Swico-Chefin und GLP-Nationalrätin 29.06.2020, 06:00 Uhr

«Für die ICT ist die Corona-Krise ein Sprungbrett»

In ihrem ersten Amtsjahr als Geschäftsleiterin des ICT-Verbands Swico musste Judith Bellaiche grosse Herausforderungen meistern. Im Interview spricht sie über Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die ICT-Branche, Erfolge in der Politik und aktuelle Projekte bei Swico.
Judith Bellaiche steht seit gut einem Jahr dem ICT-Branchenverband Swico vor
(Quelle: Christian Burger)
Judith Bellaiche hat im Mai 2019 die Leitung des Wirtschaftsverbands der ICT- und Online-Branche, Swico, von Jean-Marc Hensch übernommen. Seither ist viel geschehen. Bei den nationalen Wahlen letzten Herbst wurde sie für die Grünliberale Partei in den Nationalrat gewählt. Diesen Frühling kam die Corona-Pandemie – ein Schock für die Wirtschaft und die Gesellschaft. Im Interview erzählt Bellaiche vom Umgang mit der Krise auf der Polit-Bühne und im Verbandsumfeld. Zudem spricht die Politikerin und Managerin über ihren Einsatz im Parlament für Start-ups sowie über ihre Pläne, wie sie Swico zum digitalen Vorreiter unter den Schweizer ICT-Verbänden machen will. 
Computerworld: Frau Bellaiche, Sie haben ein bewegtes erstes Amtsjahr als Swico-Chefin hinter sich. Wie haben Sie dieses erlebt? 
Judith Bellaiche: Es war tatsächlich sehr anspruchsvoll. Man könnte fast sagen, die Ereignisse haben sich überschlagen. Nur ein paar Monate, nachdem ich den Job ­übernommen hatte, wurde ich in den Nationalrat gewählt. Die beiden Mandate zeitlich und inhaltlich zu kombinieren, das war eine Herausforderung. Es galt, Sy­nergien zu finden und das Netzwerk aufzubauen. Nun passt doch alles sehr gut zusammen. Durch das Amt im Nationalrat erhalte ich Einblick in bestimmte Prozesse – ein aktuelles Beispiel ist die Einführung der Corona-Tracing-App. Dank dieser konnten wir uns als Industrie positionieren und präsentieren. Es gab generell sehr viele Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte, die Industrie einzubringen. 
CW: Und dann kam noch die Corona-Pandemie. Welche Herausforderungen galt es, bei Swico zu meistern? 
Bellaiche: Man könnte meinen, dass wir als IT-Verband sowie auch unsere Mitglieder schon komplett digital unterwegs sind. Entgegen den Erwartungen brauchten allerdings auch wir eine kurze Anlaufzeit. Immerhin hatten wir einen Vorsprung, denn bei uns waren schon alle für das Arbeiten im Home Office ausgerüstet. Schwieriger war die Abstimmung mit unseren Mitgliedern, etwa bezüglich der Kommunikations-Tools. Die einen durften Zoom oder Microsoft Teams nicht verwenden und die Bundesverwaltung setzte sowieso nur Skype ein. Hier musste der Betrieb erst wieder in die Gänge kommen. Danach war ich aber beeindruckt, wie gut alles funktionierte. Wir mussten praktisch keine Sitzungen oder Meetings unserer Fachgruppen absagen. Zu Beginn dauerten diese zwar etwas länger, mittlerweile sind sie aber oftmals sogar kürzer und effizienter geworden. Auch im Parlament stellten wir auf den papierlosen Betrieb um. Plötzlich ging, was wir jahrelang gefordert haben – anscheinend aber bislang nicht möglich war. 
CW: Also hat die Krise insofern den nötigen Anstoss zur Umstellung gegeben … 
Bellaiche: Es mangelte einfach an Alternativen. Wir hatten keine Wahl und mussten uns an die Instrumente gewöhnen. 
CW: In einem Interview sagten Sie, dass in der Politik in Sachen Digitalisierung «breit angelegte Mutlosigkeit» herrscht. Hat sich das jetzt geändert? 
Bellaiche: Nein, der Mut fehlt nach wie vor. Aber jetzt sind wir immerhin einmal dazu gezwungen worden. Und das ist vielleicht auch gut so. 
CW: Letzten Herbst wurden Sie in den Nationalrat gewählt. Inwiefern konnten Sie sich dort bereits einbringen? 
