Test 03.08.2016, 17:50 Uhr

Stärken/Schwächen von 200 Schweizer Cloud-Anbietern

Wer ist der Beste in der Schweizer Cloud - für KMU und Grosskunden, bei IaaS, Private Cloud, Software und Managed Services? CW präsentiert exklusiv die Anbieter-Bewertungen des 'Swiss Cloud Vendor Benchmark 2016'.
Die Highlights des Schweizer 'Cloud Vendor Benchmark 2016': Cloud Transformation: Die Beratung wiegt als vorgelagertes Element immer schwerer. Viele lokale Schweizer Anbieter wie MTF, Steffen Informatik, Econis, Bison und die Swisscom machen den grossen internationalen Playern Konkurrenz. Operations/Managed Cloud Services: Der Schweizer Mittelstand geht nach langem Cloud-Zögern jetzt in die Vollen. Sehr beliebt sind vor allem 'Managed Cloud Services'. Software-as-a-Service (SaaS): Der grosse Durchbruch lässt kundenseitig noch auf sich warten. Skepsis und Unsicherheit sind immer noch weit verbreitet. Aber junge, innovative Firmen machen den Wettbewerb spannend. Infrastructure-as-a-Service (IaaS): Für viele Kunden ist Computing und Storage immer noch gleichbedeutend mit der Cloud schlechthin. Schweizer Kunden lieben insbesondere 'Managed Enterprise'- und 'Private Deployment'-Modelle. ************** Das Analystenhaus Experton hat insgesamt 200 Anbieter identifiziert, die auf dem Schweizer Markt Cloud-Technologien, Services und Transformationsdienstleistungen offerieren. 105 Anbieter wurden als relevant eingestuft und bewertet. Computerworld liegen exklusiv die Bewertungen der einzelnen Cloud-Anbieter vor, darunter IBM, die Swisscom, Bison ITS, Steffen Informatik, Bedag, Econis, AWS, Google und Deutsche Telekom. Schweizer Markt: Managed Private Cloud Stack Marktanteil Wachstum 2017 - 2018 SaaS58,7%19,7%IaaS22,5%18,3%PaaS18,8%15,5% Generell gilt: Der Schweizer Cloud-Markt wächst und wird dadurch für Anbieter zunehmend interessanter. Für 2016 beziffert Experton den 'Managed Private Cloud'-Markt auf 440 Millionen Franken. Je nach Marktsegment (IaaS, PaaS, SaaS) soll der Gesamtumsatz bis 2017 zwischen 15 und 19 Prozent anziehen.  Schweizer Markt: 'Public Cloud' Stack Marktanteil Wachstum 2017 - 2018 SaaS81,1%34,4%IaaS13,3%37,4%PaaS5,6%61,6% Noch wesentlich dynamischer geht es im Schweizer 'Public Cloud'-Markt zur Sache. Für 2016 prognostizieren die Analysten eine Umsatz von 816 Millionen Franken. Das Geschäft mit der Public Cloud soll bis 2017 stark wachsen: IaaS (37,4% Wachstum), PaaS (61,6% Wachstum) und SaaS (34,4% Wachstum). Swissness geht über Innovation Schweizer Anwenderunternehmen verstehen ihre IT immer häufiger als Produktionsfaktor, und die Cloud als Fundament zukunftsweisender Geschäftsmodelle und globaler Vernetzung. Auffallend für die Schweiz sei auf Anbieterseite aber der Fokus auf die 'reine Swissness', die es aus Sicherheitsgründen kaum erlaube, Rechenzentren ausserhalb der Schweiz zu betreiben oder an das eigene Netzwerk anzuschiessen, konstatieren die Experton-Analysten.  Das sei verständlich, berge aber auch eine grosse Gefahr. Schweizer Anbieter gehen das Risiko ein, an Innovationsgeschwindigkeit zu verlieren. Denn ICT-Trends kommen heute selten aus der DACH-Region. Der Blick über den Tellerrand ist deshalb unverzichtbar. Nächste Seite: Anbieter-Bewertungen im Detail Anbieter-Bewertung: Cloud-Transformation Im Marktsegment Cloud-Transformation zählt ein Kombi-Ansatz, bestehend aus Beratung und Integration mit bestehender ICT. Neben den technischen Herausforderungen spielen immer stärker neue Geschäftsmodelle und vor allem ein ausgeprägtes Verständnis für die Sicherheits- und Compliance-Anforderungen der Kunden im Vordergrund.  