17.01.2017, 10:46 Uhr

Neue Jobs im Zeichen der Digitalisierung

Die Digitalisierung wird oft als Jobkiller verteufelt, aber die digitale Transformation schafft vor allem neue Tätigkeitsbereiche. Gefragt sind Digital-Profis mit wirtschaftlichem Denken.
Die digitale Transformation ist in aller Munde, kaum ein Unternehmen kommt mehr um dieses Thema herum. Dabei verändert die Digitalisierung nicht nur die IT-Landschaft, Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten – die Umwälzungen betreffen auch die Arbeitswelt.

Vom Pförtner bis zum Vorstand – die Digitalisierung erfordert von jedem Mitarbeiter neue Digitalkompetenzen.

Auf der einen Seite macht die Digitalisierung zahlreiche Jobs überflüssig, etwa weil intelligente Roboter die Arbeit schneller und kostengünstiger erledigen, zum Beispiel das Reinigen von Gebäuden. Auf der anderen Seite schafft die Digitalisierung Arbeitsplätze und bringt ganz neue Jobprofile hervor.
Gefragt sind Digital-Profis, die wirtschaftliches Denken und digitale Fachkenntnisse vereinen und so Unternehmen bei der Digitalisierung voranbringen. So werden zum Beispiel vielerorts Experten für Big Data gesucht, die im Wust der Daten den Überblick behalten, diese analysieren und daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln. Oder Social-Media-Profis, die online für die perfekte Aussendarstellung des Unternehmens sorgen und sich darum kümmern, dass man über die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram & Co. die richtigen Kunden erreicht.

Historischer Wandel der Arbeitswelt

«Die Digitalisierung führt zu einem historischen Wandel in der Arbeitswelt», resümiert Thorsten Dirks, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom und CEO von Telefónica Deutschland, die Veränderungen in der digitalisierten Arbeitswelt. Seiner Einschätzung nach entstehen mit der Digitalisierung neue, aufregende und anspruchsvolle Jobs, die eine gute Ausbildung voraussetzen und dafür viel Gestaltungsspielraum und Verantwortung bieten. Chief Digital Officer, Chief Disruption Officer, Data Scientist, Data Strategist oder Social Media Manager – Computerworld stellt die bedeutendsten neuen Digitalberufe vor, die immer häufiger auf den Suchlisten der Unternehmen in allen Bereichen der Wirtschaft zu finden sind. Nächste Seite: Chief Digital Officer

Chief Digital Officer (CDO)

Über keine neue Jobbezeichnung wird derzeit so viel berichtet – und auch diskutiert – wie über den Chief Digital Officer. Doch was genau macht ein CDO? Kurz gesagt: Der CDO ist für die gesamte digitale Wertschöpfungskette eines Unternehmens zuständig und weist quasi als Bauleiter den Weg in die digitale Zukunft. Er erarbeitet eine Strategie zur Digitalisierung und gewährleistet deren Umsetzung. Dazu gehö­-ren unter anderem neue Geschäftsmodelle, Produkte und Services, aber auch das Hinterfragen vorhandener Geschäfts­modelle.
Konkret geht es darum, wie sich durch die Digitalisierung beispielsweise interne Prozesse optimieren lassen, wie sich das Marketing in Zeiten von sozialen Netzwerken ändert oder welche digitalen Produkte sich neu einführen lassen. Hinzu kommt das grosse Thema Big Data – welche Daten sind im Unternehmen verfügbar und wie lassen sich diese optimal auswerten und nutzen. Um entsprechend handlungsfähig zu sein, hat der CDO einen Sitz im Vorstand. Der Chief Digital Officer ist also eine Art IT-Manager. Er braucht allerdings nicht unbedingt einen IT-Hintergrund mitzubringen, sondern kann auch über einen kaufmännischen Background verfügen. Denn für die abteilungsübergreifende Querschnittsaufgabe ist vor allem auch betriebswirtschaftliches Wissen und Denken gefragt. Für die technische Umsetzung ist dann der Chief Information Officer (CIO) zuständig, der mit dem CDO idealerweise Hand in Hand zusammenarbeitet.
Doch wieso wird überhaupt so viel über den Sinn eines solchen Chief Digital Officers diskutiert? Häufig wird in Unternehmen nicht klar formuliert, was der neu eingeführte CDO genau machen soll, ausser die Digitalisierung voranzutreiben. Und damit wird der neue Chef-Digitalisierer dann häufig alleingelassen – ohne Rückhalt durch das übrige Top-Management. Nicht selten sind damit dann auch die Erfolge eines CDOs überschaubar. Daher ist unerlässlich, dass sich Unternehmen genau überlegen, was die unternehmerischen Ziele eines Chief Digital Officers sind und welche operativen Spielräume er für die Umsetzung dieser Ziele erhalten soll. Nur so verhindert man etwaige Grabenkämpfe zwischen dem Chief Digital Officer und den anderen Abteilungen im Unternehmen. Solche Grabenkämpfe sind nicht unbedingt selten: Einer Untersuchung der Digitalagentur Etventure mit Unterstützung der Marktforscher von GfK ergab, dass in deutschen Grossunternehmen mit 65 Prozent das mit Abstand meist genannte Problem bei der Umsetzung der Digitalisierung die Verteidigung bestehender Strukturen ist. Derzeit ist der Chief Digital Officer übrigens noch ein ziemlicher Exot: Laut Bitkom gibt es lediglich in zwei Prozent der deutschen Unternehmen einen CDO – allerdings mit stark steigender Tendenz. Nächste Seite: Chief Disruption Manager und Data Scientist

