Digital Performance Marketing Breakfast 07.02.2019, 18:16 Uhr

Viele Wege führen zum Kunden

Wer als Unternehmen im Web gefunden werden will, setzt auf Suchmaschinenoptimierung (SEO). Der Fokus liegt dabei massgeblich auf Google. Weshalb das nicht reicht, diskutierten die Gäste am jüngsten Digital Performance Marketing Breakfast.
(Quelle: NMGZ/Computerworld)
Unternehmen und Organisationen stehen immer wieder vor der Frage: Wie wird man mit seinen Angeboten im Web gefunden? Das bewegte auch die Teilnehmer des zweiten Digital Performance Marketing Breakfast.
In den Räumlichkeiten des Branchenverbands swissICT trafen sich 15 Gäste. Um sich einzustimmen, diskutierten sie zunächst in Dreiergruppen über ihre Fragen und Zielsetzungen für das morgendliche Meetup. Exakt sechs Minuten Zeit gab Moderator Oliver Müller den Teams.
(Quelle: NMGZ/Computerworld)
Diese präsentierten nach Ablauf der Frist dem Gremium ihre Ergebnisse. Manche wollten neue Zielgruppen erreichen. Andere frische Erkenntnisse in ihren beruflichen Alltag mitnehmen. Sie sollten nicht enttäuscht werden.
Wie Selbstvermarktung im Web funktioniert – und wie nicht
Im Mittelpunkt des Vormittags stand das Referat «Juhu, wir sind jetzt digital, aber niemand sucht uns» von Christoph Glauser. Der Gründer der Agentur Argyou zeigte anhand von Beispielen auf, weshalb es nicht reicht, sich bei der Selbstvermarktung im Web vor allem auf Google zu fokussieren.
Glausers Agentur untersucht unter anderem im Auftrag von Firmenkunden, über welche Kanäle im Web deren potenzielle Endkunden zu ihnen gelangen. Die analysierten Kanäle reichen von Google und Twitter über Wikipedia und News-Angebote bis hin zu russischen und chinesischen Suchmaschinen.
(Quelle: NMGZ/Computerworld)
Erfolg habe in der digitalen Welt nur, wer auch gefunden werde. Begriffe, die von Kunden auch in verschiedenen Varianten gesucht würden, müssten daher berücksichtigt werden. Wer nach Marktforschung sucht, tippt in eine Suchmaschine vielleicht auch MaFo ein, verdeutlichte Glauser.
Er riet daher, die Onlinewirkung entsprechend frühzeitig zu messen. Betreiber von komplexen digitalen Angeboten, wie etwa Online-Shops sollten bereits zwei bis drei Jahre vor der Live-Schaltung ihre Online-Wirkung umfassend analysieren, messen und optimieren.

Besser als Google

Meistens wird bei der Suchmaschinenoptimierung massgeblich auf das Angebot von Google fokussiert. Doch was, wenn potenzielle Kunden über andere Kanäle suchen? Nach «ICT Schweiz» werde beispielsweise am häufigsten auf local.ch nachgefragt, wie eine Analyse von Glausers Findmaschine, wie er seine Metasuchmaschine nennt, ergab. Google folgte mit deutlichem Abstand, gefolgt von Linkedin, Xing und Facebook.
Search.ch besser als Google? Glauser rief mit seinen Ergebnissen einiges an Staunen zum Teil auch Skepsis hervor. Doch der Datenanalyst doppelte nach anhand des Markennamens Tesla. Weltweit werde der Autohersteller am stärksten über die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook nachgefragt. Gefolgt vom News-Portal Bloomberg.
Was mit komplexen Anfragen sei, etwa nach einem Restaurant vor Ort, wollte eine Teilnehmerin wissen. Dieses würde man ja wohl zunächst auf Google suchen. Davon gingen wohl die meisten im Raum aus. Doch zum Erstaunen ergab die Analyse von «Restaurant Thai Wollishofen», dass nach diesem am ehesten über search.ch gesucht wird.
(Quelle: NMGZ/Computerworld)
Aufgrund seiner Analysen sieht Glauser die klassische SEO bald am Ende. Vielmehr müsse man zahlreiche unterschiedliche Kanäle im Auge behalten. Das können Local Heros wie search.ch, sein oder Angebote wie die professionellen Netzwerke Linkedin und Xing.

Computerworld und seine Fanbase in China

Die Wege, über die man gefunden wird, können auch vorübergehend wechseln. Glausers Präsentation verdeutlichte zudem: Die Analytik-Plattform von Argyou misst nur. Sie bleibt ein Werkzeug für Anwender, die ihr Metier beherrschen. Die korrekte Interpretation, Auswertung und Planung obliegt dem Menschen.
Ein Test mit dem Begriff Computerworld belegte dies eindrücklich: «Computerworld» ergab einen hohen Ausschlag bei der chinesischen Suchmaschine Baidu. So viele Computerworld-Fans in China?
Wahrscheinlicher dürfte die These eines Meetup-Teilnehmers sein: Chinesische Touristen halten nach ihrer Ankunft in der Schweiz nach dem nächsten Smartphone-Geschäft Ausschau, um sich eine Schweizer SIM-Karte für das Natel zu kaufen mit dem Ziel, Mobilfunkkosten einzusparen. Da die Namen einheimischer Ladengeschäfte bei Touristen weniger bekannt sind, tippen sie einfach den Namen einer bekannten Smartphone-Marke in das chinesische Google-Pendant, Baidu, ein.
Da just zum Messzeitpunkt mehrere Artikel über den chinesischen Hersteller Huawei auf computerworld.ch zu lesen waren, sorgte vermutlich diese Verknüpfung für einen vorübergehenden Ausschlag der Computerworld auf Baidu.

Mit frischen Erkenntnissen zurück ins Büro

Abschliessend bündelte Moderator Müller die Learnings der Gäste des Breakfast Events:
  • Suchbegriffe auf sinnvollen und wichtigen Kanälen messen.
  • Die Zielgruppe ist nicht immer klar definierbar, es gibt auch sogenannte Moving Targets.
  • Keywords sollten kontrolliert werden. Machen diese Sinn? Welche Varianten gibt es davon?
  • Daten sammeln und beurteilen.
  • Was wird gesucht?
  • Wechsel der Kanäle beachten: Welche Generationen nutzen welche Kanäle?
  • Den Fokus auf Google verringern.
  • Messen, bevor man mit seiner Website live geht.
  • Use Cases suchen und vergleichen.
  • Beratung: Was braucht es wie, wo und wieviel?
  • Zentral ist die Customer Journey.
  • Suchmaschinenoptimierung ist keine exakte Wissenschaft.
(Quelle: NMGZ/Computerworld)
Nach dem erkenntnisreichen Morgen diskutierten die Gäste bei Kaffee und Gipfeli weiter und pflegten ihre persönlichen Netzwerke.
Das nächste Digital Performance Marketing Breakfast findetam 21. März statt, erneut in den Räumlichkeiten von swissICT. Dann wird es handwerklich: Die Teilnehmer bauen in einem Workshop einen einfachen Chatbot.


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