Neben den grossen Schwergewichten wie IBM, Deutsche Telekom und Atos positionieren sich auch viele lokale Anbieter als führende Transformationspartner im Schweizer Markt. Natürlich zählt dazu die Swisscom, aber auch viele kleinere Cloud-Anbieter wie UMB, MTF, Econis und Bison gehören dazu und adressieren verstärkt den Schweizer Mittelstand. Das sind die Stärken und Schwächen/Herausforderungen einige ausgewählter Schweizer Anbieter im Analystenurteil. Swisscom Stärken: Als grosser lokaler Anbieter geniesst die Swisscom in der Schweiz ein enormes Vertrauen und hat einen starken Kundenzugang auf CXO-Ebene. Die Analysten loben ausserdem die gute branchenspezifische Beratungskompetenz und die breiten CLoud-Integrationsfähigkeiten, mit Fokus auf SAP und den Finanzsektor. Vertrauen, Kundenzugang und Branchen-Knowhow sind die Stärken der Swisscom als Cloud-Transformationspartner. Swisscom Herausforderungen: Referenzen zu grossen Cloud-Transformationsprojekten sind nur schwer zu finden. Für global agierende Unternehmen sind zudem 'die begrenzten globalen Delivery-Fähigkeiten' der Swisscom von Nachteil. Nächste Seite: Cloud Transformation - so gut sind IBM, Deutsche Telekom und MTF IBM Stärken: IBM punktet mit einer sehr hohen Cloud-Beratungs- und Integrations-Kompetenz, geniesst eine ausgezeichnete Kundenzufriedenheit und gilt als 'Transformation Thought Leader'. Die IBM Consulting-Sparte ist in vielen Bereichen federführend und gehört in den Bereichen Technologie, Change Management, Prozess- und Branchen-Knowhow nach wie vor zur Weltspitze. IBM verfolgt seit Jahren eine Cloud-Akquise-Strategie (z.B. Bluebox, Gravitant, Cleversafe, The Weather Company) und hat eine starke Position im Schweizer Markt. IBM Herausforderungen: IBM steckt nach wie vor selbst in einem Transformationsprozess und ist damit beschäftigt, die eigene Software und die eigenen Services zu 'cloudifizieren'. Ausserdem besetzt IBM sehr viele Themen gleichzeitig, und die Cloud ist nur eines unter vielen. Alle Themen parallel zu spielen kann aber auch riskant sein. MTF Stärken: MTF bietet das komplette Cloud-Transformationsspektrum von der Konzeption über die Realisierung bis hin zum Betrieb von Cloud-Lösungen. Alle Dienste werden in der MTF Swiss Cloud bereitgestellt und werden somit ausschliesslich in Rechenzentren in der Schweiz betrieben. MTF hat in der Schweiz 13 Geschäftsstellen und 270 Mitarbeiter. MTF Herausforderungen: Consulting-Angebote rund um die wichtigen Querschnittsthemen Cloud-Sicherheit und Cloud-Analytics fehlen im Portfolio. Ausserdem wären weitere aktuelle, lokale Cloud-Referenzprojekte wünschenswert. Deutsche Telekom Stärken: Der Anbieter ist strategisch klar als Cloud-Transformationspartner positioniert und besitzt eine sehr hohe Cloud-Integrationskompetenz. Unter anderem das 'Un-Outsourcer'-Offering sorgt für eine ausgeprägt hohe Kundenzufriedenheit: Schweizer Kunden haben das Recht, ihren Vertrag jederzeit zu kündigen. Es gibt über 250 Cloud-Transformationsprojekte mit namhaften Referenzen in der Schweiz. Deutsche Telekom Herausforderungen: Weitere Partnerschaften mit Strategie-Beratern - wie jetzt mit der KPMG - sind empfehlenswert. Das 'Thought Leadership' sollte ausgebaut werden. Nächste Seite: Managed Services für den Schweizer Mittelstand Cloud Operations: Managed Services für den Mittelstand Generell gilt: Der Schweizer Mittelstand misstraut eher den grossen, internationalen Anbietern und möchte lieber von mittelständischen Managed Service Providern auf Augenhöhe bedient werden. Die Marktkategorie 'Managed Services für den Mittelstand' hat enorm an Relevanz gewonnen. Experton hat in zahlreichen Beratungsmandaten festgestellt, dass sich Schweizer Mittelständler Herausforderungen gegenübersehen, für die Cloud-Lösungen gut geeignet sind. Oft bieten sich hybride Modelle an. Allerdings fehlt Schweizer Kunden meist die Zeit und das Know-how, um eine hybride Lösung selbst zu betreiben. Diese Aufgabe können Managed Services Provider übernehmen. Einige ausgewählte Schweizer Dienstleistungsanbieter im Analystenurteil. Bison Stärken: Bison IT Services betreibt zwei eigene Rechenzentren in der Schweiz und hat - insbesondere mit hybriden Modellen - eine grosse Expertise. Bison offeriert individuelle Angebote, kooperiert mit Microsoft und wurde