21.06.2016, 13:20 Uhr

Schweizer Kader sehen Digitalisierung positiv

Die Führungskräfte von Schweizer Unternehmen beurteilen die Digitalisierung mehrheitlich positiv. Sie rechnen aber auch mit einer nachhaltigen Veränderung der Arbeitswelt.
Die Digitalisierung der Wirtschaft wird von einer grossen Mehrheit der Schweizer Führungskräfte als positiv angesehen. Satte 90 Prozent sehen in dem Wandel für sich persönlich mehrheitlich Chancen. Nur 5 Prozent erachten die Digitalisierung für sich als Gefahr. Das sind Ergebnisse des «Hitchman Executive-Panels» der Zürcher Personalberatung Roy C. Hitchman. Chairman Roman Huber und seine Kollegen haben 283 Schweizer Führungskräfte befragt.
Für die Schweizer Unternehmen sind die Aussichten nicht ganz so positiv. Nur 73 Prozent glauben, dass die Digitalisierung den Geschäftserfolg steigern wird. 17 Prozent erwarten, dass ihr Unternehmen unter Druck geraten wird, und 2 Prozent rechnen mit markanten Einbussen. Die übrigen 8 Prozent vermuten, dass die Digitalisierung keine Auswirkung auf ihre Geschäfte hat. 
Sowohl die Geschäftsleitung als auch der Verwaltungsrat sind gefordert, die Unternehmen durch den Wandel zu steuern. Hinsichtlich der Digitalisierungsaffinität respektive -kompetenz der Führungsgremien herrschen aber eher Zweifel: 60 Prozent sind der Meinung, dass die Geschäftsleitung für die Digitalisierung bereit ist, nur 51 Prozent trauen dem Verwaltungsrat den Wandel zu. Allerdings sind 69 Prozent der Meinung, dass der Verwaltungsrat digitale Kompetenz braucht. «Digitalisierung muss Chefsache sein, da das Thema massive strategische Anpassungen nötig macht», sagt Huber. So liesse sich beispielsweise fragen, ob mit dem selbstfahrenden Auto der öffentliche Personenverkehr in der heutigen Form überleben wird. Insbesondere der Finanzplatz Schweiz sollte abklären, ob es für das Banking noch Banken respektive Banker braucht. Die Geschäftsmodelle der Schweizer Institute stünden auf dem Prüfstand und neue Player würden sich ein gutes Stück vom Kuchen abschneiden, so Huber. Nächste Seite: neue Skills für Digitalisierung Die Schweizer Gesamtwirtschaft wird sich durch die Digitalisierung stark wandeln. Auf die Frage, wie die Digitalisierung die Arbeitswelt im Jahr 2025 verändert haben wird, antworten 58 Prozent mit «nachhaltig». Diese knappe Mehrheit geht davon aus, dass sich jeder dritte Job verändern wird. 25 Prozent sind der Meinung, dass die Veränderungen «massiv» sein werden und sich sogar jeder zweite Job verändern wird. Über 90 Prozent befürchten, dass sich nicht alle Schweizer Unternehmer sowie Arbeitnehmer anpassen können. Sie rechnen mit um bis zu 4 Prozent steigenden Arbeitslosenzahlen.
Die Executive-Search-Spezialisten von Roy C. Hitchman teilen die Einschätzung ihrer Kunden: «Viele traditionelle Arbeitsplätze werden verloren gehen. Neue, die wir uns teilweise noch gar nicht vorstellen können, werden entstehen», meint Huber. Um im Zeitalter der Digitalisierung beschäftigungsfähig zu bleiben, werden von den Angestellten auch neue Skills verlangt. Die Führungskräfte sehen Agilität, Lernfähigkeit, Neugier und vernetztes Denken als essenziell an. Huber ergänzt, dass zusätzlich die Fähigkeit zum Umgang mit Unsicherheit wichtiger wird. Zu den neuen Arbeitnehmer-Skills passt, dass sich Menschen vermehrt selbständig machen, so Roy C. Hitchman in seiner Analyse. Wem das liege, werde ungeahnte Freiheiten und Selbstbestimmung gewinnen. Wer sich damit schwer tue, werde womöglich scheitern. Die Gefahr sehen Huber und seine Kollegen aber nicht nur auf der individuellen Ebene. Denn auch die Geschäftsmodelle von Schweizer Grossunternehmen könnten innert kurzer Zeit hinfällig werden.


Das könnte Sie auch interessieren