Gründung Microsoft Schweiz 12.07.2019, 11:33 Uhr

«Gates rief mich an»

Microsoft Schweiz wird dieses Jahr 30 Jahre alt. Die Niederlassung war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte, berichtet der erste Landesgeschäftsführer Peter A. C. Blum im Interview.
Peter A. C. Blum übernahm als erster General Manager die Leitung von Microsoft Schweiz
(Quelle: Mark Schröder )
Die Schweizer Niederlassung von Microsoft feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung war Peter A. C. Blum, der anschliessend auch als General Manager bei Microsoft Schweiz tätig war. Eine weitere treibende Kraft war Microsoft-Mitgründer Bill Gates, berichtet Blum im Interview.
Computerworld: Wie kam es vor 30 Jahren zur Gründung der Schweizer Niederlassung von Microsoft?
Peter Blum: Ich war 1989 schon zehn Jahre im Schweizer Software-Markt tätig. Mit meiner Firma Computer-Terminal entwickelten wir Software für Banken und Unternehmen. Durch meine Tätigkeit in diesem Markt war ich aufmerksam auf Microsoft und ihre Produkte geworden. Mein ursprünglicher Plan war, meine Firma zum General-Distributor für die Schweiz zu entwickeln. Zu diesem Vorhaben verfasste ich ein 100-seitiges Vertriebskonzept. Das Dossier adressierte ich an Bill Gates, der mich rund eine Woche später anrief. Zunächst war ich perplex, denn er lud mich unumwunden nach Redmond ein. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings in der Schweiz in Geschäfte involviert, sodass ich ihn noch weitere drei Monate warten liess. Dann reiste ich aber für das einstündige Gespräch nach Redmond. Letztendlich sprachen wir zuerst zwei Stunden über das Vertriebskonzept, was Gates sehr gut gefiel. Allerdings wollte er nicht nur einen Distributor verpflichten, sondern mich mit dem Aufbau von Microsoft Schweiz beauftragen. Mein Einwand, ich hätte eine gut gehende Firma mit acht Angestellten, interessierte ihn nicht sonderlich. Da wir zunächst zu keiner Einigung kamen, plauderten Gates und ich weitere vier Stunden unter anderem über eine gemeinsame Leidenschaft: Autos und Oldtimer. Nach drei oder vier Monaten Bedenkzeit meinerseits waren wir uns dann doch in der Gründungsfrage einig. Per 1. Juli 1990 eröffnete ich Microsoft Schweiz.
CW: Wer waren Ihre ersten Kunden in der Schweiz?
Blum: Das waren Distributoren: Also Schweiz, Computer 2000 und später Wyrsch Trading. Mit ihnen baute ich das Wiederverkaufsnetz in der ganzen Schweiz auf. In den folgenden zehn Jahren waren wir sehr erfolgreich.
CW: Wie haben Sie die Entwicklung von Microsoft zum Marktführer in den 1990ern erlebt – oder gestaltet?
Blum: Der Zeitraum zwischen 1990 und 1997 war im deutschsprachigen Raum vom Aufbau geprägt. Die Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien existierten bereits. Neu kam die Schweiz hinzu. Wir wurden aus einem Grosslager in Deutschland beliefert, in dem ein Microsoft-Angestellter noch einen Lederjackenhandel betrieb. Für den Nebenerwerb wurde das Lager bald zu klein, sodass sich der Kollege einen anderen Platz suchen musste. In den Anfängen war das Geschäft mit Microsoft-Produkten ein reines Wiederverkaufsgeschäft. Einen Direktvertrieb gab es damals noch nicht. Entsprechend war die Schweizer Organisation zuerst ein Verkaufsteam. Später kamen noch Schulungen und die Entwicklung eigener Lizenzmodelle hinzu. Bis 2001 wuchs Microsoft in der Schweiz auf ca. 250 Mitarbeiter, in Österreich auf 150 und in Deutschland auf rund 1000. Insgesamt wurde in den drei Ländern ein Umsatz in Höhe von etwa 1,6 Milliarden Franken erwirtschaftet.
CW: Gab es ein bemerkenswertes oder kurioses Ereignis während Ihrer Jahre bei Microsoft Schweiz?
Blum: Ja, durchaus. Als Bill Gates 1995 die Schweiz besuchte, landete sein Flugzeug in Bern Belp. Ich bot an, ihn abzuholen. Allerdings realisierte ich, dass im Ankunfts­terminal sicher 50 Journalisten warteten, die auf ein Foto oder ein Statement von Gates hofften. Also bat ich den Fahrer, an das Ende der Landepiste zu steuern, wo niemand wartete und Gates unbehelligt zusteigen konnte. Dann fuhren wir in die Berner Innenstadt zum Bundeshaus, in dem wir mit Bundespräsident Kaspar Villiger, weiteren Politikern und Journalisten verschiedene Meetings hatten.


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