in der Schweiz mit dem Titel 'Microsoft-Partner des Jahres' ausgezeichnet. Bison Herausforderungen: Die zertifizierten Cloud-Partnerschaften sind noch ausbaufähig. Ausserdem wird der Vertrieb grösstenteils vom Key Account Management getragen, was die Erschliessung des Mittelstandes in der Breite erschwert. Econis Stärken: Econis hat sich in den letzten 20 Jahren als IT-Dienstleister mit 'Swissness' etabliert und kann entsprechend viele Kundenreferenzen im Schweizer Markt vorweisen. Das wird vom Mittelstand besonders geschätzt. Der Anbieter betreibt eigene Rechenzentren in der Schweiz und hält hohe technische Sicherheitsstandards ein (FINMA Compliance). Econis' kleine Schwäche: Der Anbieter unterhält keine Partnerschaft mit Amazon. Nächste Seite: Die besten Enterprise-Cloud-Anbieter (Hybrid) Managed Enterprise/Managed Private Cloud Das Marktsegment 'Managed Private Cloud' weist in der Schweiz einen hohen Reifegrad bei den Anbietern und ihren Services aus. 'Managed Private Clouds' sind in vielen Fällen die nächste Station von Outsourcing-Verträgen - der logische nächste Schritt. Da unternehmenskritische Workloads in die Hände des Anbieters gelegt werden, ist die langfristige Stabilität des Anbieters entscheidend.  'Enterprise Public Cloud'-Modelle und 'Managed Private Cloud'-Modelle stellen Infrastrukturleistungen wie CPU/Computing, Speicherkapazität, Sicherheits- und Netzwerkdienste als weitgehend standardisierte, nutzungsabhängig bepreiste Services bereit. Kunden können individuell konfigurieren. Als Bewertungskriterien dienten unter anderem individualisierbare SLA-Stufen, modulare Support-Modelle, 24/7-Betrieb, reaktionsschnelle Customer Services & Support sowie die Integration von Drittanbietern und Legacy-Plattformen. Steffen Informatik Stärken: Steffen Informatik ist seit 1989 am Markt und mit über 130 Mitarbeitern ein inhabergeführtes Schweizer Full-Service-Unternehmen. Der Anieter besitzt fünf Standorte und drei Rechenzentren in der Schweiz, inklusive Service-Desk-Lines mit End-to-End-Verbindungen zu seinen Kunden (MPLS via Sunrise). Steffen Informatik ist Partner von HPE, VMware, Synamtec, Trend Micro, IBM, Riverbed und Cisco und hat bereits mehr als 600 Schweizer Kunden in Cloud-Umgebungen überführt. Steffen Informatik Herausforderungen: Bislang fehlen Standorte ausserhalb der Schweiz und entsprechende Partnerschaften/Kunden im Enterprise-Segment. Internationale Grosskunden sind Mangelware, der Fokus liegt auf KMU. Der Fokus auf den lokalen Markt ist auf Dauer ein Wagnis. Es sollte zudem dringend Open-Source-Know-how aufgebaut werden. Nächste Seite: Swisscom oder Deutsche Telekom - wer ist besser? Swisscom Stärken: Swisscom unterhält vier grosse Rechenzentren und garantiert ihren Kunden lokale Datenhaltung und Betrieb in der Schweiz. Die zahlreichen Zertigizierungen (ISO200000, 14001, 27001, 90001) sind kaum zu übertreffen. Die sehr starken Datenbank-Services und die Partnerschaft mit Oracle sind einzigartig am Markt. Auch TCO-Berechnungen als Service sind vorhanden. Hinzu kommt ein herausragendes Service Management für Enterprise Kunden, die mit Swisscom einen Fall-Service-Provider vorfinden, der insbesondere hybride IT-Landschaften beherrscht.  Swisscom Schwächen: Die Abrechnungsmodelle könnten überarbeitet und an neue Kundenanforderungen angepasst werden. Ausserdem sind die Container-Kompatibilität und die IaaS-Automatisierung noch verbesserungswürdig. Zudem ist die Kommunikation über zahlreiche Fachabteilungen nicht optimal und kann Kunden Zeit und Nerven kosten. Deutsche Telekom Stärken: Die Deutsche Telekom bietet ein extrem grosses Angebot an Lösungen. Für End2End-Delivery sind eigene (software-definierte) Netze vorhanden. Das integrierte Identitätsmanagement sorgt in Kombination mit TÜV-Zertifikaten und ISO 27001, ISO20000, BS2577, BS9001 und BS22301 (Business Continuity) und zahlreichen Cloud-Allianzen für digitale Sicherheit, Die SLAs mit 'Time to Fix' von