Chief Disruption Manager

In vielen Unternehmen gibt es statt eines Chief Digital Officers einen Chief Disruption Manager. Mitunter sieht man den Chief Digital Officer und den Disruption Manager auch in Personalunion als sogenannten Chief Disruption & Digital Officer (CDDO). Was aber ist der Unterschied zwischen dem Digital Officer und dem Disrup­tion Manager?
Disruptiv bedeutet so viel wie «zerbrechend», «zerreissend», Disruption heisst «Erschütterung» oder auch «Störung». Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation bedeuten diese Begriffe, dass eine neue Idee, eine neue Technologie auf einen Schlag alles weitreichend verändert. Ein Chief Disruption Manager macht also eigentlich nichts anderes als der CDO: die digitale Transformation eines Unternehmens vorantreiben und es für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters rüsten. Disruption ist jedoch offenbar derzeit einfach das schickere Wort: Laut der «Frankfurter Allgemeinen» war Disruption das Wirtschaftswort des Jahres 2015 unter Deutschlands Geschäftsleuten. Neu ist die Verwendung des Begriffs übrigens nicht: Bereits vor rund 20 Jahren schrieb der Harvard-Professor Clayton Christensen über «disruptive» Technologien.

Data Scientist

Die beiden Wörter «Big Data» geistern ebenfalls schon seit ein paar Jahren durch die IT-Welt. Und inzwischen fangen auch immer mehr deutsche Unternehmen etwas damit an: Sie treffen wichtige Geschäftsentscheidungen auf der Basis von Datenanalysen, etwa der detaillierten Auswertung von Kunden- oder Wirtschaftsdaten. Laut dem IT-Branchenverband Bitkom ist Big Data vor allem im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automobilbranche populär, während öffent­liche Verwaltungen dem Datensammeln und -auswerten noch eher skeptisch gegenüberstehen. Eine Studie der Unternehmensberater von KPMG ergab, dass hierzulande ein gutes Drittel der Unternehmen auf Big-Data-Analysen setzt.
Die Unternehmen haben also verstanden, dass das Auswerten von Daten für den wirtschaftlichen Erfolg zunehmend von Bedeutung ist und es sich dabei um eine Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung handelt. Doch in vielen Firmen fehlen Mitarbeiter, die bei den riesigen Datenmengen den Überblick behalten und die relevanten Daten richtig aufbereiten können. Diese Lücke schliesst der Data Scientist. Er steuert die Datenprojekte und nutzt die Analyse-Ergebnisse, um den Unternehmenserfolg zu sichern und zu steigern. Dazu findet der Data Scientist im erstem Schritt heraus, wo überall im Unternehmen wichtige Daten anfallen. Diese Daten trägt er zusammen und verarbeitet sie mit Hilfe diverser Analyse-Tools. Was sich einfach anhört, ist eine komplexe Angelegenheit. So benötigt ein Data Scientist ein hohes Mass an Fachwissen in den Bereichen Informatik und Mathematik, zum Beispiel zum Programmieren der Datenabfragen, um an die interessanten Informationen heranzukommen. Hinzu kommen idealerweise fundierte Kenntnisse über die Produkte und Dienste, die das Unternehmen vertreibt. Und auch über die rechtlichen Grundlagen des Datenschutzes muss ein Data Scientist Bescheid wissen. Je nach Unternehmensgrösse sorgt der Data Scientist nicht nur dafür, die wichtigen Daten heran­zuschaffen und aufzubereiten, sondern er entwickelt aus den gewonnenen Daten auch