23.06.2017, 10:53 Uhr

Der Microsoft Surface Laptop im Test

Computerworld hat Microsofts Grazie aus Alu genauer unter die Lupe genommen.
Microsoft hat jetzt einen «Laptop», der gar nicht so recht ein Laptop ist. Und doch löst das ultradünne 13,5-Zoll-Gerät einen gewissen «Wow»-Effekt aus, wenn man es zum ersten Mal vor sich hat. So dünn wie es ist, nämlich fast dünner als ein MacBook Air, ist das Alugerät sogar zusammengeklappt, bis auf die 1,4 cm hohe Scharnierseite, kaum dicker als eine halbe Fingerkuppe.
Das schafft Microsoft offenbar auch ganz ohne den schmalen USB-C-Stecker, auf den man zum Wohl oder zum Trotz der Anwender leider ganz bewusst verzichtet. Grund: Den Verbrauchern wollen die Redmonder USB-Type-C noch nicht zumuten. Zum einen, weil Kunden Netzteile kaufen könnten, bei denen die Stromversorgung nicht ausreicht. Zum anderen, weil Microsoft seinen magnetischen Stromstecker wohl einfach liebt. Nun gut, der Nachteil: Bis auf einen Mini-Display-Port und eine einzige USB-3.0-Buchse wird es schnell eng mit externer Peripherie. Wenn HP das auch kann, warum Microsoft nicht? Wir finden: Wenigstens ein USB-C-Anschluss für externe Gerätschaften hätte nicht geschadet. Der Anschluss ist bei anderen Herstellern omnipräsent. Ansonsten sieht das alles wirklich sehr gut aus, als wäre das Ultrabook aus einem Alublock gefräst. Wie bei Apples MacBooks hat man den Eindruck, als habe Microsoft hier ein Gerät gebaut, das auch noch in vier Jahren noch gut läuft. Wir empfehlen aber bei einem Kauf wärmstens eine Schutzhülle, da die Aluverschalung nicht gerade sehr beständig ist gegen kleinere Kratzer.

Solides Scharnier

Insgesamt erinnert der 13,5 Zoll grosse Surface Laptop mit einem Gewicht von nur 1,25 kg stark an die Surface-Pro-Serie. Man erkennt den Unterschied auf den ersten Blick eigentlich fast nur an dem von hinten kaum sichtbaren länglichen Scharnier, das sich erst beim Aufklappen in die Wanne schiebt. Besonders gefällt uns, wie gut der Deckel von dem robusten Mechanismus gehalten wird. Es wackelt nichts und man kann tatsächlich den Laptop noch in einem 120-Grad-Winkel mit den Fingern bedienen, ohne dass die Wanne ständig nachwippt. Das alles stimmt hier einfach. Das Touchpad und auch der Bildschirm mit seinen knackigen Farben (2256 x 1504 Pixel) reagieren zudem sehr genau auf sämtliche Gesten (Computerworld berichtete).
Der Surface Pen ist beim neuen Laptop nicht im Lieferumfang enthalten, kann aber separat dazu bestellt werden. In wenigen Wochen wird zudem eine neue Version mit den vierfachen Erkennungspunkten angeboten. Im Test war der Bildschirm genausogut auf den Pen des Surface Pro 4 anzusprechen. Wir fanden jedoch dazu kaum je eine praktische Position. Im Gegensatz zum Surface Book lässt sich der Bildschirm nicht um 180 Grad drehen oder auf Knopfdruck entfernen. Nächste Seite: Dieses Windows 10 S

Dieses Windows 10 S

Startet man den kleinen Microsoft-Laptop zum ersten Mal, spricht sogar Cortana auf einmal frei von der Leber weg. Seit dem Creators Update kann man der Microsoft-Gehilfin auch während des Setups per Stimme befehlen, welche Sprachregion und welche Schnelleinstellungen sie übernehmen soll. Allerdings ist hier zunächst nicht die Rede von Windows 10 Home oder Pro, sondern von einem stark eingeschränkten «Windows 10 S». Dieses unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von dem echten Windows 10.
Die meisten Anwender werden wohl ziemlich schnell auf Windows 10 Pro aktualisieren, was man entgegen der gegenwärtigen Falschinformation auf der Microsoft-Webseite bis Ende Jahr noch gratis tun darf. Danach wird eine Lizenzgebühr von 60 Franken fällig. Aber was ist eigentlich dieses Windows 10 S? Gleich vorweg: Ganz so leichtgewichtig wie ein Chrome OS ist Windows 10 S nicht. Warum? Weil es gegenüber Windows 10 Pro nicht unbedingt eine bessere Performance bringt, wenn man wie in unserem Fall von jeweils einem frisch aufgesetzten Betriebssystem beider Varianten ausgeht.