Bellaiche: Besonders in den parlamentarischen Gruppen konnte ich mich einbringen und den überparteilichen Kontakt pflegen, um gewisse Themen voranzubringen. Das funktionierte jetzt beispielsweise bei der Corona-Tracing-App sehr gut. 
CW: Sie haben sogar eine eigene parlamentarische Gruppe gegründet … 
Bellaiche: Ja, mit Andri Silberschmidt teile ich mir das Präsidium der überparteilichen parlamentarischen Gruppe Start-ups und Unternehmertum. Am Dienstag vor dem Lockdown konnten wir diese im Parlament gerade noch rechtzeitig gründen. 
CW: Nach dem Lockdown mussten Start-ups vergleichsweise lange auf für sie passende Unterstützung warten. Was haben Sie unternommen, um ihnen zu helfen? 
Bellaiche: Als der Rettungsschirm vorgestellt wurde, realisierten wir, dass man dort mit Kennzahlen arbeitet, die für Start-ups nicht anwendbar sind. Schliesslich setzen Jungunternehmen auf ganz andere Wachstumszahlen als Umsatz und Gewinn. Deshalb verfassten wir sofort ein erstes Schreiben an den Bundesrat, fanden aber zunächst kein Gehör. Wir reichten noch ein zweites nach und konnten dann endlich ein Gespräch mit der Bundesverwaltung führen, in dem wir uns für die Jungunternehmen stark machten. 
CW: Weshalb ging man beim Bund nicht schon zu Beginn auf die Bedürfnisse von Start-ups ein? 
Bellaiche: Die Verantwortlichen hatten schlichtweg nicht auf dem Radar, wie das Start-up-Ökosystem funktioniert. Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass ohne unsere Intervention in dieser Hinsicht gar nichts passiert wäre. Wir haben nun dafür gesorgt, dass das Thema in Zukunft nicht einfach unter den Tisch gekehrt wird. Unterdessen suchte bereits die Agentur für Innovationsförderung, Innosuisse, das Gespräch mit uns. Und immerhin ist jetzt auch klar, dass Corona-Kredite für Start-ups in Eigenkapital umgewandelt werden können – sofern die Banken damit einverstanden sind. Da Jungfirmen normalerweise mit Investitionsrunden statt Krediten arbeiten, war die Situation bislang nicht optimal für sie. Erfreulich ist ausserdem, dass nun anscheinend auch die Investoren wieder in die Gänge kommen. Darum werden wohl die Kredite gar nicht ausgeschöpft. 
CW: Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der Krise auf das Start-up-Ökosystem? 
Bellaiche: Ich gehe nicht davon aus, dass es einen bleibenden Schaden davontragen wird. Wahrscheinlich werden einige Bereiche noch ordentlich durchgerüttelt, beispielsweise die ganzen Sharing-Angebote. Dort sehe ich aber eher ein Nachfrageproblem. Punkto Finanzierung sind wir mit der ergänzenden Unterstützung nun besser aufgestellt. 
CW: Wie fällt generell das Feedback zur parlamentarischen Gruppe Start-ups und zum Unternehmertum aus? Werden Sie überhäuft mit Anliegen, die Sie im Parlament diskutieren könnten? 
Bellaiche: Ja, Andri und ich werden dauernd angeschrieben. Man muss einfach wissen, dass wir uns für bessere Rahmenbedingungen einsetzen und nicht für einzelne Start-ups. Aber auch Anfragen zu übergeordneten Anliegen flattern bei uns ständig rein. Es sind oftmals dieselben. Die Rahmenbedingungen zur Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten sind beispielsweise ein absoluter Dauerbrenner, aber auch grosse Investitionen in der Wachstumsphase von 20 bis 100 Millionen Franken. Letztere sind hierzulande noch nicht richtig etabliert. 
CW: Wie steht es um die Resonanz im Parlament? 
Bellaiche: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Themen werden nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen, aber mit etwas Hartnäckigkeit werden wir Fortschritte machen. 
Zur Person
Judith Bellaiche
ist Geschäftsführerin von Swico, dem Wirtschafts­verband der Schweizer ICT- und Online-Branche. Ihre politische Karriere bei der Grünliberalen Partei startete sie als Gemeinde­rätin in der Exekutive der Gemeinde Kilchberg ZH. Danach vertrat sie die GLP während mehr als acht Jahren im Zürcher Kantonsrat. 2019 schaffte sie schliesslich den Sprung auf das nationale Polit-Parkett. Berufserfahrung sammelte Bellaiche in der Finanzdienstleistungs­industrie, zudem gründete sie ihr eigenes Event-Mana­gement-Unternehmen. Sie hält ein Lizenziat der juristischen Fakultät der Universität Basel und erwarb 2017 einen Executive MBA in General Management der Universität St. Gallen.

