Ab in die Garage: Unternehmen im Start-up-Modus

Midor und die smarte Kühltruhe

Die Mode-2 Garage nahm im Juni letzten Jahres ihren Betrieb auf. Das erste Projekt startete SAP mit dem Guetzli- und Glace-Hersteller Midor. Das Ergebnis präsentierte das Projektteam auch an SAPs Hausmesse Campus in Basel, im Frühjahr dieses Jahres, wo das Projekt unter den Besuchern für Aufsehen sorgte. Fachleute von Midor und SAP arbeiteten in der Mode-2 Garage an einem Ansatz, Eistruhen quasi zu digitalisieren.
Etwa 4000 bis 5000 Kühltruhen hat Midor an seine Kunden verliehen. Allerdings ist unklar, ob und wie die Geräte genutzt werden. Manche Truhen stehen ungenutzt in Kellern oder kühlen andere Produkte als jene von Midor.
Die Idee bestand schliesslich darin, eine technische Lösung zu entwickeln, die hilft aufzuzeigen, an welchem Ort sich eine Kühltruhe befindet, welches Klima darin herrscht (also wie kalt es in der Truhe ist und welche Luftfeuchtigkeit in ihr herrscht) und welche Eissorten aktuell vorrätig sind. Auf diese Weise wäre auch nachvollziehbar, wo sich die Eistruhen befinden, ob diese überhaupt an­geschlossen sind, ob versehentlich die Türe offen gelassen wurde und wann Eis nachbestellt werden muss.

Der Endkunde muss involviert werden

Für die Projektplanung lud man auch einen Badi-Betreiber ein, denn letztlich sind Freibäder eine der Hauptzielgruppen der Kühltruhen. In der Diskussion zeigte sich, dass die Zielgruppe an der ausgedachten Lösung wenig interessiert ist.
Ein Mehrwert sei aber, Vorschläge für Eissorten zu bekommen, die wirklich gut laufen – etwa ein Benchmark über alle Schwimmbäder hinweg, auf dessen Basis Empfehlungen für das Sortiment abgegeben werden. Das Interview mit dem Endkunden von Midor war ein wichtiger Teil des Design-Thinking-Workshops, denn nur durch die ausführliche Diskussion mit einem Vertreter der Zielgruppe liess sich herausfinden, ob die Idee einer smarten Eistruhe bei den Kunden auch wirklich ankommt.

Die schlaue Kühlbox

Doch wie vermittelt man einem IT-System, dass in einer Badi jemand ein Schoggi-Glace aus einer bestimmten Kühltruhe herausgenommen hat? Hierfür zog das Projektteam einige technische Register: Wenn ein Kunde ein Eis aus der smarten Kühltruhe nimmt, registriert das ein Bewegungsmelder und eine Kamera knipst fünf Bilder, die dazu dienen, die Eissorte zu identifizieren.
Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren registrieren, wenn es wärmer und feuchter wird, die Indizien dafür, dass die Türen der Kühlbox offen stehen. Zusätzlich gibt ein GPS die Geodaten in die Cloud weiter. Für die Entwicklung des Prototyps beschränkte sich das Team auf drei Eissorten. Mit gerade einmal Hundert Bildern trainiert, lag die Erkennungsquote der entnommenen Eissorten bereits bei 84 Prozent. Zudem entwickelte das Projektteam ein Dashboard, auf dem Infos zur Eistruhe übersichtlich dargestellt werden.
Ein Badi-Betreiber ist dadurch immer auf dem aktuellen Stand, was verkauft wurde und welches Eis nachbestellt werden muss. «Je mehr Kunden den Service nutzen, desto wichtiger wird auch die Analyse», erläutert Kölsch, womit sich etwa über Benchmarks herausfinden lässt, welche Eissorten sich am besten verkaufen.


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