selbst neue Geschäftsmodelle und Businesskonzepte für das Unternehmen. Wie neu der Beruf des Data Scientists ist, zeigt eine Studie des Software-Herstellers SAS: 62 Prozent der Data Scientists in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben nur bis zu drei Jahre Berufserfahrung. Ein Ausbildungsberuf ist Data Scientist nicht. Vielmehr bieten zahlreiche Organisationen, zum Beispiel die Fraunhofer Academy oder die Bitkom Akademie, entsprechende Weiterbildungen für IT-Profis an. Dort werden unter anderem Analysetechniken und Statistikmethoden gelehrt. Nächste Seite: Social Media Manager

Data Strategist

Eine Begleiterscheinung von Big Data ist, dass die vielen Daten irgendwann überall liegen: auf den Servern des Unternehmens – inhouse oder ausgelagert in der Cloud – oder auf den Servern diverser Big-Data-Analyse-Tools. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, welche Daten das Unternehmen eigentlich in welchem Zusammenhang nutzen darf. Vor allem wenn es um Kundendaten geht, sind zahlreiche rechtliche Vorgaben einzuhalten. Hier kommt der Data Strategist zum Zug: Er behält den Überblick und gibt die Leitlinien für den Umgang mit den einzelnen Datenarten vor.
Ein Data Strategist benötigt ein hohes technisches Verständnis. Nur damit lässt sich nachvollziehen, an welchen Stellen überall Daten erhoben und in welcher Weise diese bei der Auswertung verarbeitet werden. Für die Aufgabe des Data Strategists eignen sich also vor allem Informatiker, Mathematiker oder Physiker. Darüber hinaus vereinfachen juris­tische Kenntnisse die Einhaltung von Unternehmensrichtlinien und rechtlichen Vorgaben.

Social Media Manager

Auch Social Media Manager ist keine offizielle Berufsbezeichnung. Vielmehr hat sich dieser Begriff für diejenigen Mitarbeiter etabliert, die sich um die Internetgemeinde eines Unternehmens kümmern. Salopp gesagt bekommt der Social Media Manager Geld fürs Surfen im Netz. Er ist in den sozialen Medien wie Facebook, Instagram, Twitter und Co. zu Hause und weiss zum Beispiel genau, welches das perfekte nächste Gewinnspiel für die Facebook-Freunde des Unternehmens ist, in welchem Intervall die Fotos neuer Produkte auf Instagram gepostet werden sollten oder wie man mit nörgelnden Kunden auf Twitter umgeht. Der Experte für soziale Medien muss aber auch mit Zahlen umgehen können: Er wertet Statistiken zu Zugriffszahlen und Kundenreaktionen aus, entwickelt neue Konzepte für Aktionen und hält nach neuen Online-Kanälen Ausschau. Dabei geht es beim Social Media Manager nicht nur um die externe Kommunikation. Genauso wichtig ist die interne Kommunikation im Unternehmen selbst. So muss der Manager für Soziales innerhalb des Unternehmens hervorragend vernetzt sein und kontinuierlich mit anderen Abteilungen kommunizieren. Der Job des Social Media Managers ist augenscheinlich hauptsächlich etwas für junge Menschen: Einer Studie des Bundesverbands Community Management für digitale Kommunikation & Social Media (BVCM) zufolge sind zwei Drittel der Social Media Manager in Deutschland zwischen 25 und 35 Jahre alt. Die Verteilung zwischen Frauen und Männern ist im Gegensatz zu sonstigen Berufen im IT-Umfeld erfreulicherweise ziemlich ausgewogen: 49,4 Prozent der deutschen Social Media Manager sind weiblich. Nächste Seite: Mobile Developer