nur zwei Stunden sind im Wettbewerbsvergleich sehr gut. Deutsche Telekom Schwächen: Die landesübergreifende Standardisierung der Rechenzentren ist noch ausbaufähig. Trotz der Kooperation mit Microsoft sollte eine AWS-Partnerschaft eingegangen werden. Die 'Content Delivery Network Solutions' (CDN) - ein USP in Deutschland - spielen in der Schweiz keine Rolle. Nächste Seite: So gut sind IBM und Bedag Bedag Informatik Stärken (Managed Private Cloud): Bedag Informatik beschäftigt in der Schweiz 400 Mitarbeiter und konnte den Gewinn kontinuierlich steigern. Hinzu kommt das zertifizierte Know-how im SAP-Applikationsbetrieb. Das Service-Portfolio umfasst eine 'Managed Private Cloud' mit Backup Services und einem mehrsprachigen Service Desk. Bedag kann zahlreiche und namhafte Kundenreferenzen in den Märkten Cloud, Big Data und SOftware Development vorweisen. Der vergleichsweise hohe Automatisierungsgrad erlaubt Kunden zudem eine "relativ hohe Flexibilität". Bedag Informatik Herausforderungen: Die Awareness von Bedag im Schweizer Markt ist überschaubar. Zudem herrscht grosse Intransparenz über die Leistungen und die SLAs inklusive der Optionen für End-to-End-Delivery. Auf der technischen Seite gibt es Schwächen in Sachen Open-Source-Adaption, Containerisierung und beim hybriden und API-getriebenen Cloud-Management. IBM Stärken: IBMs PLattform besticht durch einen geringen Lock-in dank vieler offener Schnittstellen. Von der technischen Raffinesse (dank GTS) und den grossartigen Integrationsmöglichkeiten profitieren Grossunternehmen mit Legacy-Infrastrukturen und Third-Party-Anbieter. Das Delivery erfolgt aus der Schweiz; der Datentransfer über alle weltweiten IBM-Rechenzentren ist kostenlos.  IBM bietet hohe Performance und Uptime nach sehr granularen SLAs. Das Know-how und die Branchenkompetenzen für die Managed Services sind herausragend. IBM Schwächen: Die Performance in der 'Private Cloud' könnte laut einigen Kundenaussagen besser sein. Der KMU-Markt ist sehr von Microsoft Windows geprägt. Es fehlen bislang aber noch Bundles für KMU im 'Managed Enterprise Cloud'-Segment. Auch die Integration von Apps hat noch Luft nach oben. Nächste Seite: SaaS und Cloud Workspaces - das Ranking Software-as-a-Service: Skepsis und Unsicherheit Der Grossteil der Software-Anbieter hat bereits Software-as-a-Service-Angebote im Portfolio oder ist gerade dabei, sie einzurichten. Selbst Traditionalisten wie SAP, Oracle oder Sage mausern sich zu echten Cloud-Playern und modularisieren ihre Lösungen, auch um hybride Cloud-Szenarien leichter realisieren zu können. Grundsätzlich stehen Schweizer Anwender den SaaS-Angeboten jedoch kritischer gegenüber, als das in den USA oder in Deutschland der Fall ist. Kosteneinsparungen und Modernisierungsprozesse zwingen jedoch dazu, verstärkt die preisgünstigeren Cloud-Angebote in Betracht zu ziehen. SaaS - Cloud Workspaces (XaaS) Cloud Workspaces bieten den Desktop aus der Cloud. Der Anwender/Kunden muss sich um nichts mehr kümmern. Im Vergleich zum letzten Jahr konnten sich vier Anbieter im Leader-Quadranten behaupten: AWS, Bison, Swisscom und die Deutsche Telekom.  Zwei Anbieter haben im Jahresvergleich deutlich schlechter abgeschnitten: VMware und Colt. Colt musste sich, bedingt durch ein deutlich reduziertes Angebot, sogar aus dem Leader-Quadranten verabschieden. Mit Steffen Informatik und Econis konnten sich zwei weitere lokale Player im Product-Challenger-Quadranten positionieren. POrtfolio-Attraktivität und Schnelligkeit zahlen sich aus, denn Skaleneffekte verschaffen bei standardisierten Cloud Workspaces einen klaren Wettbewerbsvorteil. Während die Swisscom und die Deutsche Telekom sich als 'Vendor of Choice' vor allem bei Grosskunden durchsetzen konnten, haben im Mittelstand die Bison AG und AWS die Nase vorn. Natürlich wildert jeder Anbieter trotzdem nach Kräften auch in den jeweils anderen Marktsegmenten.


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