Es gibt einen Weg zurück

Mit Sicherheit bietet Windows 10 S langfristig einen grossen Hauptvorteil: Es bleibt stabil und so flüssig wie nach der ersten Installation. Der Hauptgrund, aber auch die gleichzeitige Haupteinschränkung hier ist der Windows Store, von dem man unter Windows 10 S ausschliesslich Apps installieren kann. Also nichts mit regulären Desktop-Programmen wie Adobe Photoshop oder Steam. Der Store verunmöglicht aber vor allem eines: die Installation irgendwelcher Malware. Durch das Browser-Diktat des Edge-Browsers kann sich der Anwender zudem keine lästigen Toolbars und sonstige «Suchmaschinen-Optimierer» einfangen.
Randnotiz: Andere Browser wie Firefox oder Chrome gibt es nicht im Store. Noch einmal: Das Ökosystem von Windows 10 S ist nicht schlanker. Der einzige Hauptunterschied sind die ausschliesslich möglichen App-Installationen aus dem Store. Die funktionalen und sicherheitsrelevanten Updates trudeln übrigens ebenfalls zum selben Zeitpunkt ein wie bei Windows 10 Home oder Pro.

Für wen ist Windows 10 S?

Nun, für wen lohnt sich denn Windows 10 S überhaupt? Eigentlich vor allem für Anwender, die viel surfen, E-Mails abrufen, Office-Dokumente bearbeiten, Musik hören oder den kleinen Laptop unterwegs im Betrieb haben. Office 365 lässt sich über die App natürlich ebenfalls installieren. Für diese Anwendergruppe hat der Windows Store inzwischen doch einiges zu bieten, jüngst ist sogar eine Spotify-App dazugekommen. Trotzdem: Die meisten von uns werden den tüchtigen Laptop wohl sehr schnell auf Windows 10 Pro hieven. Das kann man noch bis Ende Jahr gratis mit zwei, drei Kicks in weniger als 15 Minuten erledigen. Die Einstellungen und persönlichen Daten werden sogar übernommen. Beim Upgrade nach Ablauf dieser Frist wird eine Lizenz-Gebühr von 60 Franken fällig. Neuerdings gibt es sogar wieder einen Weg zurück, wenn man das Upgrade auf Windows 10 Pro im Nachhinein bedauert. Allerdings müssen in diesem Fall zuvor die Daten gesichert werden, weil man dann ein Wiederherstellungsabbild mit Windows 10 S auf ein externes Medium herunterlädt und es im Anschluss auf den Laptop bügelt. Das Gerät befindet sich danach wieder im Auslieferungszustand. Nächste Seite: Power unter der Haube

Power unter der Haube

Uns hat Microsoft Schweiz eine Core-i5-Version mit 8 GB RAM und einem 128 GB SSD testhalber zur Verfügung gestellt. Rein von der Performance her konnten wir Windows 10 S daher bezüglich Rohleistung nur mit einigen App-basierten Benchmarks wie AnTuTu auf den Zahn fühlen. Der Vergleich verdeutlicht den kaum wahrnehmbaren Leistungsunterscheid von 255'013 Punkten (Windows 10 S) gegenüber 244'274 Punkten (Windows 10 Pro). Zum Spass haben wir auch einmal das actiongeladene Prügelspiel «Killer Instinct» installiert, das aber doch deutlich ruckelte und kaum spielbar war. Dies aber eher, um zu überprüfen, ob der Laptop noch ein paar Leistungsreserven hat, die jene eines Surface Pro 4 überbieten, was definitiv nicht der Fall ist.
Im 3DMark-Testprogramm Sky Diver schnitt der Surface Laptop mit 3681 Punkten ab, womit er sich in etwa auf Augenhöhe mit einem HP Spectre 13 (3910 Punkte) bewegt, das damals noch einen sparsamen Core-i7U-Prozessor der Vorgängerserie inne hatte. In direktem Vergleich zu einem Kaby-Lake-i7K-Desktop-PC scheidet der Laptop sogar im PC Mark 8 Test noch sehr gut ab (2316 zu 4579 Punkten bei einem Core-i7-PC mit einer GeForce GTX 1080). Im Grunde genommen haben wir es mit einem sehr schnellen Ultrabook zu tun, das auch anspruchsvollere Applikationen sehr rasch startet und problemlos 22 Tabs in einer Browser-Sitzung offen haben kann. Für Videoschnitt oder Games reicht es dann aber ganz klar nicht.