Mobile Developer

Rund 80 Prozent der deutschen Mobilfunknutzer verfügen über ein Smartphone – eine riesige Zielgruppe, die Unternehmen über mobiloptimierte Inhalte und Apps erreichen können. Wie wichtig das Thema Mobile mittlerweile ist, beweist auch der Suchmaschinengigant Google. Er wird seinen Index in den kommenden Monaten auf «mobile first» umstellen und mobile Inhalte in den Suchergebnissen bevorzugen. Kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen auf der Suche nach Spezialisten für mobile Systeme sind.
Mobile Developer sind neben Entwicklern für die mobilen Betriebssysteme Android oder iOS auch Entwickler im HTML-, CSS- und Java­Script-Umfeld. Der Mobile Developer kümmert sich um die Konzeption, die Programmierung und die Gestaltung von mobilen Inhalten und Apps. Laut den Marktbeobachtern von Evans Data gibt es weltweit bereits rund 12 Millionen Mobile Developer. In den kommenden vier Jahren soll deren Zahl auf bis zu 20 Millionen anwachsen. Bei einer geschätzten Gesamtzahl von rund 21 Millionen Entwicklern weltweit konzentriert sich damit derzeit schon mehr als die Hälfte auf mobile Inhalte.

Security Manager

In Zeiten zunehmender Vernetzung und immer umfangreicherer und raffinierterer Angriffe durch Cyberkriminelle wird das Thema IT-Sicherheit immer wichtiger – viele Unternehmen haben dessen Tragweite jedoch noch nicht voll erkannt. Die folgende Zahl ist alarmierend: Laut einer aktuellen Bitkom-Studie verfügen nur 51 Prozent der deutschen Unternehmen über einen Notfallplan, um innerhalb kurzer Zeit auf den Abfluss sensibler Daten, digitale Wirtschaftsspionage oder Sabotage zu reagieren. Die übrigen haben im Fall der Fälle das Nachsehen. Sich erst dann um die IT-Sicherheit zu kümmern, wenn es zu spät ist, ist kein planvolles Vorgehen.
Aufgabe eines Security Managers ist das Vermeiden von Datenlecks und das Entwickeln einer Strategie für die IT-Sicherheit – früher nannte sich der Security Manager häufig einfach IT-Sicherheitsbeauftragter. Der Security Manager befasst sich jedoch auch mit den Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens im Alltag: Er schult Mitarbeiter im Umgang mit Daten, er legt fest, ob und welche Mitarbeiter zum Beispiel private Daten auf Firmen-Smartphones nutzen dürfen und welche externen Dienstleister welche Zugriffe auf die Unternehmens-IT erhalten. Einen Chief Information Officer (CIO) ersetzt der Security Manager übrigens nicht. Während Letzterer dafür zuständig ist Richtlinien, Strategien und Notfallpläne für die Unternehmens-IT zu entwickeln, ist die IT-Abteilung des CIOs letztlich dafür verantwortlich, diese Richtlinien umzusetzen.

Real-Time Advertising Manager

Im Bereich des Marketings hat die digitale Transformation vor allem für mehr Tempo gesorgt. Die Zeiten langfristig geplanter Anzeigenkampagnen im Internet sind vorbei. Heute lautet das Stichwort im Marketing «Echtzeit». Nur so lassen sich auf den Werbeplattformen in Sachen Sichtbarkeit Wettbewerbsvorteile schaffen. Real-Time Advertising ist die neueste Disziplin im Online-Marketing und der Real-Time Advertising Manager erzielt die besten Anzeigenergebnisse, indem er Strategien und Kampagnen umsetzt, die Interessenten zu Kunden machen. Der neue Anzeigen-Manager analysiert dazu kontinuierlich die Aktivitäten und die Performance der einzelnen Kampagnen.



Das könnte Sie auch interessieren