Covid-19 beschäftigt Politik und ICT-Branche

CW: Anfang bis Mitte Juni fand die Sommersession statt. Welches politische Thema beschäftigte Sie am meisten? 
Bellaiche: Natürlich die Corona-Tracing-App – darauf habe ich mich wirklich gefreut. Sie ist ein Vorzeigeprojekt für die Digitalisierung im Parlament. Schliesslich kommt es nur sehr selten vor, dass man über ein digitales Produkt, über etwas so Konkretes abstimmen kann. 
CW: Wie nahmen Sie den Prozess rund um die App wahr? Hätten Sie sich eine raschere Einführung gewünscht? 
Bellaiche: Wir handelten aus meiner Sicht richtig, zuerst eine saubere Grundlage zu schaffen. Denn aus dem öffentlichen Diskurs konnte man herauslesen, dass die Technik zwar wichtig, die Rahmenbedingungen aber noch viel zentraler sind. Wenn die Bevölkerung ein schlechtes Bauchgefühl hat, entweder aus Angst vor staatlicher Über­wachung oder einem möglichen Lohnausfall, dann gilt es, das erst zu klären. Deswegen hat es sich gelohnt, diese Grundlagen auszuarbeiten. 
CW: Ansonsten droht dieselbe Situation wie in den USA mit den aktuellen Demonstrationen. Dort fehlen nach wie vor Gesetze, die Strafverfolgungsbehörden den Zugriff auf Daten untersagen, die von Contact-Tracing-Apps erhoben werden … 
Bellaiche: Das Problem dabei ist, dass dadurch ein all­gemeines Misstrauen in die Technik befeuert wird. Hierzulande haben wir ohnehin eine relativ hohe Technologie­skepsis. Deshalb war es mir sehr wichtig, die App auf ein gutes Fundament zu stellen, damit die Angelegenheit nicht nach hinten losgeht. Es zeigt sich, dass ein Projekt technisch noch so einwandfrei sein kann: Am Ende sind aber dennoch die Rahmenbedingungen und die Transparenz entscheidend für die Akzeptanz von digitalen Hilfsmitteln.
CW: Inwiefern konnten Sie sich in den Diskurs rund um die Einführung der Swiss-Covid-App einbringen?
Bellaiche: Via Twitter wurde die Thematik etwa breit diskutiert. Dort schalteten sich jene ein, die sehr skeptisch gegenüber der Datensammlung sind, aber auch solche, die ein Obligatorium fordern. Aufgrund der Meinungsvielfalt war dieser Kanal für mich sehr wichtig – wie auch die Medien. Ein Interview, das ich einer Tageszeitung gab, löste etwa ein recht grosses Echo aus. Und nicht zuletzt gelang es unserer Fraktion, meinungsbildende Elemente einzubringen.
CW: Schwenken wir zur ICT-Branche. Anfang Jahr standen gemäss dem von Swico publizierten ICT Index noch alle Zeichen auf Wachstum. Dann kam der Corona- bedingte Absturz. Wie hat die Branche darauf reagiert? 
Bellaiche: Im April lief es ganz schlecht. Allerdings muss man die Situation im Kontext des Lockdowns betrachten. Da sind alle ins Schwimmen gekommen und wussten nicht, wie lange dieser anhalten wird. Und nicht zuletzt ist der Swico ICT Index ein Prognose-Instrument, ein Stimmungsbarometer. Und im April war die Stimmung einfach sehr schlecht. Bei vielen Verbandsmitgliedern riefen wir persönlich an. Sie berichteten uns von abgesagten Sitzungen und Akquisitionsterminen sowie Pitches, die nicht mehr möglich waren. In dem Kontext ist der Absturz auch zu lesen. Im Mai gab es dann bereits eine Erholung (siehe Kasten; Anm. d. Red.). Die Infektionswelle flachte langsam ab, die Leute schöpften Hoffnung und wurden optimistischer.
CW: Seit April wird der Swico ICT Index monatlich pu­bliziert, vorher nur quartalsweise. Weshalb?
Bellaiche: Im Lockdown entschieden wir uns sofort dafür. So erhalten unsere Unternehmen sehr früh eine Indikation über eine mögliche Erholung. Und momentan sind ja auch mehr Fachkräfte auf dem Markt. Wenn man dann das Geschäft wieder ankurbeln will, hat man so die Möglichkeit, schnell zu reagieren. 
