25.04.2013, 10:00 Uhr

Razzia bei Huawei Schweiz

Bei Huawei Schweiz hat gestern eine Razzia stattgefunden. Neun Mitarbeiter wurden festgenommen, weil Verdacht auf illegale Tätigkeiten besteht. Zehn wurden verzeigt, weil ihre Arbeitsbewilligung abgelaufen war. Huawei wird angezeigt.
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Huawei-Schweiz-Chef Felix Kamer musste gestern eine Razzia in seinem Unternehmen mit ansehen. Updates folgen
Während mehrerer Stunden kontrollierten gestern Fahnder der Kantonspolizei Zürich und anderer Polizeistellen rund 230 Angestellte einer Firma in Dübendorf, schreibt die Kantonspolizei Zürich in einem Bulletin. Bei der Firma handelt es sich um Huawei Schweiz, wie Computerworld erfahren hat. «Wir können bestätigen, dass bei uns gestern eine Razzia stattgefunden hat», sagte eine Sprecherin von Huawei auf Anfrage. Bei der Durchsuchung wurden neun Personen festgenommen, die nicht im Besitz gültiger Arbeitsbewilligungen waren. Dazu wurden zehn Personen verzeigt, die länger in der Schweiz tätig waren, als es ihr Visum erlaubte. Bei den betroffenen Personen handelt es sich um Nicht-EU-Bürger.

Illegale Arbeit

Die Verhafteten, die sich gemäss Polizei eines Vergehens schuldig gemacht haben, werden im Anschluss an die polizeiliche Sachbearbeitungen der zuständigen Staatsanwaltschaft und später zur Prüfung ausländerrechtlicher Massnahmen dem Migrationsamt zugeführt. Auch Huawei wird wegen Verstössen gegen das Bundesegesetz über die Ausländerinnen und Ausländer angezeigt werden. Eine Stellungnahme von Huawei soll noch im Verlauf des Tages folgen.

Vorwürfe bewahrheiten sich

Dass Huawei illegal Arbeiter beschäftigt, wurde bereits im Februar von Huawei-Mitarbeitern angeprangert. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) ging damals den Vorwürfen nach, konnte bislang aber keine Beweise für die Anschuldigungen finden. «Wir sind noch am Prüfen, ob die damals angeforderten Dokumente korrekt sind» sagt Can Arikan, AWA-Sprecher, auf Anfrage. In die aktuelle Razzia ist das AWA aber ohnehin nicht involviert: «Wir wissen nichts von der Geschichte mit der Razzia.» Da stellt sich die Frage, wer denn den Auftrag gegeben hat. Das AWA will sich darüber von der Kantonspolizei aufklären lassen. Als das AWA im Februar die angekündigte Prüfung bei Huawei vornahm, konnten vor Ort keine Verfehlungen entdeckt werden. Allerdings kann das AWA nur die Mitarbeiter prüfen, die direkt von Huawei angestellt sind. Mitarbeiter, die über einen Zeitarbeitsfirma angestellt sind, fallen nicht in ihren Zuständigkeitsbereich. «Es besteht aus unserer Sicht keine Rechtsgrundlage, um diese Vermittlungsverträge der europäischen Vermittlungsagenturen einzusehen, auch nicht im Rahmen einer Kontrolle,» sagt Arikan. Handelt es sich bei den Festgenommenen also um Teilzeitangestellte? Weder Huawei noch die Kantonspolizei äusserten sich bisher weiter zur gestrigen Razzia. Lesen Sie auf der nächsten Seite: Statement von Huawei

Statement von Huawei

Mittlerweile hat sich auch Huawei zu den Vorwürfen geäussert. Das Unternehmen sagt, dass die Polizei 230 Personen kontrollierte und dabei feststellte, dass 18 Personen weiter untersucht werden müssen. Davon hätten 9 Personen eine Arbeitsbewilligung von einem EU Land und die Situation der weiteren 9 Personen müsse noch abgeklärt werden. «Um lokale Kompetenzen und Prozesse auszubauen, bekam Huawei Schweiz Unterstützung von Huawei Angestellten aus Europa und weltweit,» gibt das Unternehmen als Grund für die Einstellung der ausländischen Mitarbeiter an.  Zudem erklärt Huawei, mit den Behörden zu kooperieren und sichert ihnen volle Unterstützung zu. Und: « Huawei sieht diese Kontrolle als Gelegenheit das Office Management auszubauen um den gesetzlichen Bestimmungen und Anforderungen gerecht zu werden.»


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