"Innovation ist eine Haltung"

Bergrettung im digitalen Zeitalter

Heinz Beutler, Senior Principal Consultant bei Namics und Rettungschef Schwägalp/Säntis bei der alpinen Rettung Schweiz, sprach über neue digitale Möglichkeiten für Retter.
Quelle: Namics
Namics-Mitarbeiter Heinz Beutler ist auch Rettungschef Schwägalp/Säntis bei der alpinen Rettung Schweiz. Beutler erzählte von einem für ihn einschneidenden Erlebnis im Herbst letzten Jahres. Ein Wanderer, der an einem Samstag auf dem Weg zum Alpstein/Säntis war, wurde am nächsten Tag von seiner Familie als vermisst gemeldet. Es schneite und stürmte. Am Dienstag erst konnte die Suche aufgenommen werden. Da man den Berggänger nicht fand, wurde das Suchgebiet sukzessiv erweitert. «Bis hin zu Hinweisen von Wahrsagern», wie Beutler sagte.
Den Suchenden standen zahlreiche technische Mittel zur Verfügung. Vom Kartendienst Swisstopo über Mobilfunktechnik zur Ermittlung der Verbindung des Handys des Vermissten mit Funkmasten, um dessen Position zu bestimmen.
Doch all die technischen Mittel könnten nicht durchgängig genutzt werden. «Wenn eine Person fehlt, die das alles beherrscht, ist nichts zu machen», brachte Beutler das Problem auf den Punkt. Auch sei die Technik zum Teil nicht anwenderfreundlich.
Beispielsweise enthält eine Koordinate sechs Ziffern und müsse in GPS-Geräten wie zu Zeiten des Nokia-Natels 3210 eingetippt werden. Im Einsatz unter Stress sei das schwierig, erklärte der Rettungschef, für den durch das Ereignis klar wurde, dass sich etwas ändern muss.

Rettungsapp entwickelt

Beutler entwickelte deshalb mit Kollegen und Entwicklern der Hochschule Rapperswil eine App für die Rettungsplanung. Diese integriert Daten aus den verschiedensten Quellen, die Trackingfunktion verbraucht wenig Strom, was wichtig ist im Gebirge und nicht zuletzt ist sie einfach zu bedienen. Inzwischen beschäftigt man sich bei der Bergrettung mit dem Einsatz von Drohnen, die auf Basis eines Einsatzplans autonom ein Gebiet abfliegen und sondieren können.
Und der vermisste Wanderer? Dieser konnte im Juli dieses Jahres nur noch geborgen werden. Hätte der Berggänger mit einer Tracking-App seine Route übermitteln können, wäre er vielleicht noch zu retten gewesen. Ein Anliegen Beutlers ist es daher, eine Trackingfunktion in die Rega-App für Wanderer und Berggänger zu implementieren.


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