Parldigi-Dinner 2019 22.03.2019, 08:35 Uhr

Die Schweiz und der digitale Wahlkampf

Politiker kämpfen in diesem Jahr wieder um die Gunst der Wähler. Wird der Wahlkampf noch in der analogen oder schon in der digitalen Welt entschieden? Darüber wurde am diesjährigen Dinner der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit in Bern diskutiert.
Die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit lud im Berner Kornhauscafé zum alljährlichen Dinner
(Quelle: lp/Computerworld )
Das Wahljahr 2019 ist in vollem Gange: In den Kantonen Zürich, Luzern, Baselland, Appenzell Ausserrhoden und im Tessin werden bis Ende April die Regierungen und Parlamente neu gewählt. Im Herbst stehen dann die nationalen Wahlen an. Während Bahnhöfe bereits mit Wahlplakaten zugekleistert sind, werden auch fleissig Flugblätter verteilt und in die Briefkästen verteilt. Wie nebst dem analogen auch der digitale Wahlkampf geführt wird, das war Thema am diesjährigen Dinner der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit (Parldigi), das am Mittwochabend im Berner Kornhauscafé stattfand.
«Muss ich künftig nicht mehr morgens an den Bahnhof stehen und ‹Schöggeli› oder ‹Gipfeli verteilen›? Reicht es, wenn ich nur noch in den Sozialen Medien präsent bin? Muss ich endlich mal mein Instagram-Profil aufsetzen?», mit diesen Fragen stimmte Edith Graf-Litscher die mehr als 70 anwesenden Gäste auf den Anlass ein. Die Begrüssung des Publikums übernahm die SP-Nationalrätin und Co-Präsidentin von Parldigi, weil Franz Grüter – er teilt sich das Präsidium mit ihr – am Anlass nicht zugegen war. Nach der Einleitung übergab Graf-Litscher das Wort auch bald Fabrizio Gilardi, der erste Referent des Abends. Er ist Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich und Mitgründer des Digital Democracy Lab. Gilardi stellte den Gästen in seinem Referat vier Erkenntnisse zur Rolle von Sozialen Medien im Wahlkampf vor, die er aus verschiedenen Studien herauspickte. So fanden Forschende gemäss den Ausführungen des Professors unter anderem heraus, dass:
  • Fake News kein Massenphänomen sind, also im Grunde nur von einer Minderheit geteilt und von Durchschnittsusern verhältnismässig selten gelesen werden
  • Fake News vorwiegend von älteren und konservativ orientierten Personen geteilt werden
  • Fake News nicht mehr nur über Facebook, sondern mittlerweile gleichermassen auch über Google oder Twitter verbreitet werden
  • Die Wirksamkeit digitaler politischer Werbung auf Wahlentscheide grundsätzlich in Frage gestellt werden muss
Fabrizio Gilardi stellte einen Wahlkampfmonitor in Aussicht, der ab August wöchentlich vom Digital Democracy Lab publiziert werden soll
Quelle: lp/Computerworld
Gilardi merkte jedoch an, dass all diese Studien auf Daten aus den USA basieren. Untersuchungen zur Schweiz seien dagegen im Moment noch rar, sagte er. Eine Ausnahme stellt jedoch eine Auswertung zur Selbstbestimmungsinitiative dar: Aus dieser ging hervor, dass auch Schweizerinnen und Schweizer beispielsweise via Twitter über Politik debattieren, wie Gilardi erklärte. Und zwar hätten die Daten unter anderem gezeigt, dass Gegner der Vorlage aktiver twitterten als die Befürworter. Ausserdem sei die Debatte jeweils stark von der «Arena» des SRF angeheizt worden, so der kurze Einblick in die Auswertung. «Wir möchten nun noch mehr zur Situation in der Schweiz erfahren», erklärte Gilardi abschliessend. So stellte er in Aussicht, dass er mit seinen Kolleginnen und Kollegen des Digital Democracy Lab ab August 2019 einmal wöchentlich einen «DigDemEye» genannten Wahlkampfmonitor publizieren werde.


Das könnte Sie auch interessieren