CW: Wie kamen eigentlich die Lockdown-Massnahmen in der Branche an? 
Bellaiche: Diesbezüglich erhielten wir einige Beschwer- den – vor allem von kleineren Unternehmen. Aber insgesamt war das Verständnis vorhanden. Einerseits ist die Umstellung auf Home Office in unserer Industrie vergleichsweise niederschwellig und andererseits war dieser Weg allen lieber, als noch mehr Infektionen zu riskieren. Allerdings drängten unsere Mitglieder auf eine möglichst schnelle Öffnung. Glücklicherweise dauerte der Lockdown nun doch weniger lange an, als man ursprünglich befürchtet hatte. Schliesslich rechnete man zunächst noch mit einem Peak Ende Mai. In Kombination mit dem Kurzarbeitssystem können die Unternehmen so nun wieder aufs Gaspedal drücken. Wir rieten deshalb auch allen, dieses Angebot zu nutzen. 
CW: Inwiefern wirkte sich die Corona-Krise auf die Tätigkeit von Swico aus? 
Bellaiche: Im Verbandsumfeld gab es unterschiedliche Reaktionen. Einige wurden plötzlich ganz ruhig, wir machten das Gegenteil. Unter anderem erhöhten wir unsere Mailings, stellten mehrmals pro Woche News zu diesem Thema auf unsere Homepage und boten den Mitgliedern an, uns zu kontaktieren. Das wurde sehr geschätzt. 
Swico ICT Index
Die Branche blickt wieder hoffnungsvoll nach vorne
Die Corona-Krise hat man in der Schweizer ICT-Branche noch nicht verdaut. Aber allmählich geht es wieder bergauf. So rechnet die Branche für die kommenden drei Monate erneut mit einer Verbesserung der Lage, wie der jüngste Swico ICT Index zeigt. Er misst die Konjunkturaussichten der Schweizer ICT-Branche. Im Juni 2020 liegt der ICT Index bei 83,5 Punkten. Im Vergleich zum Mai und April kletterte dieser um rund 7 respektive 17 Punkte. Damit liegt er zwar nach wie vor unter der Wachstumsgrenze von 100 Punkten, nähert sich dieser aber schrittweise an. 
Den markantesten Anstieg verzeichnen gemäss dem ICT Index die Segmente «Consumer Electronics» (75 Punkte/+30,3) und «Imaging/Printing/Finishing» (61,6 Punkte/+22,3). In der IT-Branche kratzt das Segment «IT-Services» (95,2 Punkte/+11,8) schon fast an der Wachstumsgrenze. Aufwärts geht es auch in den Bereichen «Software» (85,3 Punkte/+6,9) und «Consulting» (83,7 Punkte/+6,6). Verhältnismässig langsam verbessern sich die Aussichten im Segment «IT- Tech­nology» (64,1 Punkte/+3,3). Denn trotz allem verunsichert Covid-19 die ICT-Branche laut Swico weiterhin. Man kämpfe nach wie vor mit Kundenakquise, Projekt­verzöge­rungen und -stopps sowie einer geringeren Nachfrage.

Projekte bei Swico

CW: Womit beschäftigen Sie sich aktuell bei Swico? 
Bellaiche: Wir haben zum Beispiel soeben eine neue Fachgruppe, den «Digital Ethics Circle», ins Leben gerufen. Und zwar weil sich das Thema Ethik im Kontext der digitalen Transformation einfach nicht mehr wegdiskutieren lässt. Gerade eben kam es in den USA auf, als plötzlich IT-Konzernen wie IBM oder Microsoft der Einsatz ihrer Gesichtserkennungs-Software bei Protesten zu weit ging und sie den Behörden Schranken setzten. Das finde ich stark. In der Fachgruppe wollen wir nun ein praxisorientiertes Angebot von Mitgliedern für Mitglieder bereitstellen. Wir peilen praktische Handlungsanweisungen an, wie man sich auf nicht  theoretischer Ebene mit diesem Thema auseinandersetzen kann, um allenfalls Anpassungen in der internen Organisation vorzunehmen. Was wir einfach verhindern wollten, ist, ein Jahr lang an einem neuen Zertifikat oder Kodex zu werkeln, der dann sowieso schnell wieder überholt ist. 
CW: Wie sieht die Zusammensetzung dieses Circles aus? 
