08.06.2007, 11:27 Uhr

Hochqualifizierte fehlen überall

Dem Wirtschaftsaufschwung geht der Treibstoff aus: IT-Spezialisten sind trotz kompletter Personenfreizügigkeit Mangelware.
Den Hochschulen gehen die Informatikstudenten aus, den Unternehmen fehlen hochqualifizierte IT-Spezialisten.
Der aktuelle Informatikermangel hat nur einen Vorteil, nämlich dass kein IT-Spezialist zur Zeit mit einer Kündigung rechnen muss. Dramatisch ist die Situation dagegen für die Unternehmen. «Ihnen fehlen bis zu 3000 hochqualifizierte IT-Spezialisten», stellt Stefan Arn, Präsident des Branchenverbandes ICT-Switzerland, fest. Während es beispielsweise kein Prob-lem ist, Applikationsentwickler zu finden, sei der Mangel an Hochqualifizierten prekär. Spezialisten für Bankenprozesse sind genauso gesucht wie Java-Entwickler, IT-Architekten und Design-Experten.
Die komplette Personenfreizügigkeit, die seit Anfang Monat in Kraft ist, trage nichts zur Entspannung der Situation bei, sagt Arn. Der Standortvorteil Schweiz habe zwar nach wie vor einen gewissen Reiz, mache sich aber auf Ebene der hochqualifizierten IT-Spezialisten kaum bemerkbar. Die würden inzwischen europaweit umworben.
Doch während Unternehmen wie Credit Suisse, UBS, Novartis, Coop, Swisscom und SBB händeringend nach Informatikern suchen, behaupten Experten-Rekrutierer wie Hays, dass sich auch heute IT-Spezialisten finden lassen. Auf ihrer Schweizer Webseite sind zur Zeit 92 hochqualifizierte IT-Spezialisten gelistet. Also doch kein Mangel an IT-Spezialisten? Peter Kosel, Schweizer Chef von Hays, trumpft mit der Bedeutung des eigenen Expertenpools auf und verspricht, auch kurzfristig SAP-R3-Entwickler, Netweaver-Experten oder Java-Programmierer zur Verfügung stellen zu können. Zwar liegt der Projekteinsatz durchaus im Trend, ist aber kein neues Rekrutierungsmodell und wird auch in der Schweiz gerade bei grossen Unternehmen schon lange genutzt. Allerdings habe der hinter diesem Modell stehende Wechsel zwischen Festanstellung und freier Projektmitarbeit in der Schweiz - im Gegensatz etwa zu England - keine Tradition, erklärt Paul Brodmann, der seit 1972 mit der Firma CBA auf die Vermittlung von Führungs- und Fachkräften aller Berufe der Informatik und Telekommunikation spezialisiert ist. Unternehmen wie Mitarbeiter seien hierzulande auch im IT-Sekor eher an längerfristigen Anstellungen interessiert. Dass vor allem Grossunternehmen auf kurzfristige Projektunterstützung zurückgreifen müssen, sei aber ebenfalls dem Mangel an Spezialisten geschuldet - eine Ursache, die auch immer mehr Firmen zum Offshoring zwinge.


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