Über 14 Stunden Akkulaufzeit

Das Beste aber ist die ausgesprochen lange Akkulaufzeit von über 14 Stunden und 20 Minuten. Man kann praktisch den ganzen Arbeitstag vor dem Gerät verbringen und man hat gegen Abend noch problemlos 40 bis 50 Prozent Akkuleistung übrig. Wir hatten im Test sogar einmal das Surface Pro 4 und den neuen Laptop parallel im Betrieb, indem wir tagsüber auf beiden Geräten mit ca. 66 Prozent Bildschirmhelligkeit gelegentlich ein wenig im Internet surften. Über den Daumen gerechnet, schaffte das Surface Pro 4 ungefähr siebenenhalb Stunden, während der neue Laptop beinahe mit der doppelte Akkulaufzeit trumpfen konnte. Interessant ist hier auch der Wärmevergleich und der Geräuschpegel. Das Core-i5-Notebook ist, abgesehen von Prozessen während der Leistungstests, fast nicht hörbar. Das Surface Pro 4 kann am Deckel auf der ganzen Fläche sehr warm werden. Nicht so beim Surface Laptop, der sich nur ganz minim in der Base beim Klappscharnier, und auch nur unter Last, ein wenig aufwärmt.
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Diese Modelle gibt es

Haben kann man den dünnen Silberling mit aktuellen Kaby-Lake-i5- und i7-Prozessoren und variablen Speicherbestückungen im Microsoft-Store und Resellern ab einem Strassenpreis von Fr. 1129 Franken. Damit gemeint ist die günstigste Ausführung (mit Core i5, 4 GB RAM), die uns beim Arbeitsspeicher ein wenig gähnen lässt. Die High-End-Ausführung mit 512 GB SSD und Core i7 mit zusätzlichem Iris-Pro-Grafikkern ist mit rund 2500 Franken fast doppelt so teuer. Die Handauflage besteht bei allen Modellen aus Alcantara, einem faserigen Polyestermaterial, das sich in der Bedienung sehr gut anfühlt, weil es den Händen eine rutschsichere Unterlage bietet. Wie wir schon im ersten Hands-on-Test angetönt haben, sind wir noch immer überzeugt davon, dass sich mit der Zeit leider auch ein wenig Fett ansammeln könnte.

Fazit

Der Surface Laptop bereitete uns im Test eine Menge Freude. Die dünne Bauweise und das gute Display könnten noch so manche neidische Blicke auf sich ziehen. Von der allgemeinen Systemleistung, der Abwärme und der Lautstärke gibt bei unserer Konfiguration kaum etwas zu beanstanden. Auf Spiele ausgelegt sind auch das Surface Book und das Surface Pro 4 nicht. Microsoft orientiert sich vor allem an den Power-Office-Nutzern. Ein bisschen Bauchschmerzen bereiten uns die Konfigurationen mit teilweise recht grossen Preissprüngen nach oben. Wünschenswert wären zudem weitere Tastaturoptionen ohne den heiklen Kunststoff. Warum nicht einfach Alu? Wir empfehlen ausserdem dringend ein stoffiges Etui, um den schlanken Gefährten wegen der Verkratzungsgefahr jederzeit ohne Berührungsängste im Rucksack verstauen zu können. Erhältlich ist der Surface Laptop in den Farben Burgunder, Silber, Blau und Gold.