Bellaiche: Im «Digital Ethics Circle» sitzen etwa Google, IBM und Microsoft. Wir legten aber Wert darauf, dass nicht nur die grossen Tech-Konzerne dabei sind, sondern zum Beispiel auch Web-Agenturen und App-Schmieden. Denn gerade in der Kundenschnittstelle ist das Thema Ethik sehr relevant. So konnten wir ein Portfolio von Kompetenzen zusammenstellen, das unter anderem die Bereiche User Experience, Entwicklung, Algorithmen oder auch künstliche Intelligenz abdeckt. Insgesamt sind wir in dieser Fachgruppe neun Personen. Wir hielten den Kreis absichtlich klein, um agil zu bleiben und «die PS auf den Boden zu bringen». 
CW: Was änderte sich bei Swico seit Ihrem Start vor etwas mehr als einem Jahr? 
Bellaiche: In der Zwischenzeit probierten wir als Verband schon viel Neues aus. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung will ich bei uns generell die Experimentierfreude fördern – dass man etwas ausprobiert, auch wenn man sich nicht ganz sicher ist, wie das Echo ausfallen wird. So steht nun unsere erste digitale Generalversammlung an, für die ich mich starkgemacht habe. Ich dachte mir: Wir können doch nicht der Verband der Digitalisierer sein und diese dann schriftlich durchführen [lacht]. Wir waren zwar zunächst skeptisch, ob sich die Mitglieder überhaupt anmelden, wenn sie sowieso schon den ganzen Tag am Bildschirm sitzen, erhielten nun aber so viele Anmeldungen wie noch nie zuvor. 
“Wir können doch nicht der Verband der Digitalisierer sein und dann unsere GV schriftlich durchführen„
Judith Bellaiche
CW: Worauf führen Sie das grosse Interesse zurück? 
Bellaiche: Vielleicht liegt es daran, dass man sich nun nicht den halben Tag freinehmen muss, sondern sich einfach kurz zuschalten kann. Dann ist sicherlich auch eine Portion Neugierde mit dabei. Die Leute sind interessiert, ob und wie wir die digitale Generalversammlung über die Bühne bringen. Natürlich bin ich jetzt etwas nervös und hoffe, dass alles klappen wird. Aber das Echo ist wirklich grossartig. Alle scheinen sich zu freuen, dass wir trotz allem etwas auf die Beine stellen konnten. Und genau solche Dinge will ich auch künftig vorantreiben, sodass wir diesbezüglich unter den Digital-Verbänden die Speerspitze bilden werden. 
CW: Was nehmen Sie sich für Ihr zweites Jahr als Swico-Chefin vor und welche Ziele haben Sie sich gesetzt? 
Bellaiche: Was uns momentan unverhältnismässig stark beansprucht, ist die laufende Revision der VREG (Ver­ordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Ent­sorgung von elektrischen und elektronischen Geräten; Anm. d. Red.). Dafür verwenden wir einen grossen Teil unserer Ressourcen. Mein Ziel ist es, diese auf einen guten Weg zu bringen. Wenn mir das nur halbwegs gelingt, dann bin ich schon sehr froh.
Betonen möchte ich schliesslich noch, dass Swico ein sehr agiler Verband ist. Wir verfügen über einen Gestaltungsspielraum, mit dem wir uns absetzen können. Und mit unseren Mitgliedern pflegen wir eine sehr dynamische Grundhaltung. Ich bin überzeugt, dass wir mit ihnen noch grosse Sprünge machen können. Es liegen so viele Möglichkeiten vor uns, die Digitalisierung in die Öffentlichkeit und die Politik zu tragen. Da hilft uns sicherlich auch die Situation der letzten Monate. Denn jede Krise ist letztlich auch eine Chance. Für die ICT ist die Corona-Krise ein Sprungbrett. Ich hoffe, dass alle unsere Mitglieder das auch so sehen und mit uns an einem Strang ziehen, damit sich die Branche schnell wieder aufrappelt und sich nachhaltig positioniert.
Zur Firma
Swico
ist der Wirtschaftsverband der Schweizer ICT- und Online-Branche. Er vertritt die Interessen etablierter Unternehmen und von Start-ups in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Gegründet wurde Swico im Jahr 1940. Heute zählt der Verband über 650 Mitglieder, die insgesamt rund 56 000 Mitarbeitende beschäf­tigen und jährlich einen Umsatz von 40 Milliarden Franken erwirtschaften. Vertreten sind Unternehmen aus den Bereichen Hardware, Software, Hosting, IT-Services, Consulting, Heimelektronik, Digitalmarketing und -kommunikation sowie auch solche aus der Foto-, Film- und Druckbranche.


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