sind auch in der Wirklichkeit angekommen. Bezahlverfahren wie Apple Pay, Google Pay oder in Banken-Apps setzen längst auf eine biometrische Freigabe der Transaktionen.


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